Mama zockt - warum Selbstfürsorge und Zeit allein wichtig ist.
Gedankenwelt, Life

Mama zockt // Ich hab diese Me-Time so so so nötig

„Tut mir leid, Schatz, ich kann gerade nicht. Mama zockt.“

Ja, ich zocke am Laptop, während meine Kinder wach sind. Ich Rabenmutter. Aber tut es mir ehrlich leid? Nein, eigentlich nicht. 

Nein, den Anruf beim Jugendamt kannst du dir sparen. Denn die meiste Zeit bin ich tatsächlich die Mama, die putzt, kocht, auf dem Boden herum kriecht, Lego Türme baut, Hausaufgaben und Wutanfälle begleitet, Wäsche faltet, die Kinder von A nach B fährt und sich hinten anstellt. Aber nicht immer. Denn manchmal, manchmal möchte ich einfach ich sein. Nicht fremdbestimmt und fremdgesteuert. Manchmal möchte ich etwas für mich tun. Und nur für mich.

Me-Time ist seit der Covid_19 Pandemie sowieso fast zum Fremdwort verkommen. Was ist das eigentlich? Zeit für mich? Ohne Unterbrechung? Ha, dass ich nicht lache. Und wenn dann doch mal alle Kinder harmonisch miteinander spielen (ja, das ist nicht nur ein Mythos, sondern einfach so selten wie einen Phönix aus der Asche steigen zu sehen), dann klingelt unter Garantie das Telefon oder die Türklingel. Ich kann ja schlecht das Kind vor der Tür stehen lassen, das schnell aufs Klo muss. Und das Paket nehme ich eben auch lieber an, bevor es draußen von neugierigen Mäusen aufgerissen wird. 

Kurzum: Eltern stecken immer zurück. Wirklich immer. Und egal, was man anpackt, es bleibt immer etwas auf der Strecke. Auch wirklich immer. Entweder es sieht hier aus wie Sau, ich sehe aus wie Sau – ich sag nur Muddidutt und Jogginghose -, die Kinder werden vor Medien geparkt oder Zeit für jeden einzelnen bleibt auf der Strecke. Dabei ist mir Quality-Time mit meinen Kindern verdammt wichtig. Und ich bin in der glücklichen Lage, von zuhause aus zu arbeiten.

Ab und an schreit dann alles in mir.

Mein Herz schreit nach einer Auszeit, mein Kopf möchte nur noch Ruhe und mein Körper reagiert mit absoluter Anspannung. Ab und an müssen dann eben die Kinder zurück stecken. Das sind dann diese Momente, in denen ich alles andere als pädagogisch wertvoll handle und meine Kinder bitte, mich einfach in Ruhe zu lassen, ihnen Medien in die Hand drücke und mich zurück ziehe. Diese Momente, in denen ich es mir einfach mache, weil ich es brauche. Und dann heißt es eben „Mama zockt – bitte nicht stören!“.

Diese Zeit für mich ist so verdammt wichtig, denn ich stehe den ganzen Tag unter Strom. Der Tag ist durchgetaktet und die Nächte sind phasenweise wirklich zum Davonlaufen. Geht aber nicht, weil ich danach zu müde bin. Doof, gell? Aber da muss man (oder in dem Fall ich) einfach durch. Doch oft prallen da eben die Bedürfnisse meiner Kinder auf die meinen. Und so schwer es mir fällt, manchmal fehlt dann auch einfach das Verständnis dafür, nicht einmal auf der Toilette meine Ruhe zu haben. Wurde das nicht immer als DER Rückzugsort für Eltern beworben? Das stille Örtchen? Also still ist da gar nix, wenn optional 1-5 Kinder davor stehen (oder mit einem Geldstück das Schloss aufdrehen), um mir lebenswichtige Dinge, wie das Eselsohr in der Hausaufgabe zu präsentieren. Wunderbar. Wirklich. Also nicht.

Ich merke dann, wie ich mich selbst immer weniger leiden mag. Wie ich immer fahriger werde, die Geduld sich verkürzt und mein Verständnis für Dinge schwindet, die den Kindern nahe gehen. Wenn so wenig Raum für mich bleibt, schreit alles in mir, dass ich ausbrechen muss.

Und dann schaffe ich es doch ab und an, mir meine Inseln zu schaffen. Inseln der Ruhe.

Wenn Manuel von der Arbeit kommt, kann es sein, dass ich ihm freudestrahlend den Kleinsten in die Arme drücke, ihm ein Küsschen zuhauche und mich dann einfach zurückziehe. Tür zu und einfach die Ruhe genießen. Nichts sehen, nichts hören, nichts an mir zuppeln. Und dann sitze ich einfach so da und drehe Däumchen. Langeweile – etwas, das ich mittlerweile genieße, weil es so verdammt selten vorkommt.

Und manchmal, manchmal schalte ich den Kindern einfach den Fernseher ein, stelle ihnen Snacks vor die Nase und lasse sie einfach machen. Damit ich Zeit für mich habe. Für meine Bedürfnisse, die ich sonst immer hintenanstelle. Oder auch, um herunter zu fahren, die Spannung abzuschütteln und wieder Kraft zu sammeln. Kraft für den Alltag, für das Begleiten durch Wutanfälle, durch Hausaufgaben oder in den Schlaf. Um wieder geduldiger zu reagieren und Verständnis für die Wünsche meiner Kinder zu haben.

Weil es eben auch mir gut gehen muss, damit ich die Mama sein kann, die meine Kinder brauchen. Die Mama, die ich sein möchte. Eine Mama, die fair ist, die kooperativ handelt und ihre Kinder nicht als Belastung sieht. Klingt hart? So ist es aber nun einmal und ich möchte da auch kein Blatt vor den Mund nehmen.

Ja dann bin ich konsequent: „Entschuldige, mein Schatz, Mama zockt gerade.“ 

Denn wenn wir ehrlich sind, ist es immer besser, Mama zockt, killt dort ein paar Yetis oder Wölfe, vernichtet Raidbosse und duelliert sich mit ein paar Deppen, als dass sie die aufgestaute Anspannung an den Kindern auslässt. Immer!

Klar könnte ich auch Sport machen, lesen oder (was ich wieder viel zu oft mache) backen. Aber zocken ist genauso ein Hobby wie jedes andere auch. Nicht besser, nicht schlechter. Und solange man alles – auch Sport – in Maßen genießt und ein für sich effektives Ventil gefunden hat, das niemand anderem schadet, ist es doch super! Wenn jemand statt zu zocken nämlich telefonieren, ein Buch lesen oder die Nägel aufwendig lackieren würde, würde man wohl kaum so viele Vorurteile hören, wie wenn jemand am PC Spiele spielt. Ist dir das auch schon aufgefallen?

Und jetzt entschuldige bitte, ich muss aufs Schlachtfeld, sieben andere Gegner vernichten, bevor ich mich liebevoll um den Schlaf des Kekses kümmere, die Kinder gelassen durch Latein-Vokabeln und Mathe-Übungsblätter begleite und Schiedsrichter spiele.

Herzlichst, die Julie

 

Was mich sonst beschäftigt? Das kannst du hier nachlesen. Und falls du Beschäftigungsideen suchst, schau dich gern bei meinen DIY-Ideen um. Außerdem findest du hier alles rund ums leibliche Wohl.

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