Wie sehr mir das Alleinsein fehlt in Zeiten von Corona und Homeschooling.
Gedankenwelt, Life

Nur 5 Minuten – wie sehr mir das Alleinsein fehlt

10 Wochen. 10 Wochen leben wir hier großteils isoliert, treffen weder Freunde noch Bekannte, betreiben Homeschooling und versuchen uns an Schadensbegrenzung. Ich sitze stundenlang an Deutschaufgaben für das Kind mit Lese-Rechtschreibstörung, diskutiere mit dem Klassenüberspringer die Wichtigkeit von Satzartbestimmungen und Malrechnen und wälze mit dem besonnenen „Ups, das hab ich vergessen“-Kind Vogelführer für die Bestimmung der heimischen Vogelarten. (Hier habe ich übrigens über Homeschooling und Chancengleichheit geschrieben.)

Nebenbei rauscht die Spülmaschine im Schichtsystem, Körbe voller Wäsche warten auf ihre Bearbeitung und der Garten sieht aus, als entstamme er einer dieser Dokus von verlassenen Häusen. (Dieser TLC-Mist mit Geistern – kennst du vielleicht.) Dazu kommt ein nicht mehr in den Kindergarten gehendes Kindergartenkind, das nach Aufmerksamkeit und Liebe hechelt und ein (gar nicht mehr) Baby verlangt im Minutentakt nach Nahrung, möchte getragen werden oder hat die Windel voll.

In anderen Worten: 10 Wochen, die mir alles abverlang(t)en. Ganze 10 Wochen ohne Pause, ohne die Möglichkeit, einfach auszubrechen und Kraft zu sammeln. Es vergeht kaum eine Sekunde, ohne dass eines der Kinder an mir zuppelt, meine Aufmerksamkeit möchte oder sich über ein anderes Kind beschwert. Und, hach ja, auch nachts bin ich nicht allein. Da liegt ein ziemlich nähebedürftiges Baby in meinem Arm, das noch immer ziemlich oft wach wird.

Wie sehr mir das Alleinsein fehlt

Nur mal 5 Minuten ohne „Maaaamaaa, kannst du mal eben ….?“ oder „Mami? Ich brauch da noch ….!“ und „MAMI! Warum hast du mir ….. noch nicht ausgedruckt?!“.

Ich habe meinen Kindern mal erklärt, dass Mama und Papa, genauso wie Oma und Opa besondere Titel sind, die nicht jeder tragen darf. Aber manchmal wäre zwischendrin schon die Abwechslung zu meinem Vornamen schön. Oder die Weitsicht der Kinder, dass ich in den 2 (!) Minuten auf dem Klo KEINEN 3-seitigen Aufsatz kontrollieren möchte. Dass es vielleicht nicht so intelligent ist, mir das zusammen getackerte Waldheftchen in die Badewanne zu werfen.

Oder diese vollkommen absurde Idee: anzuklopfen und auf Antwort zu warten, bevor man ein Zimmer stürmt.

Meistens ist es nämlich schon zu spät, wenn das Kind im Bad, im Klo oder im Schlafzimmer steht, in das ich mich extra zurück gezogen habe. Da wird mit schuldbewusstem „Uuuuups …. aber wenn ich schon mal da bin ….“ jeglicher Versuch, mal durchzuatmen wieder zunichte gemacht.

Ich sehne mich nach Stille, Ruhe – 5 Minuten allein und ohne Unterbrechung

Na gut, 10 Minuten oder sogar 15 würde ich auch nehmen. Allein auf der Terrasse, im Wald oder mitten auf einem Feld. Mit Kaffee, der Wind rauscht in den Blättern, Insekten summen von Blüte zu Blüte und das einzige, das lärmt, sind die Vogelbabys, die ihren Eltern gerade auf dem Kopf herum tanzen. Und dann kann ich sagen: „HA! Ich weiß, wie es euch geht. Aber ich habe gerade Pause. P A U S E! Geil ist das!“

Irgendwann schlägt meine Stunde. Ich fühle es. Nur nicht heute oder morgen. Nächste Woche vermutlich auch noch nicht. Aber dann, vermutlich im zweiten Lockdown in den Sommerferien, dann bin ich dran. Und bis dahin bearbeite ich eben mit herunter gelassener Hose Grammatik in Deutsch und Englisch, erkläre 7×4 und erinnere daran, dass wir auch Lineale und Radiergummis besitzen.

Herzlichst, die Julie

 

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