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Von Magie, Hokuspokus und Osteopathie – was unserem Baby half, entspannter zu werden

Wie die Osteopathie uns die Nerven erhielt.

Dass wir keine „Anfängerbabys“ bekommen, war mir fast klar. Keines meiner Kinder war ein Anfängerbaby. Naja, die Prinzessin noch am ehesten. Zumindest ließ die sich ablegen und war zufrieden, solange sie etwas zu essen hatte. Aber die anderen? Puh, allein wenn ich dran denke, wie ich irgendwann heulend im Bett saß, die Große – damals ein paar Wochen alt – in meinen Armen wiegte und flehte, sie möge doch bitte endlich aufhören zu weinen. Nein, leicht war es nicht. Eher im Gegenteil.

Wie sagte unsere Kinderärztin so schön? „Sie haben halt sehr willensstarke Kinder. Die kommen später weit, glauben Sie mir!“ Ja, das waren ihre Worte, als ich mich dafür entschuldigte, dass der damals knapp 3jährige Zwerg die U-Untersuchung boykottiert hatte. Nicht, dass er davor jemals mitgemacht hätte, nein. Bei den anderen Kindern verlief das übrigens sehr ähnlich.

Beim 5. Kind war ich dann doch das erste Mal so richtig vollkommen entspannt. Die Schwangerschaft über ließ ich so wenig wie möglich an mir untersuchen, ließ das Ganze auf mich zukommen und ja, ich freute mich sogar auf die Geburt. Die Geburt verlief aber gelinde gesagt absolut kacke. Ehrlich, so eine Geburt wünscht man nicht seinem ärgsten Feind. Vielleicht erzähle ich irgendwann ein wenig darüber. Momentan schaffe ich es noch nicht. Dass so eine Geburt aber auch Folgen für das Baby hat, war klar.

Jedenfalls hatte ich ein ziemlich propperes Kerlchen in meinen Armen, das die ersten Tage komplett apathisch war. Als das vorbei war, begann er, immer mehr zu weinen. Zum Teil richtig panisch. Auf den Rücken legen? Das ging gar nicht, denn – auch wenn er noch so gut gesichert lag – irgendetwas löste ständig den Fallreflex aus. Der arme kleine Kerl riss also im Sekundentakt die Ärmchen nach oben und schrie laut auf. Und auch die Stillschwierigkeiten, die wir eigentlich überwunden hatten, kamen mit der Zeit wieder und wurden verstärkt. Sobald ich versuchte, ihn im Sitzen anzulegen, bog er sich durch und weinte bitterlich.

Als Eltern, du kennst das sicher, bricht es einem einfach nur das Herz, wenn man sieht, das Baby leidet und man kann nichts tun. So gar nichts. Manchmal wäre eine Anzeige wie bei den Sims toll. Oder Gedankenblasen über dem Kopf. Ein „Ich hab Hunger“ oder „Einmal frische Windel bitte – aber dalli!“ wäre weit verständlicher als dieses herzzerreißende Weinen. Ich lief also mal wieder Stunde um Stunde mit meinem weinenden Baby auf dem Arm durchs Haus, redete im Flüsterton mit ihm und war fertig mit den Nerven.

Plötzlich stehste halt wieder da, als wäre das dein erstes Kind. Du hast keine Ahnung, was dem Baby fehlt und möchtest ihm einfach nur alle Last der Welt von den Schultern nehmen – was natürlich nicht geht. Diese Hilflosigkeit, die Machtlosigkeit, ganz grausam.

Dann unterhielt ich mich vor ein paar Wochen auf einer Geburtstagsfeier mit einer ganz lieben Mama. Die riet mir, zum Osteopath zu gehen, denn das hat ihrem Sohn sehr gut geholfen. Osteopathie? Hat ein bisschen was von Hokuspokus und Scharlatanerie, wenn man bedenkt, dass man als Grundausbildung den Heilpraktiker haben muss. Und wenn es nicht direkt von den Kassen übernommen wird – im Gegensatz zu Globuli, die tatsächlich nur soviel wie Placebos bewirken – aber nicht darüber hinaus. Aber ja, das klang irgendwie logisch. Der letzte Strohhalm.

Hätte ich ja irgendwie auch selbst drauf kommen können, dass die Osteopathie da was bewirken kann oder?

Schon bei der Großen waren wir damals bei einem (allerdings ziemlich zwielichtigen) Osteopathen, der unserer Tochter gegen einen Fixbetrag unheimlich viel Ballast genommen hat. Damals, als die Tage kräftezehrend und die Nächte noch schlimmer waren. Ob die Große damals ruhiger wurde, weil wir daran glaubten, dass das ja etwas bringen müsse oder ob dieser Typ meinem Kind wirklich geholfen hat, kann ich nicht sagen.

Dem Herzmann erzählte ich davon, dass wir jetzt dringlich mal mit Osteopathie unser Glück versuchen sollten. Aber wer behandelt Babys? Und wo kommt man dann unter Umständen unter, wenn man nicht gerade Wochen oder gar Monate Wartezeit in Kauf nehmen möchte? Durch Zufall stieß er dann auf eine Osteopathin, die sich mit Babys und Kleinkindern befasst und rief dort auch ziemlich zügig an.

Wenig später hatten wir unseren Termin und zu all der Erschöpfung mischte sich Vorfreude. Denn anstrengender als die Tage jetzt konnte es nicht werden. Also holten wir uns schnell eine Empfehlung vom Kinderarzt, denn damit wird ein Teil der Kosten rückerstattet. Damals, als die Große dran war, gab es das noch nicht.

Die Fahrt zu unserem Termin verlief, wie bis dahin jede Fahrt mit Tränen. Ich hatte den Keks zuvor noch im Liegen gestillt, nachdem er im Sitzen wieder stark geweint und sich komplett durchgebogen hatte. Half alles nichts. Er weinte im Auto, obwohl ich neben ihm saß, ihm die Wange streichelte und beruhigend auf ihn einredete.

45 Minuten dauerte die Behandlung. 45 Minuten, in denen mein kleines Baby genau unter die Lupe genommen wurde. Dann durften wir wieder gehen.

Wir waren noch nicht richtig am Auto, begann der Keks zu quaken. Und ich? Ich tat etwas, wovor ich wirklich Angst hatte. Ja, ehrlich, da war diese Angst, dass er mich wieder anschreien und sich durchbiegen würde, wenn ich versuche, ihn im Sitzen zu stillen. Die Angst, dass wir mit einem herzzerreißend weinenden Baby 25 Minuten im Auto verbringen müssen, bevor endlich wieder daheim ankommen. Dass ich ausharren muss, bevor ich mein Baby daheim wieder im Liegen stille – wenn er bis dahin nicht vor Erschöpfung eingeschlafen ist.

Also setzte ich mich auf die Rückbank, packte aus, nahm den Keks zögerlich in den Arm und führte ihn zu seiner Nahrungsquelle. Und der Keks, der dockte direkt an, sog fest und trank. Er trank, ohne sich durchzubiegen. Ohne zu schreien und zu weinen. Mein Baby trank auch die zweite Seite ohne Drama. Und mir liefen die Tränen. Diesmal liefen sie nicht vor Erschöpfung oder weil mir alles zuviel war. Diesmal liefen sie vor Freude. Mein Baby trank im Sitzen.

Wir wurden zwar von der Osteopathin vorgewarnt, dass es dem Keks vorerst sogar noch etwas schlechter gehen kann, bevor sich das Ganze bessert, aber wir merkten nichts davon. Klar weinte er noch immer ab und an, wenn er zu wenig Aufmerksamkeit bekam oder Hunger hatte. Auch, wenn die Windel drohte zu platzen. Aber dieser seltsame Fallreflex war weg. Und das Stillen klappt seitdem weit problemloser.

Wenn das Baby weint und alle Grundbedürfnisse abgedeckt sind, ist man oft ratlos. Ich erzähle dir, wie uns die Osteopathie aus dem Tal der Tränen half.

Was bei der Sitzung passiert ist?

Sie hat das gemacht, was früher der Hausarzt gemacht hat. Sie hat sich unser Kind genau angeschaut. Hat die Muskeln abgetastet, die Wirbelsäule abgefahren und gemerkt, dass da wohl ein paar Wirbel nicht ganz da saßen, wo sie hingehörten. Und genau das wurde behoben. Es ist alles wieder da, wo es hingehört. Die Verspannungen wurden mit einfachen Handgriffen gelöst.

Was ist es denn nun? Hokuspokus? Globuli-Placebo? Oder hilft die Osteopathie wirklich?

Ich weiß, dass da noch immer ziemlich kontrovers darüber gedacht wird. Bei Globulis, Schüsslersalzen und dem Handauflegen von Wahrsagern bin ich genauso skeptisch. Ich glaube da einfach nicht daran und es ist ja auch erwiesen, dass da nur der Placebo wirkt. Aber bei der Osteopathie? Da ist das irgendwie anders. Nicht, dass ich da überhaupt daran glauben müsste. Es funktioniert halt wirklich. Ohne Hokuspokus, ohne Scharlatanerei, sondern mit Händen und etwas Fingerspitzengefühl.

Die Behandlung ist jetzt schon ein wenig her. Dem Keks geht es seitdem besser. Viel besser. Er weint weniger, ist gleichzeitig mobiler. Und mein Baby wirkt viel ausgeglichener. Zumindest motzt er jetzt ein kleines bisschen, bevor er anfängt zu weinen. Nicht, dass ich das Weinen toll fände, aber manchmal überschneiden sich eben die Bedürfnisse und ich komme nicht allen meiner Kinder gleichzeitig nach. Ja, dieser kleine Mensch beschäftigt sich mittlerweile sogar morgens allein in seiner Wiege, bis das Frühstück fertig ist. Ohne Tränchen, sondern glucksend und zufrieden. Ohne panischen Fallreflex, obwohl er liegt.

Mein Baby kann nun endlich Baby sein und ich die Zeit mit ihm genießen. Mein Tag richtet sich nicht mehr nur nach den Stillphasen und der Hoffnung, irgendwo eine Wiese oder ein Bett zu finden, in dem ich ihn liegend stillen kann. Denn es klappt wieder im Sitzen und sogar beim Laufen. Und ich bin glücklich und sehr dankbar, dass die Osteopathie uns so gut geholfen hat. Ohne Hokuspokus.

So findet nun endlich entspanntes Familienleben statt.

Herzlichst, die Julie

 

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2 Comments

  1. Line says:

    Hallo mich würde interessieren bei welchem Osteopathen ihr wart. Leider haben wir einen Besuch hinter uns, aber da wurde unser Baby nicht wirklich angeschaut oder abgetastet,also ziemlich enttäuschent für 90 Euro. Wir haben auch eine schwere Geburt hinter uns und ein Baby welches viel weint und sehr unzufrieden wirkt. Freue mich über deine Antwort.

    1. Hallo Line,
      wir waren in der Osteopathie Lechfeld in Klosterlechfeld. Holt euch am besten einen Empfehlungsschein vom Kinderarzt, dann wird ein Teil der Kosten ersetzt.

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