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Tut mir leid, hab keine Zeit! Über Familienmanagement im Hause Puddingklecks

Manchmal frage ich mich wirklich, warum es Familienmanagement nicht als Studiengang gibt. Am besten mit Schwerpunkt Großfamilienkoordination. Denn, ehrlich, ich hätte mir vor einigen Jahren nicht im Ansatz ausmalen können, wie sehr ich mit vier Kindern und schwanger am rotieren bin. Dass ich mittlerweile nur noch genervt reagiere, wenn man von mir Rechenschaft verlangt, wenn manche Zeiten und Tage einfach blockiert sind.

Gerade hat der Fasching Hochsaison, das Wochenende ist durchgetaktet mit Auftritten und Geburtstagen, unter der Woche darf ich mich zwischen den Hobbies der Kinder und Terminen für meine Wenigkeit zerreißen. Und dann wäre da auch noch der Mann, der neben seinen regulären schnieken 39 Stunden Überstunden schiebt, wenn diverse Veranstaltungen und Termine anstehen. Wenn ich also nicht gerade eh im Auto sitze oder auf dem Weg zur Ablieferung der Mäuse bin, sitze ich am Laptop und versuche, dort etwas zu schaffen. Kurzum, mein Tag beginnt irgendwo zwischen 4 und 5 Uhr morgens und endet meist mit dem Zubettgehen der Kinder und einer Stunde Paarzeit oben drauf.

Der frühe Vogel ….

Ja, meist stehe ich wirklich zwischen 4 und 5 Uhr auf. Warum? Es ist herrlich still, ich kann in Ruhe am Blog arbeiten, Emails beantworten und mir Gedanken zu neuen Beiträgen hier und in meinen Social Media Kanälen machen, die für dich interessant sein und Mehrwert bieten könnten. Niemand unterbricht mich, fragt nach dem dritten Marmeladenbrot oder möchte in der Zeit mit mir Monopoly spielen. Es ist Arbeitszeit und Me-Time.

Das bisschen Haushalt ….

Wenn die Kinder und der Herzmann bis etwa halb 8 das Haus verlassen haben, beginnt für mich die Hausfrauenroutine. Ich putze, ich mache die Wäsche – und bei 6 Personen fällt da verdammt viel an – und versuche, Ordnung ins Chaos zu bringen. Wenn ich einen Tag schleifen lasse, habe ich die folgenden zwei Tage ordentlich nachzuarbeiten. Denn einiges wird einfach nebenbei erledigt. Die Wäsche kommt mit hoch, wenn ich lüften gehe, der Müll kommt beim Rückweg mit runter. Die Zahnpastareste schrubbe ich mit dem alten Waschlappen weg, bevor er in der Schmutzwäsche landet und die Häschen erfreuen sich täglich an Gemüse- und Obstschalen von den Pausenbrotvorbereitungen. Dennoch frisst es Zeit ohne Ende. Wenn dann zwischendurch Arzttermine anstehen, wie jetzt mit dem Bauchbewohner, kommt der Ablauf des Vormittags ins Schludern.

Und dann sind da die Nachmittage ….

Ich habe aufgehört zu grübeln, wann ich das letzte Mal bewusst für mich und mein Vergnügen im Auto saß. Wann ich zuletzt für mich unterwegs war, ohne Termine abzuarbeiten. Ich glaube, irgendwann Anfang November. Ansonsten spiele ich Hausaufgabenkontrolleur (ein eher unbeliebter Job), fahre zu Hobbies und Freunden der Kinder, erfülle Ausflugswünsche. Oder es geht zum Shoppen von nötigen Dingen. Ich glaube, Eltern verstehen mich, wenn ich innerlich die Augen rolle, wenn ich weiß, es stehen wieder neue Schuhe oder die neuen Frühlingsklamotten an – für alle 4! Fixe Termine, wie den Geigenunterricht oder Klavier, haben wir aber täglich und freiwillig. Denn Hobbies funktionieren nun mal am besten ohne Zwang.  Und darum herum versuche ich, die Wünsche der Kinder zu koordinieren.

Mein einzig „freier“ Tag ist Montag. Der Tag, an dem ich die Jungs aus dem Kiga des Mannes abhole und nachmittags wirklich nichts außer Streitschlichter und Hausaufgabendompteur bin. An diesen Montagen bin ich dann hauptsächlich Mamataxi für die Mädels, wenn ich nicht völlig k.o. auf dem Sofa liege und einfach mal wirklich eine Pause für mich brauche.

Unverständnis von außen ….

Ehrlich, zum Teil macht es mich so wütend, wenn die Mäuse sich mit Freunden treffen wollen und abgesagt wird, weil ich nicht schon wieder ins Auto hüpfen und fahren möchte. Wenn abgesagt wird, weil man selbst ins Auto steigen sollte, um sein Kind abzuliefern. Es nervt mich, wenn dann von außen kommt „Aber du hättest ja die Zeit.„. Hätte ich das wirklich? Es sieht keiner, wie ich morgens Artikel schreibe, Bewerbungen verschicke, Themen suche, Toiletten schrubbe. Kaum einer bekommt mit, wie ich während der Hausaufgabenzeit Mails checke, Bilder schieße, Artikel überarbeite, die zweite Ladung der Spülmaschine verräume. Ich bin ja nur Hausfrau.

Ich habe es so satt, mich dafür rechtfertigen zu sollen, warum ich manche Zeiten und manche Tage einfach nicht kann. Vielleicht will ich auch einfach ab und an nicht. Und auch das ist legitim, ohne dass ich jemandem eine Rechenschaft schuldig bin, warum ich absage. Es nervt mich so sehr, wenn Argumente kommen, wie „Dein Kind sollte dir das wert sein!“. Als ob sie das nicht wären, wenn man nicht bereit ist, außertourliche Termine, die eben keinen Raum mehr finden, wahrzunehmen. Auch ohne Begründung.

Nein heißt nein!

Jeder beansprucht das für sich, möchte seine persönlichen Grenzen wahren und besteht darauf, seinen Stiefel durchzuziehen. Für andere ist es selbstverständlich, wenn sie keine Lust, Zeit oder Kraft haben, Termine abzusagen und es wird hingenommen. Ich wünsche mir das auch für mich, ohne gleich wieder in die Schublade der Vorurteile über Großfamilien abzurutschen. Mein STOP ist nicht weniger wert als das von anderen, sondern genauso viel.

Und ich wünsche mir wirklich, dass diese Maßstäbe, die man an sich selbst und seine Bedürfnisse anlegt, auch bei seinen Mitmenschen geltend macht. Wenn ich nicht kann, kann ich nicht. Egal warum. Wenn ich nicht will, will ich nicht. Auch hier gilt das gleiche.

Manchmal habe ich das Gefühl, ich müsse sogar Ausreden und Märchen erfinden, nur dass ich meine Ruhe habe. Dass ich mich nicht weiter erklären und an den Pranger stellen muss. Aber warum? Wofür? Um die Neugier von anderen zu befriedigen? Um mein eigenes schlechtes Gewissen zu stillen, weil ich den Ansprüchen anderer nicht gerecht werde?

Tut mir leid, ich hab keine Zeit!

Ein simpler Satz, an dem ich mittlerweile arbeite. Ich arbeite daran, ihn zu sagen, ohne schlechtes Gewissen. Ohne, dass ich mich rechtfertigen muss und will. Denn ehrlich, meist hab ich wirklich keine Zeit. Nicht einmal für mich. Für Kleinigkeiten, wie mehr als zwei Seiten in meinem Buch am Stück. Oder um in Ruhe das stille Örtchen aufzusuchen.

Aber vielleicht sollte ich mir Zeit nehmen. Für mich, für meine Bedürfnisse und Wünsche. Und mal ganz dreist fragen „Ist es dir dein Kind nicht wert, dass DU dich ins Auto setzt und es bringst?“ oder „Fühlst du dich besser, wenn du in meiner Privatsphäre herumstochern musst, wenn ich absage?“.

Ein bisschen mehr Egoismus wäre toll. Das sollte ich mir wirklich aneignen. Und ein bisschen mehr LmaA. Aber das war ja eh einer meiner Vorsätze für dieses Jahr. Warum also nicht auch da?

Keinem hilft eine ausgebrannte Mama, die es versucht, allen recht zu machen. Keinem hilft eine Frau, die beim Anblick des Wäschebergs in Tränen ausbricht, weil sie weiß, sie muss wieder eine Nachtschicht einlegen, wenn sie den Nachmittag komplett fürs Mamataxi opfert. Wenn sie sich für die Wünsche – nicht einmal Bedürfnisse – fremder Menschen so zurück nimmt, dass nichts mehr von ihr übrig bleibt.

Ich bin auch wichtig!

Ohne mich läuft der Laden hier nicht. Das Familienmanagement hier ist nicht gerade einfach. Ich gebe viel, um alles unter einen Hut zu bringen. Aber ich gebe mich nicht dafür auf, dass Tanztermine, Treffen mit Freunden der Kinder oder anderes in der spärlich gesäten Freizeit zu 100% stattfinden. Ich bin auch wichtig. Den Kindern, dem besten Mann der Welt und mir selbst auch.

Diese Selbstverständlichkeit, mit der andere ihre Freiräume erhalten, die wünsche ich mir in Sachen Akzeptanz, wenn ich das für mich auch tue. Ohne Rechtfertigung, ohne abschätziges „Die bekommt doch eh nix gebacken“ und ohne schlechtes Gewissen!

Die Julie

Manchmal frage ich mich wirklich, warum es Familienmanagement nicht als Studiengang gibt.Denn ich hätte mir vor Jahren nicht im Ansatz ausmalen können, wie sehr ich mit vier Kindern am rotieren bin.

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8 Comments

  1. Hallo Julie,

    Zeit ist auch bei uns Mangelware und das obwohl die Kinder nicht in Vereinen sind und deshalb viel weniger feste Termine anstehen.

    Deshalb bleibt mir nur zu sagen: Lass dich nicht unterkriegen, deine Zeit ist genauso wertvoll.

    Viele Grüße
    Mama Maus

    1. Danke für deine Worte. Manchmal hab ich das Gefühl, ich muss mich zerreißen, um allem gerecht zu werden. Aber vielleicht sind da auch wieder die Ansprüche (die eigenen und die fremden) einfach zu hoch.

  2. Ich bin immer baff, wenn ich mitbekomme, dass es Menschen gibt die denke oder sogar SAGEN, Hausfrau zu sein wäre doch so easy. Ich erwähne des Öfteren, dass ich, hätte ich mehr als zwei Kinder (hab ja nur eins), definitiv zu Hause bleiben müsste bis das letzte in dee Mittelstufe ist – ich hab mit einem schon genug, auch wenn er mittlerweile pflegeleicher ist, bin ich noch immer Nachhilfelehrerin und persönlicher Terminkalender für ihn. Das mal drei oder vier oder fünf plus dem Haushalt – da arbeitete ich ja schon so mehr als ein kinderloser Vollverdiener. Also bitte, da solltest du wirklich nicht grübeln. Vielleicht weniger LmaA, aber einfach wirklich „Ich habe keine Zeit“ sagen. Ich leiste mir das selber auch und schaffe es mittlerweile, zu sagen „Könnt ich, will ich aber nichr, meine persönliche Freizeit ist mir wichtig“ – ist vielleich nicht das, was sich andere erwarten, aber ich kenne meine Grenzen (bin nicht sehr belastbar).

    1. Hach du Liebe!
      Danke für deine Mutmachworte! Das werde ich mir auf jeden Fall zu Herzen nehmen.
      Herzliche Grüße!

  3. „Ich bin auch wichtig!“ Das stimmt und ist ein ganz wichtiger Satz. Man hat ja als Mutter auch noch sein eigenes Leben und das darf für einen Tag in der Woche (oder im Monat) auch mal im Vordergrund stehen. Da darf man auch mal egoistisch sein. Mach das ruhig mal! Einfach mal keinen Haushalt erledigen und mal nen Film schauen mitten am Tag. Einfach so ohne schlechtes Gewissen.
    LG Anke

    1. Da hast du vollkommen recht. Das sollte man viel öfter machen und auf sich selbst achten. Danke für deinen Input!

  4. Ich finde es fantastisch, was du alles leistet! 4 Kinder, Schwangerschaft und der Blog. Ich weiß nicht, ob ich das schaffen würde!

    1. Vielen Dank für deine lieben Worte. Gerade frage ich mich das auch. Zum Glück bin ich da nicht alleine und habe jemanden, auf den ich mich blind verlassen kann, wenn es mir zuviel wird. 🙂

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