Wieso Urlaub ohne Kinder absolut okay ist und du kein schlechtes Gewissen haben musst. Und warum Reisen ohne Kinder ab und an nötig ist.
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Urlaub allein ohne Kinder – warum Egoismus auch mal gut tut

Aktuell mache ich Urlaub in New York. Eine meiner Herzmenschen und ich, wir erleben diesen Trubel, lassen es uns gut gehen und genießen die Freiheit. Urlaub ohne Kinder ist etwas ganz besonderes und wertvolles, was ich nicht missen mag. Leider kommen auch immer wieder zweifelnde und motzige Stimmen empor, die das nicht nachvollziehen können. Deswegen möchte ich hier ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern, warum Urlaub ohne Kinder genau das richtige sein kann.

Ausbruch aus dem Alltag

Gerade wir Eltern – explizit die, die den Großteil der Fürsorgearbeit leisten – haben oft kaum Ausgleich zum Windelwechseln, Gefühle begleiten, Brote schmieren und Schmutzwäsche waschen. Wir befinden uns oftmals in einem Hamsterrad, das den Alltag bestimmt: Schlafenszeiten, Essenszeiten, Bring- und Abholzeiten, Hobbies der Kinder. Das an und für sich ist okay, wenn man es gern macht und sich genug Freiräume schaffen kann.

Allerdings bleiben im Zweifel meist die Eltern auf der Strecke. In dem Fall ich. So ein bewusster Ausbruch aus dem Alltag, der mit Vorfreude, neuen Erfahrungen und Tagen ohne sekündliches „MAMAAA“ verbunden ist, tut der Seele einfach gut. Schlafen können ohne Kinderfüße im Gesicht, Essen können ohne nebenbei aufspringen zu müssen, weil etwas fehlt, durch ein Geschäft zu schlendern ohne Angst haben zu müssen, das Kind rennt unbemerkt aus der Tür raus auf die Straße.

Ein Urlaub ohne Kinder durchbricht diesen Alltagsdruck. Dieses ständige angespannte Gefühl und lässt die Kraftreserven wieder auftanken.

Gespräche & Austausch mit erwachsenen Menschen

Dieser Punkt ist wohl einer, der vor allem Menschen betrifft, die entweder im Homeoffice arbeiten oder Vollzeitcarearbeit betreiben, so wie mich. Im Alltag spreche ich außer mit meinem Mann und ab und an Sprachnachrichten mit einzelnen Menschen nur mit sechs kleinen Wesen. Wir unterhalten uns über das Häschen im Buch, ob Nudeln oder Reis gekocht werden sollen oder warum die Hose denn nach zwei Stunden Tragezeit von allein stehen kann.

Der Austausch mit erwachsenen Menschen – Austausch über Themen, die mich wirklich interessieren – bleibt dabei oft auf der Strecke. Auch mein Studium findet allein daheim statt und die Onlineseminare ersetzen kein gutes Gespräch auf Augenhöhe, wenn auch der Wissensabgleich angenehm ist.

Kurzum: Der andauernde Austausch mit Menschen, die ich mag, ohne dabei Zeitdruck im Nacken zu haben, weil die Kleine ins Bett muss oder der Frosch zum Gitarrenunterricht gebracht werden sollte, findet bewusst im Urlaub ohne Kinder statt. Das wiederum erweitert mein Weltbild und gibt die Sicht frei auf andere Denkweisen. Mag ich!

Raus aus der Komfortzone

Wir Menschen sind bequem. Ich bin verdammt bequem. Und genau darin liegt oft das Problem. Der Alltagstrott ist schon ganz nett. Aber man erlebt eben nichts, tritt auf der Stelle.

Wenn man nun also seine Komfortzone verlässt, auch, wenn es wohl ein wenig unbequem ist, kann man daran wachsen, neue Erfahrungen sammeln und diese in den wiederkehrenden Alltag einfließen lassen.

Ich weiß, dass es ein paar tolle Travelblogger*innen gibt, die mit Kind und Kegel um die Welt reisen. Finde ich mega. Für die ist das aber normal und Alltag. Für mich ist es ein riesiger Schritt, ohne Kinder zu verreisen – jedes einzelne Mal wieder. Für mich ist es ein riesiger Schritt, eine Flugreise zu planen und dann tatsächlich in den Flieger zu steigen. Das ist verdammt weit außerhalb meines Wohlfühlbereichs. Und im Nachhinein werde ich froh sein, es gemacht zu haben.

Aber eben für mich alleine und nicht mit Manuel im Rücken als Sicherheit, der im Zweifel alle Unannehmlichkeiten beseitigt. (Herrje, klingt das gerade unselbstständig.) Der regelt nämlich alles herrlich rational, während ich ein impulsiver, emotionsstarker Mensch bin, der gern mal die Ängste überhand nehmen lässt.

Erleben, vorleben und prägen

Meine Kinder erleben eine Mama, die auf sich achtet. Eine Mama, die zeigt, wo und wann sie etwas für sich alleine braucht und das auch umsetzt. Sie erleben Eltern, die ihre Grenzen klar abstecken und ihre Bedürfnisse und Wünsche wahrnehmen. Ich lebe ihnen vor, dass man auch mit Mitte 30 und Kindern egoistisch sein und an sich denken darf. Ich lebe ihnen vor, dass mit Kindern das eigene Leben nicht vorbei ist und nur noch aus Aufopferung besteht.

Und ich breche somit gemeinsam mit ihnen dieses alte Rollenbild auf. Das Bild der aufopfernden Mutter, die ihr letztes Hemd für die Kinder gibt und zwischendrin selbst verschwindet. Und das ist verdammt gut so!

Ich bin genauso wichtig

Das ist der wichtigste Punkt. Ich bin wichtig. Du bist wichtig. Wir sind wichtig. Wir sind mehr als nur Eltern oder Partner*innen. Wir sind eigenständige Personen mit eigenen Wünschen und Träumen.

Warum soll ich Manuel und die Kinder mit nach New York schleifen, wenn er doch Urlaube eh nur über sich ergehen lässt. Warum soll ich mir meinen Traum von dieser Reise davon dämpfen lassen, sechs Kinder – und damit die komplette Carearbeit – mitzunehmen, wenn ich doch genau davon Urlaub brauche? Wieso soll ich, nur weil ich Mama bin, alles mit meinen Kindern machen und mich selbst aufgeben? Das ist doch Bullshit!

Und mein Mann gönnt mir das von Herzen. Weil er weiß, wie wichtig mir das ist und wie wichtig es ist, etwas für sich selbst zu tun. Und gleichzeitig genießt er es, wenn er daheim mit den Kindern bleiben und hier werkeln kann. Passt also. 🙂

*****

Urlaub ohne Kinder schadet ihnen nicht. Ein bisschen Egoismus von uns Eltern schadet ihnen ebenso wenig. Wir sind mehr als Elterntaxis, Haushaltssklaven und Boxsäcke. 

Hallo, ich bin Julie, 35, und ich verreise ohne Kinder – und ohne schlechtes Gewissen. So!

 

 

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5 Kommentare

  • Anja Schlüter

    Genau deshalb verreise ich einmal im Jahr mit meiner Freundin oder meiner Mutter ohne Mann, ohne Kind.
    Dieses Jahr bin ich sogar ganz alleine verreist (allerdings habe ich an einem Tag mein erwachsenes Kind besucht) und es war eine herrliche Reise zu mir selbst und zu meinen Wurzeln..
    Würde ich immer wieder machen!!
    Lieben Gruß, Anja (Dreana75)

  • Martina

    Genau deshalb verreise auch ich alleine oder mit meiner besten Freundin. Und mittlerweile unternehme ich auch Touren alleine. Es bringt uns nichts, wenn ich meine Familie mitschleife. Ihnen nicht und mir auch nicht. Ich genieße das mittlerweile diese „kleinen“ Auszeiten.

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