Studieren mit Kind ist eine besondere Herausforderung. Hier liest du einen ehrlichen Erfahrungsbericht über die erste Zeit als Mama-Studentin.
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Studieren mit Kind – oder: Hast du nicht genug zu tun?

Auf Instagram habe ich schon darüber gesprochen und auf Twitter auch. Seit gut 1,5 Monaten bin ich wieder Studentin. Studieren mit Kind (ern) also. Und ich dachte mir, ich sollte hier mal ein bisschen ausführlich drauf los plaudern, warum wieso und weshalb. Ich meine, mit 6 Kindern, 2 Blogs, Haushalt und noch einem Funken eigenem Leben habe ich ja eigentlich genug zu tun oder? Dennoch sitze ich jetzt hier und schreibe einen Artikel über mein Fernstudium.

Studieren mit Kind – meine Vorgeschichte

Ich hatte ja vor einiger Zeit ein Fernstudium bei der Fernuni Hagen angefangen und wurde dort nie so richtig warm damit. Gegen die Uni und die fachlichen Kompetenzen kann ich nichts sagen. Aber mir hat die persönliche Note gefehlt und ich hatte einfach einen doofen persönlichen Zeitpunkt gewählt. Kurzum: Nach 3 Semestern habe ich beschlossen, das wird nix. Ich fühle mich nicht wohl damit und kann das nicht durchziehen, nur damit es durchgezogen ist.

Letztes Jahr im März habe ich dann ein wenig bei der iubh geschnuppert und binnen 14 Tage innerhalb der Probezeit direkt wieder gekündigt. Mein Riecher hat recht behalten, denn so unprofessionell und unkoordiniert, wie es da abläuft, das geht auf keine Kuhhaut. Denn, obwohl ich in der Probezeit gekündigt und ausdrücklich um die Löschung meiner Daten gebeten hatte, habe ich eine Mahnung über ausstehende Zahlungen erhalten. Mehrmals. Und bis heute trudeln – trotz wiederholter Bitte (die letzten in nicht mehr sehr freundlichem Ton) der Löschung meiner Daten – immer wieder Mails ein. Mal mit Zahlungsaufforderung, weil das System zerschossen wurde und mal, dass ich Scheine einreichen und nachreichen kann.

Warum ich mir ein Studium nun doch wieder antue

Nun ja. Jetzt ist die Kinderplanung endgültig abgeschlossen. Wir haben beide endgültige Maßnahmen ergriffen, dass wir keine Überraschung mehr erleben und fühlen uns komplett. Der Keks geht nun mit seinen 3 Jahren in die Kita und das kleine Mädchen wird vielleicht schon im kommenden Jahr in die Krippe gehen.

Ich für mich brauche einfach auf Dauer eine Aufgabe fernab von Windeln, Gesprächen über Schlafrhythmen und Lehrkräfte oder Erzieher*innen. Etwas, das mich erfüllt und mir gehört. Und vielleicht auch etwas, das öffentlich anerkannt ist, weil ich es langsam einfach nur leid bin, belächelt zu werden, wenn ich erzähle, ich bin Bloggerin. Weil das eben jede*r kann. Ja, auch wenn es mir egal sein sollte, es nagt schon ein bisschen.

Und dann sind die Kinder alle spätestens in 5 Jahren in der Schule. Und dann? Wenn es so weit ist, möchte ich einfach etwas tun, das auch finanziell honoriert wird. Denn die Blogs – die ja eigentlich auch meine Babys sind – sind seit der Pandemie so unrentabel, dass es doch die Freude daran hemmt. Meine Leserzahlen sind rapide eingestürzt und auch die Zahl der Kooperationen, obwohl ich viele (wenn auch zum Teil wirklich freche) Anfragen im Mailfach habe, sind überschaubar. Das ist unheimlich schade, denn ursprünglich sollte das mein Weg sein, etwas zu machen, das mir Spaß macht und gleichzeitig etwas zur Familienkasse beisteuert.

Versteh mich nicht falsch, ich mach das hier wirklich gern und ich liebe es, Texte zu verfassen. Aber die Rückmeldungen sind mau, die Leserzahlen sinken dank wachsender Social Media Plattformen enorm und es macht einfach keine Freude, mich nur mit mir selbst zu unterhalten. Dazu war dieser Blog nie gedacht. Mir war Austausch eigentlich immer wichtig.

Also habe ich lange überlegt, mich mit Manuel und einer Freundin besprochen, die gerade fertig ist mit ihrem Studium, und mich dann durchgerungen, mir die passende Uni und den passenden Studiengang zu suchen. 

Online – Präsenz – Vollzeit – Teilzeit?

Einen Vorteil hat die Pandemie. Durch die vielen Präsenzverbote ist das Onlineangebot unheimlich gewachsen. Studieren mit Kind ist nun also total bequem von zuhause aus möglich. So bequem das eben mit 6 Kindern im Hintergrund ist. Ich habe also meinen Laptop im Schlafzimmer, an meinem eigens dafür auf ebay Kleinanzeigen erworbenen Schreibtisch. Und ich habe ein Tablet in der Küche, sollte das Schlafzimmer durch eines der Kinder besetzt sein.

Mein Studium bei der SRH ist ein Fernstudium, bei dem man, sollte man Probleme mit dem Kurs haben oder anderweitig Kontakte knüpfen wollen, auch vor Ort Kurse oder Events besuchen.

Ich habe zwar das Vollzeitstudium „gebucht“, kann aber nach den 6 Semestern Regelstudienzeit, sollten sie nicht ausreichen, nochmal um 6 Semester verlängern. Das nimmt mir den Druck etwas, denn – ganz ehrlich – ich werde das nicht in 36 Monaten schaukeln. Dafür sind hier einfach zu viele andere Dinge zu tun und die Betreuung der Kinder durch Hort und Co zu wenig gegeben.

Wenn ich dann irgendwann fertig sein werde, habe ich den Bachelor in der Tasche. Also staatlich anerkannt und bereit für neue Aufgaben.

Warum die SRH Riedlingen und welches Studium?

Meine oben erwähnte Freundin hat dort studiert und war so begeistert. Und auch sie war es, die mich dazu ermutigt hat, dort zu studieren. Vor dem Studium habe ich mit der Studienbetreuung geschrieben und war unheimlich positiv überrascht von dem freundlichen und wertschätzenden Umgangston, der gleichzeitig professionell und passend war. 

Nachdem ich ja beim SGD vor langer Zeit mal einen Fernlehrgang zur Ernährungsberatung gemacht habe und sich bei mir viel um Ernährung, Gesundheit und Wohlbefinden dreht, fand ich die Studieninhalte und die Aussichten auf Jobchancen mit dem Studiengang „Prävention und Gesundheitspsychologie“ wirklich am vielversprechendsten.

Sowohl die Anmeldung zum Studium als auch die ersten beiden Wochen, in denen man noch kündigen kann, ohne Folgekosten tragen zu müssen, liefen wirklich extrem angenehm ab. Passend zu den Studienbriefen gibt es Audio Abstracts, die die Inhalte nochmal grob zusammenfassen und viele Übungen, um zu sehen, wo man steht.

Mittlerweile habe ich den ersten Kurs auch schon abgeschlossen und eine 1,7 dafür bekommen. Jetzt quäle ich mich durch den nächsten Kurs, den ich nicht so gern mag, um dann voller Freude die Dinge zu lernen, die mich am meisten interessieren. Aber zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen. Oder wie war das?

Die Kosten für mein Fernstudium

Puh, ja, die Kosten sind nicht ohne. Ich zahle monatlich knapp 400€. Wenn man allerdings die Spritkosten zur nächsten Uni (40 km einfach), den Zeitaufwand (hin und zurück jeweils 45 Minuten) und die starren Zeiten der Kurse berücksichtigt, gleicht sich das wieder aus. Eine sinnvolle Verbindung mit den Öffis gibt es nämlich nicht. Ich müsste immer ins Auto steigen.

Wann lernt man mit 6 Kindern?

Während der Schulzeit mache ich es mir einfach und lerne, wenn das kleine Mädchen schläft. Das sind vormittags 1,5-2 Stunden und am Nachmittag auch nochmal. Und dann natürlich abends, wenn alle Kinder in ihren Zimmern sind und/oder schlafen. Die Zeit, die ich vorher zum Bloggen und für Social Media verwendet habe, geht nun eben fast 1 zu 1 für das Studium drauf.

In den Ferien versuche ich, mich so oft wie möglich hinzusetzen und immer mal wieder zumindest 15-20 Minuten etwas Stoff durchzulesen. Die Kinder schauen einen Film? Zeit zum lernen. Die Kinder spielen kurz ruhig? Zeit für Unikram.

Das Wochenende generell nutze ich für das Studium. Denn da kann mein Mann aufpassen, kümmert sich um die Kinder, schmeißt den Haushalt und ich schließe die Schlafzimmertür und hab meine Ruhe.

Montags bin ich aber grundsätzlich lernfrei. Da arbeitet Manuel lang und die Kinder fordern mich von morgens bis abends. Da gehört dann auch der Feierabend mir, denn die Synapsen geben dann nichts mehr über physiologische und psychologische Grundlagen her.

Ein erstes Resümee zum Studieren mit Kind

Ich wusste ja, dass ich es vermisse, mir bewusst eine Aufgabe zu stellen. Aber dass ich so darin aufgehe, wissenschaftliche Texte zu lesen und meinen Kopf mit neuen Erkenntnissen zu füttern, hätte ich nicht gedacht.

Das Lernen – und vor allem das bewusst dran bleiben, obwohl viele andere Dinge auf dem Plan stehen – fällt mir allerdings teilweise wirklich schwer. Besonders, wenn die Kinder eskalieren und ich ihnen zumute, dass sie ihre Streitigkeiten selbst klären und lösen. Ein Ohr ist dann doch immer bei den Kindern, obwohl ich mich aufs Lernen fokussieren sollte.

Ansonsten nimmt es mein Umfeld unheimlich gut auf, dass ich meine Zeit nun eben weniger frei einteilen und parat stehen kann. Lernzeiten und Zeiten für die Bearbeitung der Kursaufgaben gehen einfach vor.

Lustig finde ich übrigens auf folgende Tatsache: Als ich damals mit 19 an der Uni war, fing mit mir eine Frau mit 35 Jahren an, dort zu studieren und ich dachte mir nur, die ist doch schon steinalt. Tja, jetzt bin ich in diesem Alter, habe frisch angefangen und muss sagen: Alt bin ich noch lange nicht. Nur vielleicht ein bisschen reifer. Und es ist nie zu spät, sich weiterzubilden, neue Wege einzuschlagen und daran zu arbeiten, das Wunschziel zu erreichen.

Herzlichst, die Julie

 

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13 Kommentare

  • Saskia

    Klasse 👍🏻

    Viel Spaß und Erfolg weiterhin. Ich kann ansatzweise nachempfinden, wie es ist neben Kind so viel zu lernen. Das steckt man nur weg, wenn es einem wirklich Spaß macht.

  • Sabrina

    Respekt! Würde ich mir aktuell nicht mal mit 2 Kids zutrauen, dass ich da genug Elan fürs lernen hätte. Viel Glück und Erfolg!!!

  • Michael

    Hallo Julie,

    was du und ein Mann zusammen „rocken“ ist unglaublich und verdient echten Respekt.

    Eure Kinder, sein Job, die Arbeit für deine Blogs und jetzt auch noch das Studium, echt wahnsinn. Ich wünsche dir, dass du mit Spaß an der Sache dran bleiben kannst.

    Eine Frage stelle ich mir dann aber doch. Wie schafft ihr das, als Paar mit den ganzen Aufgaben und der ganzen Verantwortung so glücklich zu bleiben, wie es eure Fotos belegen.

    Echt jetzt, ihr seht als Paar so toll und zufrieden zusammen aus. Aber wie klappt das? Ich denke es interessiert viele Eltern und LeserInnen hier, wie ihr beiden euch als Paar nicht verliert. Plant ihr gemeinsame Zeit oder Aktivitäten?

    Wenn es nicht zu persönlich ist, kannst du darüber ja mal berichten oder falls es einen solchen Artikel bereits gibt, wäre ich über einen Hinweis dankbar, wie ich ihn finden kann.

    Bleibt so wie ihr seid.

    Gruß
    Michael

    • Julie

      Hey Michael 🙂

      Vielleicht sollte ich mal darüber schreiben. Ein Artikel dazu ist schon recht alt. Eine Beziehung ist harte Arbeit und man muss sich bewusst die Zeit dafür nehmen. Wir räumen uns täglich mehrere Minuten ein, in denen wir ungestört zu zweit da sitzen und über die Dinge reden, die uns beschäftigen, die anstehen.
      Und oftmals sind es die kleinen Gesten, die zeigen „Ich sehe dich“. Das heißt nicht, dass es bei uns nie kracht oder uns nur die Sonne aus dem Hintern scheint. Aber eine gelungene Kommunikation und aufrechterhaltene Wertschätzung kann einiges richten.

      Ich hoffe, das hat dir ein wenig weiter geholfen.

  • Stefanie

    Hallo Julie,

    ich finde es toll, dass du dir ein Ziel gesteckt hast und bin sicher du wirst es erreichen. Viel Erfolg.
    Ich habe an der SRH berufsbegleitend meinen Bachelor in Gesundheits- und Sozialwirtschadt gemacht und war immer sehr zufrieden mit der Orga und auch dem angebotenen Lernmaterial.
    Alles Gute,
    Steffi

  • Christin

    Liebe Julie,
    ich fiebere mit dir mit. Was du dir vorgenommen hast ist ein riesen Ding – wichtig für deine bzw eure Zukunft.

    Ich habe ohne Kinder in Vollzeit gearbeitet nebenher am Wochenende und Abends meinen Fachwirt und Betriebswirt gemacht. Ich fand’s ohne Kinder schon sehr heftig und anstrengend. Aber auch wie du schreibst genauso so schön!

    Jetzt habe ich zwei Kleinkinder und habe mit der Arbeit auf 12h/w angefangen und an Februar dann 20h/w. Und das alles mit Kita und Betreuung zu organisieren finde ich schon schwer. Du hast 6 kleine / große Wunder, dass ist schon nicht immer einfach.

    Ich wünsche dir für dein Studium ganz viel Erfolg! Kraft! Ausdauer! Und weiterhin so viel Freude und Wissensdurst!

    Du bist eine tolle Frau, Mutter und Studentin. Mach einfach weiter!

    Herzliche Grüße
    Christin

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