Gedankenwelt, Life

Ein Recht auf Gefühle – für Groß und Klein!

Morgens um vier stand dieser kleine Mensch vor mir und sagte „Blöde Mami, ich bin stinkesauer!“. Und ich konnte ihn verstehen, wollte ich doch einfach nicht aufstehen, um ihm den TV einzuschalten. Auch finde ich es gut, dass er seine Gefühle äußern und mir mitteilen kann, ohne Angst vor der Reaktion haben zu müssen.

Gefühle sind wichtig!

Mir ist es wichtig, dass unsere Kinder Raum für ihre Gefühle haben. Sie sollen toben, schreien, wütend, aufgeregt, traurig, glücklich, euphorisch, verständnisvoll und verständnislos sein. Wir sind Menschen, keine Maschinen. Emotionen gehören zu uns und es ist keine Schwäche sie zu zeigen. Weder als Mädchen noch als Junge. Unsere Kinder sollen sich ernst genommen fühlen, in jeder Lebenslage!

Wahrnehmung und Ignoranz

Auch, wenn ich mit meinen Kindern oft nicht einer Meinung bin, ist es mir eine Herzensangelegenheit, ihre Emotionen und Gefühlslage wahrzunehmen. Ich möchte ihnen vermitteln, dass ich sie ernst nehme, auch wenn ich vielleicht nicht konform damit gehe. Denn wenn ich bereit bin, das zu akzeptieren, was meine Kinder fühlen und dieses auch vermittle, sind sie auch offener dafür, mit mir einen Kompromiss einzugehen und das Gefühlte zu verarbeiten – in jede Richtung. Ganz wichtig bei negativen Gefühlen ist hier für mich der Satz „Ich verstehe, dass du (setze ein beliebiges Gefühl ein) bist!“, welcher zeigt, dass ich mein Kind wahrgenommen habe und wir gemeinsam daran arbeiten.

Veränderungen durch das Alter

Gerade im Säuglings- und Kleinkindalter sind Gefühle anfangs schwer einzuordnen. Schreit das Baby, weil es Schmerzen hat? Schreit es, weil es Hunger hat? Oder möchte es einfach Nähe und Liebe spüren? Gerade dadurch, dass Babys sich nicht anders mitteilen können, als zu schreien, wenn etwas nicht passt, sind wir anfangs ziemlich verunsichert. Meine Große schrie als Baby mehrere Stunden durch. Ich war gänzlich überfordert, denn die Grundbedürfnisse nach Nähe, Nahrung und einer sauberen Windel waren gedeckt. Erst nach ein paar – sehr anstrengenden und zermürbenden – Wochen stellte ich fest, dass sie sich am wohlsten fühlte und sofort aufhörte, panisch zu weinen, wenn wir mit ihr an der Brust liefen. Stunde um Stunde. Der Prinzessin war im Säuglingsalter hingegen alles „egal“. Solange die Windel sauber und das Bäuchlein gefüllt war, lag sie auf ihrer Kuscheldecke und gluckste vor sich hin.

Je mehr sich unsere Kinder aber mitteilen können, desto einfacher wird es auch für uns, mit ihnen zu interagieren und zu reagieren. Auch anhand der Art des Weinens weiß ich heute bei allen vieren, ob es sich um Zorn, Schmerz oder Enttäuschung handelt.

Meine beiden Mädels sind jetzt fast 6 und 7 Jahre alt. Sie äußern klar, wenn ihnen etwas nicht passt oder was sie gut finden, was sie glücklich und zufrieden macht. Gleichzeitig reizen sie aber auch ihre und meine Grenzen bewusst aus. Mittlerweile wissen sie, ihre Gefühlslage aktiv und bewusst einzusetzen, um bestimmte Dinge zu erreichen. „Mama, ich finde das total blöd, dass meine Freundin erst in einer halben Stunde kommen darf, weil meine Hausaufgaben noch nicht fertig sind. Das ist nicht fair. DU bist nicht fair!“ Deshalb arbeiten wir gerade gemeinsam daran, ihre Gefühle zu reflektieren. Und egal, ob ich sie nachempfinden oder nicht verstehen kann – ernst genommen werden sie dennoch.

Gefühle von uns Großen

Oft erlebe ich, dass wir Erwachsenen unsere Emotionen gar nicht ausleben sollen/dürfen/können. Warum denn? Wir haben genau das gleiche Recht auf Emotionen und Gefühle wie unsere kleinen Lieblingsmenschen. Auch wir dürfen wütend, traurig, enttäuscht, fröhlich, glücklich aufgeregt sein. Genau wie unsere Kinder dürfen wir diese Gefühlswelt auch offenlegen. Wir müssen aber nicht. In der Arbeitswelt werden wir dazu angehalten, möglichst neutral zu agieren und reagieren. Aus falscher Höflichkeit schweigt man sich oft aus, statt zu äußern, was nicht passt und schleppt es somit unterschwellig brodelnd ständig mit sich herum. Auf Dauer macht das krank. Da bringt mir das beste Gehalt nichts, wenn ich mich verstellen, verbiegen und anders sein muss, als ich bin.

Das möchte ich nicht. Auch ich habe ein Recht auf meine Gefühle. Und auch ich möchte, angemessen und ohne Wertung, mitteilen dürfen, wie es MIR geht. Sowohl meinen Kindern als auch meinem Mann, meinen Freunden und meinen Mitmenschen gegenüber. „Entschuldigen Sie bitte, ich finde es unheimlich frech, dass Sie sich hier an der Kasse einfach vordrängeln! Fragen kostet nichts!“ Sicher kann sich der Gegenüber auf den Schlips getreten fühlen. Aber ich möchte nicht anschließend im Auto sitzen und brodeln und mir Gedanken machen, warum ich nichts gesagt habe, war ich doch im Zeitstress, weil mein Schulkind eigentlich auf mich wartet.

„Vielen lieben Dank, dass du dein Zimmer in Ordnung gebracht hast, ohne dass ich das erwähnen musste. Das finde ich richtig super!“ Genauso wichtig, wie negative Gefühle mitzuteilen, wenn nicht gar wichtiger ist es für mich, meine Kinder und meine Umwelt zu bestärken. Wir streben danach, Positives zu erleben. Solche kleinen Sätze zaubern meinen Kindern ein Lächeln auf die Lippen. Es tut ihnen gut, es zu hören und es tut mir gut, ihnen mitzuteilen, dass ich ihre „Arbeit“ honoriere.

Das Recht auf Gefühle

Trau dich und steh zu deiner Gefühlswelt. Steh zu dir. Es fühlt sich gut an, glaub mir! Und lass deinen Kindern bitte den Raum für ihre Gefühlslagen, nimm sie ernst. Nichts ist schlimmer als Ignoranz und Abwertung. Ihre Gefühle sind es wert, Beachtung zu kommen, sie sind es wert!

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