Zucker für Kinder, Gedanken zur Ernährung von Babys und Kleinkindern. Süßigkeiten
Family, Gedankenwelt, Kleinkind, Life

Süßigkeiten für kleine Kinder? // Von Illusion und Realität

Heute möchte ich mal ein Thema ansprechen, das garantiert einige Gemüter erhitzt: Die Süßigkeitentheorie. Denn Industriezucker, soweit sind wir uns, glaube ich, alle einig, ist mittlerweile in viel zu vielen Lebensmitteln untergemogelt. Die Aufnahme von Zucker durch Fertigprodukte ist damit immens; weit höher, als uns und unseren Kindern gut tut. Und hier spreche ich nicht von Tütchen, sondern allein schon von Wurstwaren, vermeintlich gesunden Obstjoghurts und Pizza. Ja, sogar in Pizza ist Zucker eingearbeitet, denn der ist Geschmacksträger und Suchtstoff. Zucker für Kinder und in Kinderprodukten ist schlichtweg Mist.

Was ich mir also vor dem ersten Kind vorgenommen habe: Süßigkeiten vor dem ersten Geburtstag sind komplett tabu

Die Hebamme riet uns damals dazu und auch in diversen Internetforen stand dort, dass man den Geschmackssinn der Babys nicht mit Süßigkeiten verderben solle. Damals, mit einem Kind, war das auch noch relativ einfach. Bei den Großeltern und Freunden spielten wir direkt mit offenen Karten. Soweit ich das in Erinnerung habe, hielten sich auch wirklich alle daran. Und die Große durfte das erste Jahr komplett ohne Industriezucker genießen. Stattdessen gab es viel Obst und Gemüse – selbst zubereitet und gekauft. Sie liebte Reis mit Buttergemüse und Ei und ließ dafür sämtliches Obst links liegen.

Das erste Mal in Berührung mit Zucker kam sie am ersten Geburtstag. Du wirst ihn vielleicht kennen, den berühmten Marienkäferkuchen. Genau den gab es zu ihrem ersten Geburtstag. Und wie cool sie den fand und übers ganze Gesicht strahlte. Aber essen? Wollte sie ihn nicht wirklich. Ein oder zwei Bissen machte sie und dann verzog sie das Gesicht. Es war ihr zu süß. Ab da gab es dann immer mal wieder von der Oma etwas zu naschen. Nix Großes, sondern mal eines dieser berühmt berüchtigten Abendgläschen oder diese Abendbreie zum Einrühren in Wasser.

Ja, damals wusste ich es nicht besser und mein Kind war zufrieden damit. Sicher hätte ich mich noch weiter informieren können, aber ich dachte schlichtweg nicht daran. Und das, was man mir aus den älteren Generationen sagte, glaubte ich. Deren Kinder sind ja auch groß geworden.

Lies hier, wo sich Zucker überall versteckt.

Beim zweiten Kind wurde es schon schwieriger.

Zwar war ich informierter und reflektierter, hatte aber nicht bedacht, dass man mich aus den eigenen Reihen boykottieren würde. Ja, wirklich, es war Boykott. Ich las mich ein, kaufte Bücher zur Beikost, kochte vor, fror ein, wollte dieses Kind so weit wie möglich vom Zucker fern halten, eben weil gerade so kleine Kinder ganz schnell lernen, dass es da schnell verfügbare Energie gibt und daher solche Dinge anstreben. Doch da war die große Schwester. Die Schwester, die dem Baby einfach mal das Eis unter die Nase hielt, die den Keks liebevoll teilte, während der Papa die Prospekte durchblätterte und dann fröhlich kichernd im Anschluss davon berichtete.

Na, was machst du jetzt? Einerseits war ich mega stolz auf die Große, dass sie so selbstlos teilte (was sie heute übrigens noch immer macht), andererseits wollte ich die Prinzessin doch von allem fernhalten, was Industriezucker beinhaltete. Im Endeffekt erklärte ich der Großen, dass ich es ganz toll finde, wenn sie teilt. Allerdings sind manche Dinge eben für Babys nicht sonderlich ideal. Und ja, ich flunkerte sogar und sagte der Großen, das Baby bekäme sonst Bauchweh. Wie sonst hätte ich einem 2jährigen Mäuschen logisch erklären sollen, dass Zucker doof ist, wenn es immer nach dem Warum fragt?

Zum ersten Geburtstag der Prinzessin gab es dann auch Kuchen. Kuchen und Kekse und sogar Saft. Saft wird ja, von außen betrachtet, total unterschätzt. Denn an Ballaststoffen oder Zellen ist da nichts mehr für den Körper da, wofür er Energie aufwenden muss, um an den Zucker zu kommen. Das ist nicht mal eben der gute Apfel, den man trinkt, sondern im Endeffekt Zuckerwasser mit Geschmack. Die Energiedichte ist dort außerdem zum Teil sogar höher, als wenn man sich Limo gönnt. Eigentlich unschön oder?

Illusion und Realität nach 5 Kindern: (Industrie-) Zucker für Kinder – ab wann und wie viel?

Auch wenn ich das vor 10 Jahren nie gedacht hätte, meine Einstellung zu Zucker selbst hat sich kaum verändert. Zucker selbst ist eben ein schneller Energielieferant, bringt aber keinerlei Ballaststoffe oder Nährstoffe mit sich, sondern ist halt einfach süß. Mittlerweile bin ich auch durch meine Ausbildung zur Ernährungsberaterin informierter und weiß, wie man den Zucker auch etwas umschiffen kann.

Allerdings: Man muss den Faktor Geschwisterliebe und den Wunsch zu teilen wirklich berücksichtigen. Ich hätte gern alle Kinder die ersten Jahre zuckerfrei gehabt. Mir wäre es am liebsten, sie würden sich heute noch davon fern halten und Alternativen bevorzugen. Wobei das Wort „Alternative“ ja schon aufzeigt, dass es nun nicht die erste Wahl für die Mäuse ist.

Hier wird geteilt, was das Zeug hält. Wenn sich der Frosch beim Einkauf etwas aussuchen darf, sind das meist Kekse oder eine Breze. Die Breze isst er allein, die Kekse allerdings, die werden fair auf- und zugeteilt. Erhalten die Kinder ihr Taschengeld, wird ein Teil in der Spardose gesammelt, der andere Teil in Naschereien umgesetzt. Hierbei würde ich mir manchmal wirklich ein bisschen mehr Egoismus bei den Kindern wünschen, denn da gehen einfach mal 4€ für ne Pralinenpackung drauf, weil sie damit mir, dem Papa und den Geschwistern eine Freude zaubern wollen, statt sich einfach für sich ne Tafel Schokolade zu holen.

Kurzum: Der Zwerg und der Frosch waren schon weit vor dem ersten Geburtstag nicht mehr zuckerfrei. Da gab es dann eben eine leere Eiswaffel beim Eisdealer der Wahl, das kleine Stückchen Schokolade aus dem Adventskalender konnte dem 11 Monate alten Zwerg ja auch nicht schaden und nebenbei wurde eben bei den großen Geschwistern geräubert. Dass diese Kinder alle schon weit vor Vollendung des ersten Lebensjahres laufen konnten, war dabei nicht gerade hilfreich. Denn wenn so ein kleiner Mensch sich ein Gummibärchen von der Schwester schnappt und sich danach hinterm Sofa versteckt, dann zählt diese eben 20x die Gummibärchen wieder ab und wundert sich, dass eins fehlt, während sich so ein kleiner Knopf eins ins Speckfäustchen lacht.

Zucker für Kinder, Süßigkeiten, Gummibärchen, Fruchttiere

Bin ich zu nachlässig bei Zucker für (kleine) Kinder?

Anfangs habe ich mich dagegen gewehrt. Ich habe mich aufgebäumt, die Dinge einkassiert, den Kindern erklärt, dass Süßes ganz doof für den Körper ist und der Kopf und die Muskeln Vitamine und Nährstoffe brauchen, damit sie besser funktionieren. Dieses Aufbäumen war allerdings recht kurz. Kurz und verzweifelt. Denn mit kleinen Kindern kann man so logisch argumentieren wie man möchte: Wenn jemand ein Päckchen Fruchtgummis schenkt, wird das geteilt, weil es Freude macht. Und dieses Argument wog schwerer.

Klar ist der Keks davon noch nicht betroffen. Mit 4,5 Monaten will ich auch hoffen, dass er da noch etwas Zeit hat. Hier hat aber auch nur funktioniert, den Kindern schallplattenartig zu erklären, dass der kleine Keks daran ersticken kann, wenn er etwas verschluckt. Das gilt sowohl für Bügelperlen als auch für Süßigkeiten. Eine allgemeingültige Aussage also, die zieht. Aber auch nur, weil sie Angst um ihren Keks haben. Bauchweh kann man in Kauf nehmen, denken sie wohl.

Für mich heißt das: ich reglementiere, was es im Alltag zu essen und trinken gibt und suche nach sinnvollen Alternativen oder richte so an, dass die Kinder gar keine Lust auf Zuckerkram haben. Da wird das Muffinblech schon mal umfunktioniert für Fingerfood oder es gibt ein Obstmandala. Statt der Fertigsoße gibt es eben frische Soße auf die Nudeln. Und das Dressing für den Salat ist auch selbst gemacht. So habe ich zumindest ein bisschen Einfluss darauf, was sie essen – denn die Folgen davon können sie selbst noch kaum abschätzen. Statt Saft gibt es dann eben mal Wasser mit einem Spritzer Zitrone oder es gibt eiskalten Tee, den sie dann auch ungesüßt trinken.

Finde hier das zuckerfreie Rezept für Frühstückskuchen.

Allerdings gehen wir auch, wie fast jede andere Familie, mal Eis essen. Dass es kaum Eis ohne Zucker gibt, außer man macht es selbst, versteht sich von selbst oder? Und ich möchte solche Erlebnisse auch nicht trüben, indem ich meinen Kindern vorschreibe, welches Eis sie essen dürfen oder ob nicht dies oder jenes eine bessere Wahl wäre. Für den Keks gibt es in dem Fall dann eben ein Obstgläschen (weil ich faule Mama eben diesmal nicht vorgekocht und püriert habe).

Auch gehen wir ab und an essen und ich werde mich hüten, jedes Gericht zu zerpflücken und nach verstecktem Zucker zu fragen! Denn ehrlich, wenn man alles so extrem unter die Lupe nimmt, schmeckt es eben auch nicht mehr.

Ebenso dürfen meine Kinder ausnahmsweise Limo oder Säfte schlürfen, wenn wir Geburtstage feiern oder eingeladen sind. Sie wissen, das ist die Ausnahme und daheim gibt es das nicht. Denn so eine Orangenlimo ist eben genauso besonders wie die große Sause beim Ziehopa. Daran gab es auch bisher nichts zu rütteln.

Mir persönlich schaden Zucker und Süßigkeiten! Warum sollte Zucker für Kinder dann also gut sein?

Ja, mir schadet der Zucker, ich bin abhängig davon. Wenn ich schlecht geschlafen habe, wie momentan fast immer, laufe ich mombiemäßig zum Instantcappuccino (hallo Zucker!) und Nutellabrot mit Butter (noch mehr – yay!). Wenn mir langweilig ist, nasche ich. Obst müsste man ggf. schälen, Schokolade bricht man einfach ab und inhaliert sie. Mein Gewicht kommt nicht von ungefähr, denn ein normales Verhältnis zu Essen und Süßigkeiten im Speziellen hatte ich nie. Da durfte auch nicht der Kakao stehen bleiben, denn der schmeckt natürlich am nächsten Tag aus der Tasse nur noch halb so gut. Auch das Brot wurde bitte aufgegessen, sonst hätte sich die Ernte der Erdbeeren nicht gelohnt.

Vor allem meine Großeltern hatten durch den Krieg ein ganz anderes Verhältnis zu Lebensmitteln. Sie zwangen mich nie zum Essen, aber der Hubschrauberlöffel kreiste immer, bis der Teller leer war oder ich in den absoluten Bockemodus verfiel. Und genau dort war ich eben in dieser prägenden Kleinkindzeit, während meine Mama arbeiten musste. Das Resultat war Übergewicht, dann Magersucht und nun der Weg, einen normalen Umgang damit zu finden.

Lies hier, warum mich Anfragen, um meinen Körper zu optimieren, so unfassbar wütend machen.

Für meine Kinder wünsche ich mir, dass sie ein normales Verhältnis zu Süßem bekommen. Dass sie aber auch wissen, zuviel davon schadet ihnen. Eben, dass man in Maßen und nicht in Massen genießen sollte. Völlig geschockt waren sie zum Beispiel, wie viele Äpfel sie essen können, bis sie die Kalorienzahl einer Tafel Schokolade erreichen. Solche Beispiele helfen ihnen und mir selbst, zu überlegen, ob dies oder jenes gerade nicht besser wäre als Schokolade oder andere zuckergetränkte Lebensmittel.

Ob es was bringt? Ich weiß es nicht. Die Zukunft wird es zeigen. Der Zwerg und der Frosch, die bisher ja am stärksten damit konfrontiert wurden, sind übrigens die beiden Kinder, die am ehesten auf Alternativen zurück greifen. Ob das was zu sagen hat?

Wie handhabst du das mit der Ernährung und Zucker für Kinder? Reglementierst du oder lässt du dein Kind selbst reglementieren?
Herzlichst, die Julie

 

 

Wenn dir meine Texte gefallen und du mir etwas Gutes tun möchtest, kannst du mir hier einen Kaffee spendieren. Vielen lieben Dank! <3

Pinne mich auf Pinterest:

Zucker für kleine Kinder Pin

Um immer auf dem neuesten Stand zu sein, folge mir gern auf FacebookInstagram oder Pinterest.

Das könnte dich auch interessieren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Geht in Ordnung.