Körpergefühl Bodyshaming Übergröße
Gedankenwelt, Life

Wutgebloggt: Hört auf, anderen ein schlechtes Körpergefühl mit euren dämlichen Anfragen zu vermitteln!

Ich sitze hier gerade im Hotelbett. Meine Nacht war bescheiden wie die Nacht davor. Während der unzähligen Male, die ich unseren Keks stillen durfte, war ich auch auf Instagram und Facebook unterwegs. Man muss sich ja bei Laune halten. Manchmal bekomme ich dort auch nette Nachrichten (wie zu dem Gewinnspiel hier, das noch ein paar Tage läuft), aber heute Nacht war wieder eine Nachricht dabei, die ich einfach nur als unverschämt, übergriffig und daneben empfinde: Ob ich denn meinen Körper nach der Geburt für ein besseres Körpergefühl optimieren möchte. Und das, nachdem ich kurz zuvor dieses geniale weiße Schokoladenparfait gepostet (und natürlich restlos vernichtet) habe.

Auf mein Nein wurde weiter rumgerührt. Nein heißt heute wohl nicht mehr nein, sondern „Quatsch mir bitte weiter ein Ohr ab, irgendwann knicke ich ein.“ . Herrje.

Hört auf mit diesen Anfragen für ein besseres Körpergefühl!

Denn in erster Linie erreichen sie das Gegenteil. Ehrlich, ich bin ein gefestigter Mensch, habe lange gebraucht, nicht jede Mahlzeit zu hinterfragen, eine Essstörung (ja, die hatte ich!) überwunden und bin so verdammt froh, mir jetzt so geilen Mist wie dieses Parfait oder den Brownie am Vortag einzuverleiben zu können, ohne danach zwei Tage wegen des schlechten Gewissens hungern zu müssen. Das war ein verdammt harter Weg, gepflastert von Diäten, Jojo-Effekten und eben dieser Essstörung. Mittlerweile bin ich mit mir im Reinen. Es ist okay so, wie ich bin. Nicht optimal, aber okay.

Andere haben diese innere Ruhe nicht. Diese Selbstakzeptanz. Andere hinterfragen sich dann, ob sie wirklich nicht okay sind, ob man sich in seinem Körper wirklich nicht wohlfühlen sollte, wenn er so aussieht, wie er aussieht. Sie werden verunsichert, noch mehr als sie es schon sind, in der neuen Situation mit Kind und Kegel.

Körpergefühl, Akzeptanz,, Selbstportrait

Hört auf, uns einreden zu wollen, wir und unsere Körper sind nicht gut genug!

Auf meine Absage auf diese unverschämte Nachricht, die ich wirklich freundlich schrieb – sogar mit „Ich wünsche dir dennoch viel Erfolg und Spaß mit deinem Programm“ – wurde weiter nachgebohrt, warum denn nicht und ob ich mir das nicht wenigstens anschauen möchte.

Herrschaftszeiten, reicht ein freundliches „Nein danke“ denn wirklich nicht mehr? Warum wird denn noch nachgebohrt, ob man sich denn nicht wirklich scheiße fühlt, wenn man in den Spiegel guckt? Wieso will man frischen Eltern einreden, ihr Körper müsse in die Ursprungform zurück? Mal abgesehen davon, dass das in den meisten Fällen sowieso nicht funktioniert. (Thema Zebrabauch und breites Becken – ihr kennt das sicher.) Kann man frische Eltern nicht einfach in der neuen Situation ankommen lassen, statt sie so zu bedrängen?

Hört auf, in diesem vermeintlich freundschaftlichen Ton, diesen unausgereiften Mist für ein besseres Körpergefühl vermarkten zu wollen!

Hallo, ich finde dein Profil toll … blablabla …. Sportprogramm mit Ernährung … optimieren …. ganz neu …. unterstützen … blablabla

So viel heiße Luft.

Ernsthaft, kauft euch den Mist jemand ab, der mit beiden Beinen im Leben steht? Mittlerweile sollte allgemeingültig bekannt sein, wenn man im Kaloriendefizit ist, nimmt man ab. Ist man drüber, nimmt man zu. Ist man faul, so wie ich, bleibt man eben dick – hat dafür aber auch kein schlechtes Gewissen beim Schokoladenparfait. So einfach ist die Geschichte. Und nein, ICH MÖCHTE NICHT UNTERSTÜTZT WERDEN, sondern meinen Urlaub genießen.

Dieser freundliche Ton hilft euch übrigens nicht, mir oder anderen den Mist anzudrehen. Er zeigt nur, dass ihr nur daran interessiert seid, auf Kosten anderer ganz link aufzusteigen. Punkt.

Und by the way: Ich bin Ernährungsberaterin, ich weiß, wie man sein „Körpergefühl optimiert“, aber meine Prioritäten liegen einfach woanders. Und ein Nein bleibt ein Nein – erst recht, wenn man so penetrant nachhakt. Meine Prioritäten sind einfach andere. Schlaf zum Beispiel. Ja, Schlaf ganz dringend. Aber sicher nicht ein gepimpter und auf Teufel-komm-raus-trainierter Körper. Ich habe schlichtweg keinen Bock, mich dafür zu rechtfertigen, warum ich esse, was ich esse und warum ich lebe, wie ich lebe.

 

Wie gesagt, andere haben diese Einstellung noch nicht erreicht. Viele andere kämpfen mit sich und ihrem Körper und diese Anfragen bohren in offene (vielleicht auch scheinbar verheilte) Wunden.

Essen Genuss Plussize Übergröße Body shaming

 

Diese Nachricht war nicht die erste dieser Art. Nein, auch ganz beliebt war es während der Schwangerschaft. 

Ja, ich hab viel auf den Rippen. Ich hab aber auch keine Lust, mir einreden zu lassen – und das im Urlaub (!!!) – ich sei nicht in Ordnung wie ich bin und müsse mich optimieren. Sagt mal, Leute, spinnt ihr? Muss ich das jetzt auch in meine Bio schreiben? „Bitte keine ‚du musst dich scheiße nach der Geburt fühlen, setz dich mit uns auf Diät‘-Nachrichten mehr!“

Und jetzt, jetzt lasst mich bitte weiter schlemmen. Ohne schlechtes Gewissen, ohne penetrante Nachrichten und ohne doofes Körpergefühl.

Hört auf mit diesem Bodyshaming! Den genau das ist es!

Ja, ich bin dick. Das weiß ich selbst. Das muss man mir nicht sagen.

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit!

Die Julie

 

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6 Comments

  1. Liebe Julia,

    ich finde es stark, dass du dich wehrst! Ich finde diese ganze Werbung via PN auf instagram ebenfalls unverschämt, auch wenn es bei mir andere Produkte sind… Es ist eine Masche, die sich mit einem dirty sales trick („du bist nicht gut genug“) an uns wendet und wunde Punkte anspricht.

    Das ist hinterhältig und gemein und schafft genau das Gegenteil von dem, was sie versprechen: sie beschämen einen und verschaffen einem ein schlechtes Gefühl.

    Bleib stark, genieß den Urlaub und das Parfait!
    Lieber Gruß,
    Sonja

    1. Die Leckereien im Urlaub habe ich tatsächlich sehr genossen, danke dir. ♥️
      Ach, diese Werbung macht mich wirklich wütend. Oder diese „Ich hab ein Start-up, steig doch mit ein“-Schneeballsysteme. Das traurige ist dass sich dadurch wirklich manche angesprochen fühlen.
      Viele Grüße

  2. Hallo liebe Julia, mein Kommentar zu deinem Beitrag: Ich liebe dich dafür. Ok, es waren vier Worte. Ich stehe so hinter dir. Ich werde nächstes Jahr 40. Gefühlt kämpfe ich seit 40 Jahren mit meinem Gewicht. Ich habe Handball gespielt und trotzdem keine Modellfigur gehabt. Ich habe im Fitnessstudio danach trainiert, und nicht wirklich abgenommen. Dann kam vor 12 Jahren mein Sohn und abnehmen wurde noch schwieriger. Mittlerweile habe ich jedoch meine Waage verbannt und höre auf meinen vorhandenen Bauch und meinen restlichen Körper. Einkaufen macht nicht immer Spaß aber mein Mann mag mich wie ich bin und das seit 23 Jahren.
    Bleib wie du bist, wir sind toll.
    LG Eileen

    1. Liebe Eileen,
      wenn du mit dir im Reinen bist, ist das wunderbar. Das war aber auch ein langer Weg, den viele noch vor sich haben. Vielen Dank für deine Worte! ♥️

  3. Katinka says:

    Liebe Julie, ich bin erst vor wenigen Wochen auf deinen sympathischen Blog gestoßen. Mit diesem Artikel hast du mich aber schon soweit, dass ich dazu unbedingt gratulieren muss! Du sprichst mir sehr aus der Seele. Ich bin letzten Monat 40 geworden, habe eine bezaubernde Tochter und alles, was mich sonst zufrieden macht. Ich bin so ganz bei mir und völlig weg von diesem Gedanken“höher, schneller, weiter“ oder eher „dünner, skinnier, straffer“. Paar Kilo zu viel , ein schwabbeliger Bauch, Besenreiser und was weiß ich sonst noch, sind mir sowas von egal – mein Körper hat einen neuen Mensch hervorgebracht, dafür gehört er gefeiert und nicht geschunden. Gesund leben und essen ja, aber mit viel Genuss und Ausnahmen. Mir tun mittlerweile all diejenigen leid, die ihr Leben damit verschwenden, irgendwelchen Idealen hinterherzulaufen. Weiter so liebe Julie, ich lese dich sehr gern!!

    1. Liebe Katinka,
      vielen lieben Dank für dein Kompliment! Von mir aus darf jeder leben, wie er möchte. Aber bitte nicht missionieren oder anderen sein Lebenskonzept überstülpen wollen, dagegen wehre ich mich massiv, wie du auch in diesem Post gemerkt hast. Und, wie du selbst sagst, der Körper verändert sich. Das gehört nunmal einfach dazu.
      Viele liebe Grüße

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