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Eine Woche Schulkind – Willkommen in der Realität

Die erste Woche Schule ist schon vorbei, die zweite Woche hat heute ihren Höhepunkt. Wir haben jetzt tatsächlich zwei Schulkinder. ZWEI! Und auch, wenn ich ein bisschen wehmütig bin und mir das alles viel zu schnell geht, freue ich mich eigentlich über diese neue Entwicklung. Eigentlich. Denn irgendwie hat uns die Realität schneller eingeholt, als ich dachte. Als wir dachten.

Vor dem Schulstart

Die Prinzessin hat sich wochenlang darauf gefreut, die Tage rückwärts gezählt und wurde von Tag zu Tag aufgeregter. In die Schule kommt man halt auch nur einmal und ich konnte es voll und ganz nachvollziehen. Außerdem kannte sie ja kaum jemanden aus ihrer zukünftigen Klasse, da wir unsere Kinder nicht im Dorfkindergarten betreuen lassen. Das war noch so ein Punkt, der die Aufregung schürte, aber ihr auch ein wenig Angst machte.

Der große Tag

An ihrem ersten Schultag war die Prinzessin sehr nervös – und wir auch. Aber die Freude überwog. Vielleicht auch, weil ihr Taufpate mit dabei war und sie am ersten Schultag morgens an der Hand nahm. Ganz stolz und selbstbewusst ließ sie sich von einem Zweitklässler abholen und ging mit in ihre neue Klasse. Auch als es an die Fotos für die Zeitung ging, da strahlte sie übers ganze Gesicht. Noch besser war allerdings, dass es an ihrem großen Tag genau ihre Lieblingsspeisen gab. Aber wer kann Fischstäbchen und Kartoffeln schon widerstehen? 🙂

Am Nachmittag beim Fotograf erzählte die Maus noch immer, wie toll alles ist und sie die Schule mit dem Drumherum sehr mag. Ich hatte das Gefühl, mit Startschwierigkeiten müssen wir diesmal nicht kämpfen, sie ist bereit. Bereit für die Schule und das Lernen, bereit für Hausaufgaben und festere Strukturen als die, die es im Kindergarten gab.

Die Woche nach dem Schulstart

Die ersten Tage nach dem Schulstart war die Prinzessin noch richtig euphorisch. Auch wenn ihr das reglementierte pünktlich das Haus verlassen und nur dann und dort essen und nur in den Pausenzeiten aufs Klo schon ein wenig zu schaffen machten. Der Knick kam dann nach ein paar Tagen.

Boah Mama, schon wieder muss ich ausmalen. Schon wieder Hausaufgabe. Ich mag die Schule, aber ich hasse die Hausaufgaben, ich hasse, hasse, hasse sie!

Ich versuchte, ihr zu erklären, dass sie dennoch gemacht werden müssen. Dass es wichtig ist, die Hausaufgaben ordentlich zu machen, weil es das in der Schule gelernte wieder auffrischt. Das war ihr aber wurscht. Es war egal, ob ich dabei saß oder nicht. Es war egal, ob ihre Schwester ihr helfen wollte oder nicht. Sie wollte spielen, toben, alles andere – aber keine Hausaufgaben machen. Auch die Erklärung, dass sie spielen darf, sobald zumindest die wichtigsten Dinge erledigt sind, fand sie total doof.

Dann hatten wir die Situation, dass ich in all dem Trubel vergessen hatte, der Prinzessin die Kleidung für den nächsten Tag parat zu legen. Am Morgen danach kam sie, mit Ketten behängt, in ihrer Lieblingsverkleidung, grünem Nagellack und pinkem Lippenstift zum Frühstück. Ich wagte es, ihr nahezulegen, sich umzuziehen und ganz schnell das Gesicht zu waschen, bevor sie zur Schule muss. „Meinst du nicht, ne Jeanshose oder das Hemdkleid machen sich besser in der Schule? Und mit Schminke gehen wir nicht los. Das darfst du aber gern wieder am Wochenende machen.“ Auf Prinzessinensprache hatte ich dadurch ihr Todesurteil gesprochen.

Ich hasse die Schule! Ich mag wieder in den Kindergarten. Biiiitteeeee!

„Ich mag nicht lernen, ich mag nicht ruhig sitzen, ich hasse die Hausaufgabe! Ich will wieder spielen und mich verkleiden und aufs Klo wann ich will!“, weinte sie.

Darauf war ich nicht vorbereitet. So ganz und gar nicht. In den Schulstart der Prinzessin hatte ich, ehrlich gesagt, mehr Hoffnung gesteckt. Hoffnung, dass es diesmal harmonisch und ohne Weinkrämpfe vonstatten ging.

Ich nahm sie also erstmal in den Arm, drückte sie fest an mich und versuchte, sie zu beruhigen. Und ich flüsterte, dass sie in den nächsten Ferien ganz bestimmt ihre Freunde im Kindergarten besuchen dürfe. Dass sie dort ihr Prinzessinnenkostüm tragen und von mir aus auch mit pinkem Lippenstift und Kuscheltier im Arm aufschlagen kann. Nach ein paar Minuten und einigen Versuchen, durch plumpe Scherze ein Lächeln in ihr Gesicht zu zaubern, hörte sie auf zu schluchzen, ging ohne Umschweife in ihr Zimmer und zog sich um.

Auf dem Schulweg war sie dann wieder die Alte. Sie lachte und nahm den Frosch an der Hand und zankte mit ihrer großen Schwester.

Der Knoten war scheinbar geplatzt. 

Gestern saß sie dann wieder an ihren Hausaufgaben. Direkt nach dem Mittagessen. Ohne Verzögerungstaktiken und Wutgeschnaube, sondern wie selbstverständlich. Heute war sie dennoch motzig, denn ihr Spielzeughandy musste daheim bleiben. Dafür gab es aber den Einhorn-Schlüsselanhänger der Oma an den Schulranzen. Als Kompromiss.

Und sie ist nun für die Kindergarten-Koop angemeldet. In der Zeit spielen und singen und lesen sie gemeinsam mit den neuen Vorschulkindern. Auf ihren Wunsch.

Die Realität der Schule ist eben anders als die Vorstellung der Maus.

Bisher ist ja „erst“ eine Woche vorbei. Diese ganzen neuen Eindrücke müssen verarbeitet und sortiert werden. Und wenn nicht über ihre Gefühle, wie dann?

Ich denke, die Prinzessin wird noch einige Male zweifeln und hadern und zornen und schimpfen. Aber das ist okay. Ich bin da, um sie aufzufangen. Es ist eben eine große Umstellung vom ständig freien Spiel und freien Essenszeiten im Kindergarten zu festen und strikten Strukturen in der Schule. Das braucht Zeit und Geduld und Verständnis und Liebe.

Wie es weitergeht? 

Ich hatte ja schon einmal durchklingen lassen, dass die erste Zeit nach dem Schulstart der Großen kein Zuckerschlecken war. Auch letztes Jahr noch war es ziemlich anstrengend. Jetzt, mit neuer Lehrkraft, neuem Klassenzimmer und neuer Klasse, läuft es. Sie ist noch immer die Träumerin, aber weiß, dass das, was sie in der Schule und daheim erledigt, sie weiterbringen. Das nimmt ihr viel Druck und gibt ihr die Motivation, an ihrem großen Berufswunsch zu arbeiten.

Für die Prinzessin wünsche ich mir von Herzen, dass sie im Schulgefüge auch ihren Platz findet. Dass der Unmut über Ausmalbilder und Strukturen bald von Freude am Buchstabenlernen und Rechnen und den Spielen in der Pause abgelöst wird. Eigentlich bin ich recht zuversichtlich, dass sie ihren Weg geht. Und ich nehme sie gern bei der Hand und begleite sie, solange sie das möchte und braucht.

Wie sind deine Erfahrungen mit dem Schulstart? 
Die Julie

 

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