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Morgenroutine? Großfamilienwahnsinn!

Ich glaube, jeder mit Kindern kennt das. Man weckt rechtzeitig die Meute, hat das Frühstück vorbereitet und dennoch ist man die letzten Minuten so im Stress, dass man am liebsten alles hinschmeißen und sich frustriert in die Ecke hocken will. Mir geht es da nicht anders. Im Gegenteil. In regelmäßigen Abständen frage ich mich sogar, ob es nicht sinnvoller gewesen wäre, die Kinder die Nacht durchmachen zu lassen oder sie abends in frische Straßenklamotten zu stecken, um mir morgens Stress zu ersparen.  Dabei haben wir eigentlich eine ausgeklügelte Morgenroutine. Und die läuft in etwa so ab:

6:10 Uhr – der Wecker klingelt

Wir sind meistens schon eher wach. Der Zwerg hält nämlich nichts davon, morgens auszuschlafen, sondern steht meist schon weit vor dem lieblichen Gebimmel im Türrahmen und verlangt nach Essen und Getränk. Lautstark, versteht sich.

6:30 Uhr – Frühstückszeit

Mittlerweile haben sich alle aus dem Bett gequält. Mit Augen auf Halbmast, Mundgeruch, der einer Güllegrube Konkurrenz macht und bitte ohne laute Geräuschquellen wird das von uns vorbereitete Frühstück gemampft.

Herr Puddingklecks ist dabei schon wieder im Stress, denn eigentlich sollte er jetzt schon mit dem Zwerg im Auto sitzen. Eigentlich. Der fiel nämlich zwischen 6:10 Uhr und 6:30 Uhr in absolute Verweigerung, weil die Socken, die er vorm Waschen ohne Schuhe im Matsch trug, nun einen Grauschleier haben.

6:45 Uhr – aller guten Dinge sind vier

Der Mann und der frühe Vogel haben das Nest verlassen. Ich sitze noch immer mit den beiden Mädels und dem Frosch am Tisch, der es lustiger findet, die Milch wieder heraussprudeln zu lassen statt zu trinken. Die Mädels überlegen sich derweil, ob das vierte Brot mit Honig noch reinpasst, entschließen sich aber, satt zu sein, weil jetzt nur noch Obst auf dem Tisch steht.

7:10 Uhr – die Kleiderfrage

Seit etwa 10 Minuten brüllen die Mädels abwechselnd, was sie anziehen sollen und rufen auf meine Antwort durchs Treppenhaus, dass genau das, was ich mir wünschen würde, totaaaal blöd ist und ich was anderes sagen soll. Zähne putzen? Haare kämmen? Gesicht waschen? So weit sind wir noch lange nicht.

7:20 Uhr – erste zaghafte Versuche

Ich rufe die ersten Male „Wie weit seid ihr?“ die Treppe hoch. Zurück kommt ein obligatorisches „Schon gaaaanz weit, Mama!“. Begleitet wird der Zuruf von Kinderkichern, schnell tapsenden Füßen und dem nervtötenden Klang der Tut tut Flitzer.  Zwischen Brote schmieren und das Frühstückschaos beseitigen renne ich in regelmäßigen Abständen nach oben, um mir selbst ein Bild vom trödelnden Grauen zu machen und ein wenig anzutreiben. Denn von „fast fertig“ sind wir meilenweit entfernt.

 7:30 Uhr – fast fertig

Mittlerweile habe ich die Kinder mindestens zweimal wieder nach oben geschickt. Denn die „gekämmten“ Haare sehen aus, als hätten Vögel darin genistet. „Möchtest du nicht vielleicht eine Hose anziehen?“, frage ich die Große. Die schaut an sich runter, fängt gequält an zu grinsen und stößt ein „Uuuuups!“ aus, bevor sie die treppauf rennt, um die vergessene Jeans zu holen. Zwischendrin bekommt die Prinzessin einen Wutanfall und stöhnt entnervt „Orrrr, Mama! Ich habe schon Zähne geputzt!“, obwohl die Frühstücksreste bei jedem Wort entgegenpurzeln. Geputzt wird dennoch.

7:35 Uhr – immer mit der Ruhe

Wir haben es zum Eingang geschafft. Doch statt sich anzuziehen wird diskutiert, warum es heute Wasser ohne statt mit Blubb gibt und ob wirklich eine Jacke nötig ist. Bei 5 Grad und Nieselregen. Mittendrin sitze ich, noch immer im Schlafanzug, raufe mir die Haare, ziehe Reißverschlüsse zu, schließe die Warnwesten, sammle die Jacken und Schuhe vom Vortag ein und räume auf.

7:40 Uhr – fix und fertig

Die Tür fällt ins Schloss, nachdem ich die Mädels mit einem Kuss auf die Stirn, „Ich hab euch sehr, sehr lieb.“ und dem Zusatz, dass sie sich sputen müssen, verabschiedet habe. Am liebsten würde ich mich jetzt ins Bett legen und einfach nichts machen. Manchmal mache ich das auch. Mit dem Frosch, unzähligen, schreckliche Melodien auskotzenden, Tut tut Flitzern und KiKa.

Meistens jedoch geht der erste Weg zum Kaffee, der einsam und verlassen auf der Küchentheke steht. Mittlerweile ist er kalt und hat an der Tasse einen unschönen Rand gebildet.

Und manchmal schaffen wir es sogar, gemeinsam das Haus zu verlassen. Mit einigen verlorenen Nerven und mindestens zwei grauen Haaren mehr.

Aber hey, ich lebe noch. Morgenroutine? Haben wir voll drauf! 
Die Julie

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2 Comments

  1. Du hast das echt herrlich beschrieben. Das ist bei uns auch genauso, wobei ich nicht so viele Kinder habe. Das kenne ich zu gut: Bist Du schon angezogen? Kommt ich bin dabei oder in 1 Minute 🙂 Wie oft steht er dann noch im Schlafanzug da oder es kommt ich finde nichts zum Anziehen. Und den Kaffee trinke ich meist nebenher . Wie erleichtert sind wir dann alle, wenn wir alle aus dem Haus sind und die Kinder im Zug sitzen. Und jeden Morgen auf den letzten Drücker, obwohl alles gut durchgeplant ist.

    1. Irgendwie beruhigend, dass das morgendliche Dilemma sich durch alle Familien zieht, oder? 😀

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