Einkaufen mit Kind, Tipps und Tricks für einen entspannten Einkauf im Mamablog Puddingklecks
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Es gehört mir erst, wenn es bezahlt ist // Einkaufen mit Kind

Wenn ich mit den Kindern einkaufen gehe, dürfen sie sich meistens etwas aussuchen. Oft landet das (mir verhasste) Ü-Ei im Wagen, manchmal ein Gebäckteil, selten eine Tüte Chips. Wie selbstverständlich wird es vorsichtig aus dem Regal genommen und in den Wagen gestellt, ohne andere Dinge zu zerquetschen und neue Dinge landen daneben. Nie im Leben bin ich darauf gekommen, Ware, die mir nicht gehört, mitten im Supermarkt zu öffnen und zu verspeisen.

Es gehört mir erst, wenn es bezahlt ist! Einkaufen mit Kind.

Und eigentlich dachte ich, mit dieser Einstellung bin ich nicht allein. Schließlich kann ich ja auch kein Auto einfach so nutzen, ohne vorher einen Kauf- oder Mietvertrag abgeschlossen zu haben. Zeitschriften lese ich auch nicht im Kiosk und lege sie nach meinem Wissenserwerb zurück und gehe.

Doch in letzter Zeit fällt mir mal wieder vermehrt auf, dass wohl alleine ich diese moralischen Vorstellungen habe. Dass man erst dann Eigentümer ist, nachdem die Ware über das Kassenband gefahren, wieder im Wagen gelandet und dafür Geld als Gegenleistung geflossen ist. Und dann kann ich mit meinem Zeug machen, was ich will. Sollte das nicht eigentlich normal sein?

Ehrlich gesagt schockiert es mich, mit welcher Selbstverständlichkeit Schokoriegel aufgerissen und Flaschen geöffnet werden und man nebenbei mit viel Glück an der Kasse erwähnt, dass die Breze schon im Magen des kleinen Rackers und daher nicht mehr auffindbar ist.

Ist es wirklich okay, Dinge zu verzehren und aufzubrauchen, bevor man sie überhaupt bezahlt hat? Und finde nur ich es bedenklich, was man den Kindern dabei vermittelt, wenn sie direkt im Laden Dinge in den Mund gesteckt bekommen, sobald sie quengeln oder danach verlangen. „Sobald du danach jammerst, bekommst du deinen Willen ohne Rücksicht auf Verluste.“ oder „Egal, wem es gehört, nimm es ruhig.“ sind nicht gerade tolle Ansätze oder?

Achtung vor fremdem Eigentum

Bei uns gibt es nicht viele Regeln. Aber eine, die mir wichtig ist, ist, dass es erst mir gehört und ich erst daran gehen kann, wenn ich es bezahlt oder geschenkt bekommen habe. Meine Kinder wissen von klein auf, sie dürfen sich gern was im Supermarkt oder Discounter aussuchen, aber das gibt es wirklich erst, wenn ich im Gegenzug Geld überreicht habe. Erst dann gehört es uns und erst dann dürfen wir es essen, matschen, in die Nase schmieren, whatever.

Mir würde auch so nie einfallen, im Spielwarenladen die Spiele aufzureißen, auf dem Boden zu spielen und sie dann eventuell unter Umständen im Anschluss an der Kasse zu vermerken. Weil es einfach nicht meins ist.

Und ich glaube wirklich, wenn man es den Kindern vorlebt und – wenn es dann doch Proteste gibt – einfach nochmal ruhig und sachlich erklärt und bei solchen Dingen nicht einknickt, es kaum Dramen darum gibt, ob die Gummibärchen 2 Minuten eher oder später gegessen werden, weil sie kommen ja nicht weg. Sie werden nur sachgemäß gegen Geld eingetauscht.

Vermittlung von Grundsätzen

Wäre es nicht schöner und weitblickender, den Kindern zu vermitteln: Wenn du 5 Minuten wartest, schmeckt es noch genauso gut, wie wenn wir es direkt vor Ort und Stelle aufreißen. Und sollten unsere Kinder nicht auch lernen, auf manche Dinge warten und für eine gewisse Weile verzichten zu können?

Ich meine, wir leben hier im Luxus und Süßkram oder Brezeln, die im Supermarkt an die Kinder verteilt werden, sind keinesfalls überlebenswichtig, genau in diesem Moment lebensnotwendig, sondern tragen im Endeffekt nur dazu bei, das Kind ruhig zu stellen. Keines unserer Kinder wird verhungern oder verdursten, bis die Ware bezahlt ist. Oder?

Was uns bei quengelnden Kindern im Supermarkt geholfen hat

Ich will jetzt hier nicht nur wettern, sondern auch Lösungsvorschläge bringen. Bei vier Kindern haben wir ja eben auch schon einiges durch. Von auf dem Boden rollenden Zornknubbeln über dramatisch schluchzende Mäuschen hinzu stillen Protesthäschen. Und ich finde, das gehört dazu, seinen Unmut auszudrücken, seine Gefühle zu äußern und zu versuchen, seinen Willen durchzubringen. Kinder argumentieren auch einfach bis zu einem gewissen Alter nicht so, wie wir es gern hätten und reagieren emotional. Aber das tun wir Erwachsene ja eigentlich auch recht oft noch oder? Jedenfalls haben uns folgende Dinge unheimlich geholfen, entspannte Einkäufe zu erleben:

  • Wir sprechen vorher ganz klar ab, was wir uns von den Kindern wünschen: Du darfst dir ein Gebäck/Stück Süßkram aussuchen. Das kommt in den Einkaufswagen und wenn es bezahlt ist, darfst du es haben. Dann gehört es dir.
  • Wir erinnern die Kinder daran, wenn sie übers Ziel hinaus schießen: Du hast dir bereits ein Teil ausgesucht. Möchtest du das jetzt gegen das andere eintauschen oder nicht? Beide Dinge nehmen wir nicht mit. Aber das haben wir auch vorhin so abgesprochen.
  • Es gibt feste Einkaufsrituale: Wenn ich mit dem Frosch unterwegs bin, darf er sich immer eine Brezel aussuchen. Sobald er sie hält, frage ich ihn, wann er sie essen darf. Und er antwortet mir, dass das nach dem Bezahlen ist. Daran hält er sich auch, weil er es gar nicht anders kennt. Das ist wie das tägliche Zähneputzen oder Händewaschen nach dem Toilettengang. Wenn es erst einmal drin ist, legt man es so schnell nicht wieder ab. Also das Ritual, nicht das Gebäck.
  • Bei Obst und Gemüse mache ich eine Ausnahme: Nicht, dass sie das direkt im Laden verzehren können, aber Obst und Gemüse dürfen sie sich immer zusätzlich aussuchen und in den Wagen legen. Hier reglementiere ich kaum, außer es wird der dritte Granatapfel oder die 20. Banane, obwohl wir das noch komplett unangetastet daheim haben. Aber auch hier gilt, gegessen und genutzt wird es erst, wenn es uns gehört.
  • Größeren Kindern Verantwortung übergeben: Klingt anstrengend, ist es anfangs auch. Aber mit der Zeit macht der Einkauf so richtig Spaß. Will heißen: Wir haben eine Einkaufsliste, die abgearbeitet werden muss. Ich gebe jedem Kind einen Punkt davon zur Aufgabe, den es im Supermarkt suchen und mir bringen soll. Für die Mäuse ist das ein Spiel, das sie nebenbei gleichzeitig lehrt, Verantwortung zu übernehmen und zuverlässig die Ware zu mir zu bringen. Nebenbei üben sie lesen und Preise vergleichen und sind am Ende stolz wie Bolle, weil sie so viel mitgearbeitet haben.
  • Und der wohl wichtigste Tipp: Satte Kinder quengeln seltener nach Quetschies oder Apfelschorle, sondern geben sich damit zufrieden, wenn sie warten müssen. Also, bevor man loszieht, lieber nochmal nen Apfel aufschneiden oder ein zweites Frühstück einlegen und der Einkauf wird um Welten entspannter.

Was übrigens auch wunderbar hilft: Nach Möglichkeiten ohne Kinder einkaufen gehen. Das ist dann übrigens auch meine kleine Wellnessauszeit, wenn niemand an mit zupft oder rein und raus und rein und raus vom Wagen möchte.

Wie handhabst du das? Wie erlebst du das Einkaufen mit Kind?
Herzlichst, die Julie

 

Möchtest du in weiteren Familienthemen stöbern? Oder in meine Gedankenwelt eintauchen? Außerdem habe ich hier Rezepte für Bauch und Seele. Schau dich gern um.

 

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13 Comments

  1. Ist das der deutscheste Artikel der Welt? Denke ja.
    Ps: habe als Kassiererin gearbeitet und es war dem Marktleiter, den Kolleginnen und mir so Wurst, ob irgendein hungriges Würmchen Brezel schnabuliert hat. Nervig hingegen: wenn mitgebrachte Sachen verspeist werden.

    1. Was hat denn das mit der Nationalität zu tun, wenn man fremdes Eigentum wahrt? Aber sollte das Kind von einem anderen die Schippe geklaut bekommen, ist das Drama vorprogrammiert, gell? 😉

    2. Guten Morgen.
      Spannend mal die Sicht einer Kassiererin zu lesen. Ich möchte meinem Kind ebenfalls vermitteln, dass man mitten im Laden nicht einfach Sachen aufreissen darf, bevor sie bezahlt sind. Das ist manchmal gar nicht so einfach, weil die Kleinen ALLES sehen, auch die Omi, die an der Obsttheke Trauben „nur mal probiert“ oder den Herrn, der an jeder Avocado einzeln herumdrückt.
      Ich versuche ähnlich heranzugehen wie Julie, mit Absprachen und mit Ablenkung und für ganz schimme Tage hab ich immer ein „Not-Süßi“ dabei z.B. ein kleines Traubenzucker-Bonbon. Diesen Jocker zücke ich aber nur, wenn wirklich meine und seine Nerven bereits an der Grenze sind und ich einfach nur noch fertig mit dem Einkauf werden will. Das gerade das mitgebrachte ein Problem für den Supermarkt sein könnte, hatte ich nicht gedacht.
      Grüße
      Julia

      1. Ich glaube, das kommt dann aber auch darauf an, ob du mit einem Kassenbon belegen kannst, dass es deins und schon vorher bezahlt ist. Dann dürfte das allerdings absolut kein Problem sein. 🙂

        1. Hey Julie,
          ach so, dann kann ich das verstehen. Meine Süßi-Notfall-Päckchen liegen meist schon seit Wochen in der Handtasche, da seiht man auf den ersten Blick, dass die nicht aus dem Laden sind 😉

  2. Die Frage von „Meh“ ist schon lustig 🤣 Ich stimme Dir zur Hälfte zu bzw. mache es halb so wie Du: Es wird nichts aufgerissen, aber Brezel und Brötchen dürfen bei meinen Einkäufen zu 3/4 aufgegessen werden. Der Rest muss bleiben, um es an der Kasse vorzuzeigen.
    Ich nehme den Prinzen nur mit, wenn es nicht anders geht; und da ich selbst einkaufen hasse, kann ich seine Langeweile gut nachvollziehen. Wenn da eine Brezel hilft, ist es für mich ok.
    Die Tüten-Aufreißer stören mich auch, aber nur, weil sie meine „man darf im Laden nichts öffnen“-Erklärung sabotieren. Ich gehe davon aus, dass sie alles bezahlen und den Kindern somit (ebenfalls) vermitteln, dass nichts geklaut werden darf.
    Deine Tipps sind super!

    Liebe Grüße aus Berlin

  3. Interessante Sichtweise 😊👍 ich praktiziere das eigentlich auch so mit dem „ich reiß ein Stück von der Brezel ab, das er gleich essen darf“.
    Aber grundsätzlich hast du Recht finde ich 🤔
    Die Idee mit der Einkaufsliste ist toll! Werd ich demnächst Mal ausprobieren.
    Liebe Grüße
    Sonja

    1. Hallo Sonja,
      es freut mich, wenn ich dich ein wenig zum Nachdenken animiert habe.
      Herzliche Grüße

  4. Kathrin says:

    Ich bin geschockt über die Kommentare. Erstmal bin ich zu 100% deiner Meinung. Mein grade 4 Jähriger darf wenn er mit kommt, sich hin und wieder etwas aussuchen. Das klappt super, Manchmal wird es dann nochmal eingetauscht, weil er etwas leckeres findet, aber grundsätzlich klappt es ohne gemecker, denn er weiß, sobald ich es bezahlt habe ist es seins. Natürlich gibt es Tage an denen ich nicht vermeiden kann, dass er quengelt, weil er Hunger hat und es sofort essen möchte, nach dem Kindergarten zum Besispiel. Aber ich würde nie mals auf die Idee kommen, ihm das Brezel, auch nur zur hälfte, im Laden essen zu lassen. Denken wir doch jetzt nur mal 15 Jahre weiter. Unsere Kindern gehen dann Einkaufen und essen nach Lust und Laune hier und da und zwar alle, weil sie es ja so gelernt haben. Was ist den mit Normen und Werte? Sind die gar nicht mehr Wichtig? Wenn wir den Kibdern vermitteln, das sie bekommen was sie wollen und zwar sofort, dann nehmen sie sich es auch später sofort und zwar egal wo, dwnn es gibt dann keinen Respekt zu Fremden eigentum mehr! Damit ich nicht so einen stressigen Einkauf habe binde ich meinen Sohn von Anfang an beim Einkaufen ein. Ware in den Einkaufskorb legen, Obst und Gemüse abwiegen und alles auf das Kassenband räumen, so kommt er erst gar nicht auf die Idee etwas essen zu wollen.
    Ich denke, das jeder seine Ansichten von Dingen hat, dass ist ja auch so weit gut, aber ich finde nur dann wenn es ihm auch gehört!
    Lg

    1. Liebe Kathrin,
      mir ging es ähnlich. Ich dachte nicht, dass das so eine große Diskussion auslösen würde, weil es für mich selbstverständlich ist, nicht an fremdes Eigentum zu gehen. Und das ist es ja im Supermarkt noch, bevor es über die Kasse wandert. Mittlerweile ist es gesellschaftlich wohl ziemlich toleriert, was mich ziemlich traurig stimmt, denn man ist sich selbst der Nächste und denkt gar nicht an das Bild, das man vermittelt.
      Ich finde es schön, wie ihr das handhabt.
      Liebe Grüße

  5. Ich bin 100% bei Dir.
    Ich finde es immer schrecklich, wenn Kinder direkt mit der nicht bezahlten Ware abgefüttert werden.
    Aus solchen Kindern, werden Erwachsene die das auch okay finden. Einziger Fall wo ich sage, ja, das ist okay, wenn jemand Unterzucker hat und nichts dabei.
    Sogar meine behinderte Tochter weiß, dass man erst zahlen muss.
    Ich sage dann auch ganz laut mal, während andere Kinder schon vor der Kasse die Backen voll stopfen.
    „Brezeln die nicht bezahlt sind, schmecken nicht so gut“
    Vor kurzem kaufte ich Hugo und an der Kasse sah ich, dass sie offen war und schon ein paar Schlucke fehlten, die Kassiererin meinte „Sie wollen gar nicht wissen was wir hier in den Regalen finden, angefressenen Käse, Schokolade wo mal rein gebissen wurde, Schaumkusspackungen wo 3 fehlen.
    Ja, für mich ist das ein Zeichen einer egoistischen Gesellschaft, die nur sich selbst sieht und Regeln nur für andere sind und ständig sagen „Das ist ja nicht schlimm“
    Etwas im Supermarkt essen ist nichts anderes als Diebstahl.
    So wie wenn man ein Kleidungsstück in die Tasche steckt.
    Im Prinzip ist es in dem Moment unwichtig ob man noch vor hat zu zahlen, im ersten Moment ist es Diebstahl, Mundraub oder sonst etwas, toll wenn man seine Kinder zu solchen Egoisten erzieht, prima (Ironie)

    1. Liebe Martina,
      danke für deine Worte. Ich musste mich nach diesem ganzen „Shitstorm“ wirklich erst einmal sammeln. Denn ich dachte ehrlich, dass die Menschen, die so wie in meinem Artikel beschrieben handeln, eher die Ausnahme sind. In meinem Umfeld ist das auch komplett normal, dass erst gezahlt wird, bevor man sich an dessen Nutzung macht.
      Aber schön zu hören, dass du genauso denkst. Vielleicht auch, weil du durch deine Tochter merkst, wie rücksichtslos die Gesellschaft doch oft ist.
      Ich danke dir wirklich dafür, mir aufzuzeigen, dass es wohl doch ein paar Stimmen gibt, die anders denken, als diese „Mir wurscht, was der Rest der Welt meint“-Fraktion.
      Ganz liebe Grüße

  6. Hasenmutti says:

    Huhu – hier ist noch so eine Spießer Mama!!!
    Allerdings sind meine 2 bereits 12 und 9 Jahre alt. Theater beim Einkaufen kenne ich nicht – sie kannten es nicht anders. Erst bezahlen, dann essen. Und auch nur, während Mama die Waren ins Auto geräumt hat, denn im Auto wird nicht gegessen ;-).
    Das ist eine Frage der ERZIEHUNG, aber das „darf“ eine gute Mutter heutzutage nicht mehr.
    Und ganz sicher ist es eine Frage der Wertvermittlung.
    Es ist nicht nur einmal vorgekommen, dass eines meiner Kinder zu einem Erwachsenen beim Einkaufen gesagt hat: „Das müssen Sie/musst du (je nach Alter des Kindes) aber erst bezahlen. Das gehört Ihnen/dir nicht.“
    Unsere Gesellschaft verroht immer mehr. Viel Egoismus greift um sich, viele sind vom Staate „nimm“. Wer seine Verantwortung als Eltern ernst nimmt, der bringt seinen Kindern auch Respekt vor dem Eigentum anderer bei.
    Ich finde es toll, dass es Eltern wie euch gibt und ich kann nur den Kopf über diejenigen schütteln, die es anders sehen.
    Die bringen vermutlich im Kino auch ihr eigenes Essen mit, obwohl es verboten ist.

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