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Der Mamakörper – warum ich ihn akzeptiere, aber nicht lieben muss

Wie oft lese ich auf Instagram, dass wir stolz sein sollen. Stolz auf unseren Körper, der so viel tolles vollbracht hat. Auf unsere Falten, die hängende Haut, die Dehnungsstreifen und die Brüste, die Mutter Erde anbeten. Wie oft lese ich, dass die ein oder andere Influencerin ihren Mamakörper bis ins letzte Detail liebt. Hashtag Selbstliebe steht unter jedem zweiten Bild frisch entbundener Mütter auf Instagram, die ihren Körper halbnackt stolz in die Kamera halten. Um kurz darauf Fitnessbilder von sich zu präsentieren, weil der Körper doch nicht dem entspricht, was sie von sich selbst erwartet.

Schon während der Schwangerschaft verändert er sich, der Körper

Ich weiß noch, wie ich mit jungen 21 Jahren den ersten monströsen Riss auf meinem Bauch entdeckte. Ich meine, hallo? 21! Ich war jung und knackig und habe mit allem gerechnet, aber nicht mit dem Bindegewebe einer schlecht verklebten Plastiktüte. Als die Große dann kurz nach meinem 22. Geburtstag schlüpfte, war mein kompletter Bauch gerissen. Und mir war zum heulen. Meine bis dahin vielleicht nicht makellose aber schöne Figur war kaputt. Meine zuvor schönen Brüste? Die blickten traurig nach unten, da half auch der Milcheinschuss nichts.

Da stand ich also und versuchte, neben dem Stillen, dem Haushalt, der neuen Rolle als Mama, irgendwas an meiner Figur zu retten. Und nein, ich gehöre sicher nicht zu denen, die durch Stillen abnehmen, denn ich vergesse nie zu essen. Die Zeit nehme ich mir – und wenn ich das Baby danach von Kekskrümeln befreien muss, weil ich mit Kind an der Milchbar nebenbei genascht habe. Da kann ich aber auch nicht anders.

Ich mochte mich so nicht. Ein junger Mensch, ein fröhlicher Mensch, gefangen in einem Körper, der so gar nicht zu dem passte, wie ich zuvor gelebt hatte. Ja, das klingt eitel und egoistisch, aber ich fühlte mich einfach nicht mehr wohl. Das war nicht ich.

Der Mamakörper nach der Schwangerschaft

Mein Mamakörper nach der Schwangerschaft ist weich, hat Dellen und es ist nichts mehr da, wo es sein soll. Fünf ausgetragene Schwangerschaften zollen ihren Tribut. Neben der Pigmentstörung, die sich diesmal stark ausgeprägt und nicht mehr gemindert hat und den Rissen auf der gesamten Haut der Körpermitte, da ist noch so einiges weiter im Argen. Meine Hüfte streikt, wenn ich länger laufen möchte, die Brüste sind durch die ständigen Gewichtsschwankungen – wer nimmt schon insgesamt 60 kg ab und 80 zu – alles andere als schön oder wohlgeformt.

Mein Bindegewebe ist eben alles andere als schwangerschaftstauglich, was mich nicht davon abgehalten hat, fünf kleine Wesen zu gebären.

Aber schön? Schön ist anders.

Selbstakzeptanz? Ja! Selbstliebe? Nein!

Ich akzeptiere, wie mein Körper aussieht. Mittlerweile kann ich die Spuren annehmen und breche nicht mehr beim Anblick meiner Bauchschürze in Tränen aus. Die Kaiserschnittnarbe vom Zwerg ist in den letzten 6 Jahren stark verblasst und Narben an sich finde ich schön, ehrlich, denn sie erzählen eine Geschichte. Meine Geschichte. Auch finde ich es okay, dass die Brust, durch die meine Kinder genährt wurden und werden, weder straff noch formschön ist. Aber sie erfüllt ihren Zweck.

Doch ehrlich, ich hätte lieber einen straffen Bauch, keine Dehnungsstreifen oder Pigmentflecken, die aussehen, als hätte ich mir Kriegsbemalung ins Gesicht geklatscht. Ich hätte lieber einen Körper, der die Folgen einer Schwangerschaft – oder mehrerer – nicht so zur Schau stellt. Und ich bin weit davon entfernt, meine Bauchschürze zu lieben.

Dieser Trend, sich selbst zu belügen (ich sage nicht, dass das auf alle zutrifft, aber auf einige) und gleichzeitig anderen einreden zu wollen, dass man den Körper nach der Schwangerschaft lieben MUSS, mag und kann ich absolut nicht unterstützen.

Ja, ich bin stolz darauf, was dieser Körper geleistet hat. Er hat fünf ganze Menschlein produziert, ausgetragen und mehr oder minder lang durch Muttermilch versorgt. Er hat Gewichtsschwankungen mitgemacht, die alles andere als schön sind und unter der Dehnung durch den schnellen Wachstum des Babybauchs gelitten. Dass er all das mitgemacht hat, dafür bin ich dankbar.

Aber hätte ich die Wahl, würde ich jedes durch Schwangerschaften haftende Gramm, jede Delle, jeden Riss gegen einen Körper eintauschen, der so aussieht, wie vor den Strapazen. Einen Körper, bei dem ich nicht die passende Hose für die Bauchschürze suchen muss, sondern weil sie mir gut steht. Bei dem ich von Pigmentflecken verschont bleibe, für die ich immer wieder gefragt werde, welcher Kosmetikunfall das denn war.

Dass das unmöglich ist, ist mir klar. Vielleicht auch ein wenig undankbar, das mag sein. Wie oben schon geschrieben, ich habe mich damit arrangiert und akzeptiere die Veränderungen, die der Mamakörper mit sich brachte. Doch ihn lieben? Nein.

Dem Körper Gutes tun

Die Haut wird nicht mehr zurück gehen, da brauche ich mir keine Illusionen machen. Und auch andere Veränderungen zum Mamakörper sind dauerhaft, auch wenn man sie noch ein wenig reduzieren kann. Das ist jedoch kein Grund, sich selbst nachlässig oder abwertend zu behandeln. Im Gegenteil.

So nehme ich mir die Zeit, mache täglich meine Übungen für den Beckenboden, wenn der Papa den Keks abnimmt. Und ich bin draußen, bewege mich, trage das neue Leben direkt bei mir und wir tanken frische Luft. Zwischendurch gönne ich mir Pausen und höre auf meinen Körper, wenn er erschöpft ist.

Auch die Ernährung ist ein wichtiger Bestandteil. Was ich esse, beeinflusst auch die Muttermilch. Nebenbei macht es dann doch eben einen Unterschied, ob ich 100 g Heidelbeeren oder 100 g Nougatschokolade futtere. Vielleicht nicht bei einem Mal, aber auf Dauer. Mein Körper braucht aber keine Schokolade, keine leeren Energielieferanten, sondern Nahrung mit vielen Nährstoffen und Vitaminen.

Und dann gibt es noch die berühmte Spachtelmasse fürs Gesicht und Bodylotion, die zumindest dem Kopf vorspielt, dass die Streifen heller werden und die Haut an Straffheit gewinnt. Auch Nagel- und Friseurschere kommen regelmäßig zum Einsatz.

Denn auch, wenn man sich verändert hat, der Körper aus der Form geraten ist und „Gebrauchsspuren“ vorweist, ist es der einzige, den wir haben. Und den müssen wir gut behandeln und pflegen. Er soll schließlich noch die Enkelkinder mitmachen und Kraft genug haben, um auch im Alter Purzelbäume zu schlagen und beim Fangen spielen voran zu rennen.

Und bis dahin dürfen meine Kinder gern noch auf meinem Bauch liegen und murmeln „Da kuschle ich gern ein, Mama. Das ist so weich!“ , auch wenn es mir doch einen kleinen Stich versetzt. Aber wer will schon ein hartes Kissen? Meine Kinder jedenfalls nicht.

Herzlichst, die Julie

 

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1 Comment

  1. Liebe Julie,

    ich finde es sehr mutig, dass du deine Gedanken so mitteilst! Instagram will eine perfekte Welt sein, doch häufig ist es nur die perfekte Fassade. Vielleicht denken sich die Instasternchen, die solche Posts in die Welt fallen lassen, dass Angriff die beste Verteidigung ist?
    Lieber offen und allen erklären, man liebe seinen Körper – ein Statement getarnt als Angriff, der eigentlich ein Verteidigungswall ist, hinter dem eine weinende Mamaseele die Reste von Makeup, Hotpants und bauchfreien Tops zusammenkehrt?

    Wie auch immer – ich danke dir für deine Offenheit!
    Ich habe nach vier Schwangerschaften auch so eine Figurverschiebung durchgemacht, bin allerdings selbst noch immer glücklich mit meinem Körper. Mir hilft Yoga sehr viel – auch nach der Rückbildung und zum Muskelaufbau. Es dauert ja nach jeder Schwangerschaft eine Weile, aber ein bisschen kann man sich zurückerobern.

    Alles Gute weiterhin und lieber Gruß,
    Sonja

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