Ein verspäteter Geburtsbericht. Wie aus einem Blasensprung eine ziemlich rasante Geburt für eine Erstgebärende wurde.
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Neun Jahre Mama – ein verspäteter Geburtsbericht

Heute feiert die Große ihren neunten – ich meine wirklich: N E U N T E N – Geburtstag. Wo ist denn bitte die Zeit hin? Kaum zu glauben, dass es schon so lange her sein soll, dass ich dieses wundervolle Wesen aus meinem Körper gepresst habe. Und bevor die Erinnerungen noch schwammiger werden, möchte ich meinen Geburtsbericht hier teilen. Einfach, weil ich finde, dass es etwas unheimlich kraftvolles hat. Dass Wunder nach 9 Monaten ganz schnell greifbar werden und man Gefühle bekommt, die man zuvor nur erahnen konnte.

Ich war jung, ich war naiv und ich glaubte an die Geschichten der Hebamme.

Im Geburtsvorbereitungskurs hieß es, man bekäme Wehen, könne dann noch gemütlich duschen, die Kliniktasche ins Auto packen und wenn die Wehen stärker würden, könne man sich auf den Weg machen.

Meine Geburt begann mit einem Blasensprung auf dem Klo. Knapp 2 Wochen zu früh. Es knackste um etwa 22 Uhr abends ziemlich unangenehm und ich hörte nicht mehr auf, auszulaufen. Erst machte ich mir Gedanken, ich sei inkontinent. Dann stieg mir der, so oft erwähnte, süßliche Geruch in die Nase. Fruchtwasser! Also klemmte ich mir ein Handtuch zwischen die Beine und watschelte ins Schlafzimmer, in dem der frisch angetraute Herzmann sich am PC austobte.

Schatz, ich glaub, ich hab nen Blasensprung. Es geht los!

Seine Reaktion: „Nee oder? Ich bin gerade in ner Instanz. Bist du dir sicher?“

Ich ließ das Handtuch los, er hörte und sah den Schwall und wurde leicht panisch. Nachdem er sich beruhigt und ich mich liegend auf dem Bett positioniert hatte – das Köpfchen war am Tag zuvor nämlich noch abschiebbar – rief der den Krankenwagen. Keine halbe Stunde später lag ich auf der Liege auf dem Weg ins Krankenhaus und hatte die ersten schmerzhaften Wehen.

Im Krankenhaus angekommen, wurde ich freundlich von meiner Hebamme empfangen. Heute war ich anscheinend die einzige, die neues Leben aus sich pressen durfte. Umgezogen in eines dieser sexy Krankenhaushemdchen – du kennst sie sicher – mit verführerisch offenem Rücken, watschelte ich durch meinen Kreißsaal und hechelte und fluchte. Ich meine, Schmerzen konnte ich ja eigentlich gut aushalten. Aber diese hier? Die waren aus der Hölle.

Gegen 1 Uhr nachts bat ich die Hebamme um eine PDA. Es ging nicht mehr, ich wimmerte nur noch und der Schmerz war einfach zuviel.

Empathie kann man nicht kaufen.

Da stand sie also, diese spindeldürre Anästhesistin mit ihrem Assistenzen und kräuselte die Nase bei meinem Anblick.

Das ist aber schon schwach, dass sie nach 3 läppischen Stunden schon ne PDA wollen.

Mir blieb wirklich die Sprache weg. Hatte sie das wirklich gesagt? Ja, hatte sie. Denn mein Mann antwortete schmallippig, dass Schmerzanalyse wohl außerhalb ihres Kompetenzbereiches liege. Also saß ich nach vorn gekrümmt da, wartete auf die Nadel und die Anästhesistin schoss den nächsten Bock ab.

Tut mir leid, ich treffe nicht. Sie sind zu fett!

Ich war 22, ich war leicht übergewichtig und ich war mitten in den Wehen. Und ich bekam Ausschlag. Wortwörtlich. Komischerweise saß die PDA 2 Minuten später ohne Probleme und mir ging es ziemlich schnell auch mental wieder besser. Leider galt das nicht für die Bauchmaus. Denn mit jeder Wehe, die ich nun im Liegen veratmete, sackten ihre Herztöne ab.

Langsam wurde ich panisch. Die Hebamme murmelte etwas von eventuell Notkaiserschnitt und rief den Belegarzt an. Doch dann musste ich schon pressen. Ich stemmte mich also auf der einen Seite in die Hüfte meines Mannes und auf der anderen Seite in die der Hebamme. Und wieder sackten die Herztöne ab. Mit jeder Presswehe mehr. Der Arzt? Der war unauffindbar, aber seit etwa 30 Minuten auf dem Weg.

Wollen Sie mal fühlen?

Irgendwann, ich war nur noch mit Wimmern und zwischendrin „die nächste kommt“-Flüstern beschäftigt, grinste die Hebamme und meinte, die Haare sind schon da, ob ich mal fühlen möchte. Manchen Frauen würde das helfen. In dem Augenblick war ich einfach nur fassungslos und erwiderte, es würde mir helfen, wenn sie endlich ganz draußen wäre, es zerreißt mich innerlich.

Kaum hatte ich das ausgesprochen, konnte sie mein Baby auch schon mit der nächsten Wehe herausdrehen. Die Maus war da. um 3:40 Uhr mit 46 cm Länge und 2760 g. Ein kompletter Mensch. Mit so winzigen Fingern, so kleinen Nägeln und total zerknautscht. Mein Baby. Unser Baby.

Warum die Herztöne während der Geburt so unterirdisch waren? Sie hatte wohl Seilspringen mit der Nabelschnur geübt und sich so darin verheddert, dass sie sich um den Hals zuzog, sobald eine Wehe kam.

Nachdem die Nabelschnur durchtrennt war, kam ein Mann in enganliegender Radlerkluft in den Kreißsaal gestürmt. Der Arzt, der zur Entbindung gerufen worden war. Er hatte sich gedacht, eine Erstgebärende ließe sich Zeit und kam deswegen gemütlich mit dem Rennrad.

Neun Jahre später.

Neun Jahre später sitze ich da, schaue mir ihre Babybilder an und mir laufen noch immer Freudentränen über meine Wangen, wenn ich an dieses – mein erstes – Wunder zurück denke. Die Anfangszeit war schwierig und langsam beginnen wir Eltern schwierig zu werden. Aber ich möchte keinen Tag, keine Sekunde mit ihr missen.

Mein Mädchen, meine Große, mein Herz!
Mein verspäteter Geburtsbericht zum neunten Geburtstag meiner großen Tochter.
Quelle: Pixabay

PS: Beim zweiten Kind beeilte sich der Arzt, weil er wusste, ich bin schnell. Der Porsche hat allerdings nicht gereicht.

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