Vereinbarkeit von Arbeit und Familie? Hier kaum möglich. Warum ich dankbar bin, Hausfrau zu sein.
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Vereinbarkeit? Fehlanzeige! – Warum ich dankbar bin, Hausfrau sein zu können

In letzter Zeit mache ich mir immer wieder Gedanken um Vereinbarkeit zwischen dem Dasein als Eltern und Beruf. Kann man 100 % im Job und daheim leisten? Wie soll das funktionieren, ohne großartiges Fangnetz im Hintergrund? Und im Endeffekt kam ich immer und immer wieder zum gleichen Schluss: Vereinbarkeit von Arbeit und Familie funktioniert in unserem Fall nur, wenn einem jemand den Rücken frei hält und dafür zurück steckt.

Die letzten zwei Wochen waren gelinde gesagt einfach nur kacke. (Hat sie eben ein schlimmes Wort geschrieben? Ja, hat sie!) Erst hat die Prinzessin gefiebert und lag flach, dann schloss sich kurzzeitig die Große an und mittlerweile fiebern zwei kleine Jungs. Dass ich dank ziemlich schwachem Immunsystem da auch ständig kurz vorm Durchdrehen bin, lassen wir mal unter den Tisch fallen. Tatsache ist aber, dass ich bei einem regulären Job mit festen Antrittszeiten ziemlich ins Schleudern geraten wäre. Welcher Chef freut sich denn, wenn die Angestellte von 10 Arbeitstagen 9 fehlt?

Und dann habe ich mich an den tollen Text von Kerstin vom Blog Tagaustagein erinnert, in dem ich mich so sehr wiedergefunden habe.

Und auch sonst stehen ständig außertourliche Dinge an

Da sind zum einen, wie ich hier schon einmal berichtet hatte, Hobbies der Kinder, Arzttermine und auch Termine in der Schule. Und dann sind da die Termine des Herzmanns, die er zusätzlich zu seinem eigentlich angenehmen 39h-Job hat. Ach so, dass ich selbst irgendwo ständig abrufbereit sein und bei diversen Ärzten vorstellig sein soll – auch außerhalb der Schwangerschaft – kommt dann eben auch noch dazu.

Kurzum: Ich könnte mir einen 450€ Job aus den Rippen leiern, dafür würde dann aber die rar gesäte Familienzeit auch noch drauf gehen. Und wer passt dann auf die Kinder auf, wenn der Herzmann zur gleichen Zeit einen Termin wahrnehmen muss? Wer holt die Kinder krank aus der Schule oder dem Kindergarten, wenn der Anruf kommt? Denn das passiert mindestens 1x die Woche.

Heute ist auch wieder so ein Tag, an dem Vereinbarkeit für den Hintern ist

Ein Kind liegt mit Fieber auf dem Sofa, ein Kind hustet ständig das Ergebnis der letzten Mahlzeiten aus, ein Kind hat Druck auf den Ohren durch die Nase, die nicht frei wird und eines fragt im Minutentakt, wenn es endlich die Freundin anrufen kann. Dazu haben wir hier Faschingsferien und der Mann einen wichtigen Termin, den er nicht absagen kann, auch wenn er mich liebend gern daheim unterstützen würde.

Ich stehe also hier, mitten im Chaos, und verteile Taschentücher, reiche Kühlis und Zwiebelsäckchen und veratme dabei die Symphysenschmerzen. Zum Mutterschutz würden noch ein paar Wochen fehlen. Wäre ich fest angestellt, hätte ich heute wieder eine Krankschreibung zücken und schlechten Gewissens daheim bleiben müssen.

Aber ist dir nicht langweilig? So als nur Hausfrau?

Diesen Satz höre ich wirklich oft und bis vor einiger Zeit dachte ich auch, es würde mir langweilig oder die Decke auf den Kopf fallen. Tatsache ist aber, dass es immer etwas zu tun gibt. Ob das die zwei Körbe Wäsche sind, die mich täglich in den Wahnsinn treiben oder meine täglichen Taxidienste für die Kinder. Und wenn ich mich kreativ ausleben oder mitteilen will, gibt es eben auch diesen wundervollen Blog hier, den ich regelmäßig füttere.

Es macht mir Freude, mich auch vormittags, wenn die Kinder dann doch mal alle fit sind, mit Freunden zu treffen, mit ausgewählten Menschen zu telefonieren oder auch einfach mal in einem Buch zu versinken, ohne im Minutentakt unterbrochen zu werden. Ich liebe es, den Kindern täglich eine ausgewogene Pause und ein leckeres Mittagessen zu zaubern. Und ich finde es toll, wenn auch ziemlich nervenzehrend, meinen Kindern die Hausaufgaben selbst erklären und ihnen beim Wachsen zusehen zu können.

Vereinbarkeit von Arbeit und Familie? Hier kaum möglich. Warum ich dankbar bin, Hausfrau zu sein.

Wie ich dazu kam, einfach nur Hausfrau zu sein

Nach der Geburt meiner ersten beiden Kinder und dem Abstand von 17 Monaten kam ich einfach nicht mehr in mein Lehramtsstudium rein. Gleichzeitig kletterte der Herzmann die Karriereleiter – insoweit man das im pädagogischen Bereich so nennen kann – nach oben und der Druck schwand, das Studium schnell zu Ende zu bringen. Ich war zunehmend gestresster durch den Spagat zwischen „Ich muss Leistung bringen“ und „Wie und wo bringe ich meine Kinder unter“ . Nach langen Gesprächen mit dem Mann entschied ich mich, das Studium auf Eis zu legen.

Nachdem unsere Familie relativ schnell wuchs, versuchte ich mich kurze Zeit nach der Geburt des Frosches nochmal an einem Studium. Diesmal Bildungswissenschaft. Doch ich arbeitete mich daran auf und nach vier Semestern fiel die Entscheidung, weil ich durch gesundheitliche Probleme keine der Prüfungen antreten konnte, dass ich das Studium abermals knicke.

Anfangs ging es mir richtig schlecht damit. Schließlich hatte ich 2x komplett versagt. So zumindest fühlte sich es an. Doch, um ehrlich zu sein, war das ein Befreiungsschlag. Ich musste mich jetzt nicht mehr zwischen Kindern, Haushalt und Ausbildung zerreißen.

Vereinbarkeit ist ein Privileg – Hausfrau sein aber auch

Egal, wie man es macht, es gibt immer kritische Stimmen. Ich finde es zum Beispiel unheimlich bewundernswert, wenn man es schafft, die passende Betreuung für seine Kinder zu finden, gut gelaunt 100 % beim Job abzuliefern und im Anschluss die Kinder wieder einzusammeln, um die Restzeit qualitativ toll zu gestalten. Und es ist mir auch bewusst, dass viele Eltern es nicht anders können und (finanziell) darauf angewiesen sind.

Gleichzeitig weiß ich, wie privilegiert ich bin, dass ein Gehalt ausreicht, dass meine Arbeit hier zuhause geschätzt wird, dass ich für meine Kinder immer abrufbereit sein kann. Auch, wenn ich erst die Lehrkraft meines Kindes darüber aufklären musste, dass das daheim sehr wohl auch als Arbeit angesehen werden kann und ich nicht nur herumsitze. Ich fühle mich nicht minderwertig, nur weil ich kein fixes und großes Einkommen beisteuere, das uns zum Lebensunterhalt hilft. Denn wir haben hier keine nennenswerte Fremdbetreuung. Noch dazu leben wir mitten in der Pampa und sämtliche (Freizeit-) Aktivitäten müssen mit dem Auto erledigt werden.

Es gibt nicht den einen richtigen Weg

Was sich für mich, für uns, komplett richtig anfühlt, mag bei anderen gar nicht klappen. Hier gibt es keinen Maßstab, was für alle toll und gut ist. Für mich hat sich nie großartig die Frage gestellt, ob ich meine Position auf Augenhöhe mit dem Mann verliere, weil meine Aufgabe der klassischen Rollenverteilung entspricht. Wir hatten das gemeinsam beschlossen – und zum Glück klappt das auch finanziell, auch wenn es ab und an wirklich knapp ist. Wir haben aber auch von Anfang an nie von seinem oder meinem, sondern von unserem Geld, gesprochen. Von daher gab es da nie großartige Diskussionen oder dergleichen. Wir waren uns einig und es funktioniert für uns wunderbar.

Aber ich weiß auch, bei der Betreuungssituation und ohne ganzes Dorf im Hintergrund wäre ein anderes Lebensmodell kaum möglich.

Wie sieht dein Lebensmodell aus? Wofür hast du dich entschieden?
Herzlichst, die Julie

Vereinbarkeit von Arbeit und Familie? Hier kaum möglich. Warum ich dankbar bin, Hausfrau zu sein.

 

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10 Comments

  1. Bini says:

    Hallo Julie,
    Ich bin verheiratet, habe einen 2-jährigem Sohn und ein großes eigenes Haus mit großem Garten. Seit ein paar Monaten arbeite ich 15 Stunden die Woche, verteilt auf 2 ganze Tage. In der Zeit ist mein Sohn bei meinen Eltern. Das funktioniert super. Nur mit dem Haus und Garten komm ich nicht ganz hinterher, das nötigste wie Wäsche usw. klappt gut, aber sowas wie Fenster putzen oder Schränke auswaschen bleibt im Moment echt liegen.
    Aber damit muss ich leben, denn die 2 Tage tun mir echt gut und so verliere ich nicht den Anschluss im Job.

    Darf ich dich fragen wie dann deine Pläne für später sind? Wenn die Kinder älter sind? So wie ich es verstanden habe, hast du keine abgeschlossene Ausbildung, oder? Das soll kein Angriff sein, mich würde es nur ehrlich interessieren.

    Viele liebe Grüße
    Bini

  2. Hallo Bibi,
    wie du aus dem Beitrag lesen konntest, sind deine Voraussetzungen ganz andere als meine. Mit einem Kind und familiärer Betreuung auf Abruf ist es um Welten leichter, einen Job umzusetzen.
    Ich habe eine abgeschlossene Ausbildung als Ernährungsberaterin und nutze das hier im Blog auch, um gesunde Rezepte zu teilen. 😉
    Wie ich mir das später vorstelle? Das werden wir sehen. Denn da bin ich realistisch und einfach sehr Familienmensch. Wenn das älteste Kind volljährig ist, hüpfen hier hoffentlich schon die ersten Enkel durchs Haus und ich halte meinen ältesten Kindern, so wie deine Eltern, den Rücken frei. Und nebenbei verdiene ich hierüber. Du hast fixe Stunden und ich bin eben hier daheim morgens gegen 4 Uhr am Werk oder auch, wenn alle Kinder außer Haus sind. 🙂

    Viele Grüße

  3. Bini says:

    Hallo Julie,
    klar hab ich ganz andere Voraussetzungen, aber du hattest ja auch danach gefragt für welches Lebensmodell wir uns entschieden haben, darum habe ich es berichtet?!
    Ach du bist Ernährungsberaterin, das ist ja toll. Sorry ich hatte es nicht gewusst bisher. Aber dann hast du ja eine gute Grundlage, die meiner Meinung nach eine immer größere Rolle spielen wird.
    Schöne Woche euch.
    Vg BINI

    1. Das sollte auch gar nicht als Kritik rüber kommen. 🙂 Entschuldige, wenn es das tat.
      Im Endeffekt ist es wirklich toll, dass du jemanden im Hintergrund hast, der euch stärkt und den Rücken frei hält. Es wäre schön, wenn es das öfter geben würde.
      Liebe Grüße

  4. Jenni says:

    Liebe Julie,
    danke für diesen Artikel, der einen guten Einblick gibt. Ich kann mir gut vorstellen, dass du genug ausgelastet bist und dir bestimmt nicht langweilig wird, wenn die Kinder vormittags außer Haus sind.
    Bei mir ist es ganz anders, deswegen lese ich gerne deinen Blog, weil ich es spannend finde, zu lesen, wie es bei euch als Familie mit vier Kindern läuft.
    Wir haben nur ein Kind (2,5 Jahre alt) und ich arbeite 27 Stunden in der Woche. Also schon recht viel. Seit der Kleine ein Jahr alt ist, wird er von einer Tagesmutter betreut. Da wir keine Familie in der Nähe haben, ist es nicht einfach für mich, wenn mein Kind krank ist. Bisher hat es aber ganz gut geklappt und zum Glück ist er – noch nicht – so oft krank. Ein schlechtes Gewissen habe ich immer mal wieder. Einerseits, wenn ich wegen krankem Kind bei der Arbeit fehle. Andrerseits, weil ich mein kleines Kind „fremd“ betreuen lasse.

    1. Eine Tagesmutter ist eine wirklich tolle Option, Kinder zu betreuen. Selbst das fiel hier aber leider flach, als wir gezielt danach gesucht hatten, weil ich damals gern etwas für mich getan hätte. Solange du ein gutes Gefühl bei deiner Tagesmutter hast und dein Kind die oberste Priorität hat, brauchst du dir bestimmt kein schlechtes Gewissen machen lassen, denn du leistest einen tollen Job, glaub mir! 🙂

  5. Clara says:

    Ich kann deine Einstellung zu 100% nachvollziehen. Wir haben 3 Kinder im Alter von 10, 8 und 5. Mein Mann hat theoretisch eine 41 Stunden Woche, aufgrund von Abgabeterminen oder Meetings arbeitet er jedoch mehr. Zudem verlässt er morgens schon das Haus, bevor wir aufstehen, um den Stau zu umgehen. Ich bin also von früh morgens bis mindestens nachmittags alleine für die Kinder zuständig. Fahrten zwischen Schule und Kindergarten, Hausaufgaben, Hobbies, Arzttermine, Verabredungen…. Langweilig wird mir nicht. Dabei vermisse ich es zu arbeiten. Aber es ist nicht realistisch. Ich möchte für meine Kinder da sein und sie nicht erst um 16.00 oder 16.30 aus Schule und Kindergarten abholen. Ich möchte mich nicht ständig krank melden müssen, weil die Kinder krank sind und dabei ein schlechtes Gewissen haben. Und ich wüsste nicht, wie wir die 12 Wochen Schulferien im Jahr überbrücken sollten. Ich möchte meine Kinder nicht wegorganisieren, ich möchte für sie da sein, solange ich es noch darf. Noch ein paar Jahre, dann werden die Kinder unabhängiger sein. Und dann freue ich mich darauf, wieder mehr an mich zu denken und hoffentlich auch in den Beruf wieder einsteigen zu können.

    1. Die Ferien sind wirklich ein sehr wichtiger Punkt. Diese Wochen sind auch mit 2 Jobs und normalen Urlaubstagen kaum zu überbrücken. Ich ziehe meinen Hut vor dir und deinen Aufgaben, denn das sind nicht wenige. 🙂

  6. Ich bin verheiratet, habe zwei Kinder (die sind zwar mittlerweile groß -in der Pubertät, die eine fast draußen). Ich habe mich nach der Elternzeit des ersten Kindes (3 Jahre) entschieden, 15 Stunden zu arbeiten. Gerade als die Beiden noch kleiner waren, bin ich auch mit nur 15 Stunden (wie ich oft höre) an meine Grenzen gestossen (mein Mann ist beruflich zu dieser Zeit und auch heute teilweise noch auf Dienstreise gewesen und wir haben keine Omas, Tanten, Nachbarn , die kurzfristige hätten einspringen können). Gott sei Dank habe ich eine nette Arbeitskollegin, so dass die 15 Stunden sich auch heute noch als super erweisen. Ich kann diese Woche nicht kommen, da XX krank ist, dafür arbeite ich dann da , wo meine Kollegin dann nicht da ist. In schlimmen Zeiten habe ich mir das auch so eingeteilt, dass ich früh gearbeitet habe und mein Mann dann Telefonkonferenzen von zu Hause aus geführt hat (mit krankem Kind auf dem Schoß). Wie oft bin ich dann auch mit rauchenden Reifen aus der Arbeit weg, weil Kind 1 krank ist etc.
    Ich kann Dich sehr gut verstehen, dass Du Hausfrau bist und bleibst.
    Dir wird es bestimmt nie langweilig und jeder, der weiß wie es ist eine Familie zu managen, zieht den Hut.

    1. Solche Kollegen sind wirklich wertvoll. Und ein wenig beneide ich dich sogar um diesen Glücksgriff. Für das, was ihr beide, du und dein Mann, leistet, habt ihr meinen größten Respekt!

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