Eine Klasse überspringen? Wir haben es getan und zum Halbjahr von der ersten in die zweite Klasse gewechselt. Hier findest du einen Erfahrungsbericht auf Puddingklecks, dem Mamablog
Family, Schulkind

Eine Klasse überspringen? Wir haben es getan!

Mama, ich hab heute nen Test rausbekommen. Rate mal! Null Fehler! Das war so pipifax… Ich mag schwerere Aufgaben! Oder eine Klasse überspringen und in die zweite gehen!

Eine Szene, die wir ziemlich oft und ziemlich wiederholend hatten. Wenn da so ein kleiner Kerl in der ersten Klasse die Schulbank drückt und sich zu Tode langweilt, ist das verdammt doof. Für ihn, für die Lehrkraft, die das auffangen muss und für Eltern, die den kleinen Kerl motivieren sollen, die „Boah Mama …. BABYAUFGABEN“ zur Hausaufgabe zu erledigen.

Kurzum: Dem Zwerg war es richtig öde in der ersten Klasse. Rechnen im 10er Bereich? Ach bitte … Wer bietet mehr? Ms und As und Ds üben? Konnte er schon. Aber klar, wenn man große Schwestern hat, die gern Schule spielen und man selbst wissbegierig ist, dann kann man eben schon einiges, was andere in der ersten Klasse noch erlernen müssen.

Und wir dachten, wir täten ihm etwas Gutes, dass er noch ein Jahr länger im Kindergarten bleiben durfte, obwohl er als Dezemberkind ein Kann-Kind war. Den Kindergarten fand er aber nach seinem 6. Geburtstag ebenso doof wie das Warten auf die Schule. Er war mehr als bereit, sich Wissen anzueignen und zu lernen.

Tja nun. Doof, dass es noch immer kein Semestermodell für Schulanfänger in Bayern gibt. Das prangere ich wirklich an. Denn genau das hätte ihm das Hickhack erspart, das wir die letzten Monate hatten. Februar wäre der perfekte Start gewesen für den Zwerg. Nicht ein halbes Jahr später im September. Da konnte er nämlich schon nahezu alles, was man in der ersten Klasse macht. Die Zeit bis zum Schulstart sollte ja auch irgendwie überbrückt werden und ich bin kein Fan davon, Wissensdurst einzudämmen.

Das Ende vom Lied: Ein kleiner Zwerg zwischen Riesen – einmal die erste Klasse überspringen bitte

Zuerst dachten wir, es würde reichen, dass er von seiner Lehrkraft – die ich nebenbei wirklich wahnsinnig toll und engagiert finde – Zusatzaufgaben für die zweite Klasse bekommt. Fand er zwar nett für zwischendurch, aber in der Schule bestand weiterhin das Problem, dass er sich langweilte. So sehr, dass er sich darüber immer öfter bei uns ausließ.

Sein Ventil war übrigens stundenlanges Klavierüben. Und nein, ich übertreibe nicht. Stun-den-lang! Täglich! Zum Teil überredete er dann sogar seine Schwester, ihre Unterrichtsstunden an ihn abzutreten, damit er schnell ein paar neue Stücke lernen kann. Es war einfach nur anstrengend.

Zwischendrin standen wir auch mit der Lehrkraft – nebenbei bemerkt: eine wundervolle Person, die sich wahnsinnig viel Mühe gibt und Gedanken macht – in Kontakt, die uns anriet, das mal checken zu lassen, wenn wir wirklich die erste Klasse überspringen wollen würden. Sie machte sich außerdem Sorgen, dass der Zwerg sozial benachteiligt würde, würde er die Klassenstufe schneller nach oben wandern.

Allerdings – und das lässt sich kaum von der Hand weisen – spielt dieser kleine wissbegierige Junge eh nur mit älteren Kindern. Seine Party im Dezember bestand fast ausschließlich aus Zweitklässlern. Da wäre es doch schon fast doof gewesen, die Freunde auseinander zu reißen, wenn die in die dritte Klasse und damit ins andere Schulgebäude wechseln.

Nach langem Hin und Her lag dann der Antrag vor uns

„Bin ich jetzt endlich Zweitklässler?“ Und so rutschte er, nachdem der Antrag durch war, sang und klanglos in die höhere Klassenstufe. Und fand es dann auf einmal total doof. So richtig. Aber warum?

Andere Kinder, wie seine Schwestern auch, schließen die erste Klasse mit einem Zeugnis ab, haben die Sommerferien, um sich auf die zweite Klasse einzustellen und einen richtigen Abschluss des ersten Jahres. Der Zwerg war dann halt am Freitag noch ein Kleiner und am Montag schon ein Großer. Blöd, kein richtiges Ende und keinen richtigen Neuanfang zu haben.

Also beschlossen wir, wir feiern sein schnelles Vorrücken mit seinem besten Freund (auch einer von den Großen) bei Kaffee und Kuchen und einem anschließenden Besuch beim goldenen M. Seitdem gibt er uns auch das Gefühl, er ist mehr angekommen. Die Entscheidung, mit der er haderte, ist doch okay.

Vorteile und Nachteile von Kombiklassen, wenn man eine Klasse überspringen möchte

Wie schon eben erwähnt, ist ein großer Nachteil, dass er eben keinen sauberen Cut hatte, der Zwerg. Er geht noch immer mit allen anderen in eine Klasse und manchmal vergisst er in seiner Träumerei, dass er nun eben nicht mehr zu den Kleinen gehört.

Ein toller Vorteil an diesen Kombiklassen ist allerdings: Sollte er wider Erwartung die zweite Klasse doch nicht meistern, dann bleibt er eben in seinem gewohnten Klassengefüge. Klar wechseln die Zweitklässler in den Sommerferien ins neue Schulhaus und neue Erstklässler kommen dazu. Aber die Truppe, mit der er eingeschult wird, die bleibt bestehen ohne großartige Umstellung.

Auch dass er trotz Überspringen einer Klasse noch immer seine Lehrperson an seiner Seite hat, ist unheimlich toll. Sie weiß nämlich genau, wie sie ihn handhaben muss und kann sich bei unserem willensstarken Kind sehr gut durchsetzen. Blöd wäre es natürlich, wenn die beiden nicht miteinander könnten, was hier aber zum Glück absolut nicht der Fall ist.

Wie geht es dem Zwerg mittlerweile mit dem Wechsel von der 1. in die 2. Klasse?

Manchmal, ja manchmal findet er es noch total doof, dass er sich nun bei einigen Aufgaben anstrengend muss. Klar, kannte er vorher ja nicht. Bis heute ist er nur widerwillig bei der Sache, wenn er den Stoff des ersten Halbjahres nachholen soll. Schreibschrift zum Beispiel, auch wenn sie sowieso von kaum einem ab der 3. Klasse genutzt wird. Aber es steht eben im Lehrplan. Ich kann ihn da schon verstehen. Allerdings weiß ich auch, dass er sich weiter in der 1. Klasse unheimlich gelangweilt hätte. Und ich kann mir gut vorstellen, dass er den Absprung zwischen „Ach, das kann ich mit links“ und „Ups, hier muss ich anfangen zu lernen“ verpasst hätte.

Ansonsten geht er wieder richtig gern zur Schule. Weil er jetzt voll zu seinen Freunden gehört und nicht mehr der Kleine ist, der bei den Großen mitspielen will. Na gut, körperlich wird er wohl immer zu den Zwergen gehören. Das ist dann aber ne andere Geschichte. 😀 Er genießt es, dass er jetzt mit seinem besten Freund in einem Jahrgang ist. Dass er seinen Schwestern so „nah auf den Pelz gerückt“ ist.

Momentan scherzt der Zwerg sogar, dass er eben als nächstes die dritte Klasse überspringt und dann mit der Prinzessin auf die weiterführende Schule wechselt. Ja, er hat gerade einen Höhenflug – den ich ihm aber von Herzen gönne.

Das stundenlange Üben am Klavier hat übrigens auch ein wenig nachgelassen. Zwar spielt er noch immer täglich mehrmals alle Stücke durch, die er von Anfang an gelernt hat, aber es gibt zwischendrin tatsächlich Verschnaufpausen. Zwischendrin reicht es ihm wirklich, seinen Kopf abzuschalten bei einer Serie oder er spielt mit Freunden. Mit Kindern, die auf seinem Level sind. Sowohl vom Humor als auch vom nerdigen Verhalten.

Jetzt, während der „Coronaferien“ rockt er die Aufgaben der zweiten Klasse wie vor wenigen Wochen noch die der ersten Klasse. Auch mit ein bisschen Abstand kann ich sagen, die Entscheidung war richtig. Absolut!

Herzlichst, die Julie

 

Mehr über die Schule und das drumherum im Hause Puddingklecks findest du >>hier<<. Schau dich gern um.

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Eine Klasse überspringen? Wir haben es getan und zum Halbjahr von der ersten in die zweite Klasse gewechselt. Hier findest du einen Erfahrungsbericht.

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2 Comments

  1. Bei uns war es ähnlich, wobei in der Kita schon früh angeregt wurde ihn mal testen zu lassen. Ich fand so eine Testung nur überflüssig. Was sollte sie uns sagen, was wir nicht eh schon wussten und uns war vor allem wichtig, dass auf seine Fähigkeiten gut eingegangen wird. Er sollte ja auch Kind sein dürfen und nicht irgendwo zwischen Genies rumlaufen.

    Kita hasste er. Es war zu unruhig, so chaotisch, die Kinder manchmal einfach zu wild. Mit vier Jahren konnte er lesen, mit 1 1/2 alle Farben erkennen und benennen und bis 10 zählen, mit 4 dann auch weit über 100 hinaus und schon Rechenaufgaben lösen.

    Noch vor der Einschulung gingen wir auf eine der vier Lehrerin der 1. Klasse zu und fragten sie, wie mit solchen Kindern umgegangen wird. Sie ließ ihn dann noch vor der Einschulung kommen um zu prüfen, was er wirklich kann oder ob wir nur von Liebe geblendete Eltern sind und musste schnell feststellen, dass wir zurecht nachfragten. Wir bekamen zur EInschulung eine andere Bücherliste, als die anderen Kinder. Nach einem Monat sagte sie, dass die erste Klasse keinen Sinn machen würde und ließ ihn schon die Aufgaben der 2. Klässler mitmachen (auch hier JÜL System, sprich 1. und 2. Klasse zusammen, so dass das kein Problem war). Die Schulkonferenz entschied dann zum Ende des Schuljahres, dass er mit den 2. Klässlern mitgehen würde in die 3. Klasse. Ergo, er übersprang die erste Klasse nach einem Monat.

    Ihm tat es wirklich gut. Vor allem, weil er in einem Verbund bleiben konnte, den er schon kannte. Das JÜL System war in dem Fall wirklich perfekt. Er hat sich auch schon immer den älteren eher zugehörig gefühlt. Sie waren nicht so „chaotisch“, wie die in seinem Alter und ich denke von der Reife her ist er da jetzt auch gut angekommen.

    Aber auch jetzt findet er Unterricht in den meisten Bereichen recht langweilig und man muss eigentlich nichts mit ihm üben (außer Geometrie und Kunst, das mag er nicht), so dass wir nun entscheiden mussten, welchen Schritt wir nun gehen.

    Mal so als Erfahrungsbericht von uns.
    Schön, dass der Sohn sich nach dem Überspringen bei euch auch gut fühlt.

    1. Danke für deinen ausführlichen Erfahrungsbericht! Da habt ihr aber auch einen flotten Start hingelegt. Ich wünsche euch, dass er sich nicht allzu sehr langweilt oder einen Ausgleich für sich findet.

      Viele liebe Grüße

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