Mein Kind ist kein Streichelzoo - Warum du nicht einfach fremde Kinder anfassen darfst.
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Meine Kinder sind kein Streichelzoo!

Ungefragt fremde Kinder anfassen? Geht gar nicht!

Manchmal gibt es Themen, die nicht an Wichtigkeit oder Zeitgeist verlieren, nur weil man sie immer und immer wieder präsentiert bekommt. Eines dieser Themen ist das Recht meiner Kinder am eigenen Körper. Das Selbstbestimmungsrecht. Und doch ist das scheinbar noch nicht bei allen angekommen. Immer wieder gibt es Übergriffe. Nicht nur bei mir, sondern auch bei anderen Eltern, wenn ich mir das so auf Social Media anschaue.

Ganz beliebt ist dabei der Kniff in die Bäckchen des Babys zusammen mit dem Ausruf „Mei, ist der goldig. Ist doch ein Bub, gell? Mei, so ein süßer Fratz!“ in einer Stimmlage, die einer ungeölten Kreissäge gleichkommt. Oder auch bei den größeren Kindern kommt das vor. Ich kann mich gut daran erinnern, dass meiner Großen damals noch öfter ungefragt durch die Haare gewuschelt wurde. Damals, ich war einfach noch jung und unsicher, fiel mir ehrlich nichts ein, außer entsetzt auf die Person zu starren und mein Kind wegzudrehen.

Heute, ja heute bin ich schlagfertiger. Mittlerweile reagiere ich auch wirklich resolut, wenn eine erwachsene Person einem meiner Kinder zu sehr auf die Pelle rückt. Denn meine Kinder sind kein Streichelzoo. Sie sind Menschen, wie du und ich, wenn auch noch klein. Und gerade deswegen muss ich als Mama sie schützen. Denn auch „kleine“ Übergriffe können unschöne Folgen haben.

Und seien wir mal ehrlich: Kein normal denkender erwachsener Mensch würde auf die Idee kommen, einem anderen fremden erwachsenen Menschen ins Gesicht zu fassen, ein Küsschen zu verlangen oder auf eine Umarmung bestehen. Nein, kein Erwachsener würde so übergriffig bei einem anderen Erwachsenen handeln.

Warum also sollte man dieses Verhalten dann bei unseren Kindern dulden? Wieso sollten unsere Kinder diese Übergriffigkeiten dann auch (gegen ihren Willen) mitmachen?

So ein kleines Baby kann schon süß sein. Und das schreibe ich nicht nur, weil hier gerade ein kleiner wundervoller Keks durch die Gegend krabbelt und die ersten Gehversuche unternimmt. Nein, Babys im Allgemeinen machen sich das Kindchenschema zunutze. Aber sie können sich eben auch nicht wehren, wenn es jemand „nur gut meint“ . Sie können nicht sagen „Halt, stopp! Das ist MEIN Gesicht, das ist MEIN Körper! Finger weg!“ . Das ist unser Job.

Grenzen von Kindern akzeptieren und wahren.

Du kannst nicht einfach fremde Kinder anfassen!

Gerade bei Babys schrillen mir immer die Alarmglocken, wenn jemand an ihnen zuppeln oder ihnen ins Gesicht fassen möchte.

Viele Krankheiten sind für Babys richtig übel. Und ich weiß nicht, ob du dir nun direkt vor deinem Angriff auf mein Kind die Hände gewaschen hast. Ich weiß nicht, ob du nicht vorher noch mit deinem Finger in der Nase unterwegs warst und von dort aus Erreger auf mein Kind übertragen wirst. Auch finde ich Hände, die nach Zigarettenrauch stinken, Dreck bis zum Anschlag unter den Nägeln haben oder aus denen Wundsekret tropft, wirklich eklig. Das hat nichts an einem Baby zu suchen, auch nicht an einem Kleinkind. An keinem anderen Menschen. (Und nein, ausgedacht ist das nicht, leider hab ich das alles schon erlebt.)

Aber auch Kleinkinder und Kindergartenkinder müssen diese Übergriffigkeit nicht dulden.

Gib der Tante mal nen Kuss!“ ist einer der Standardsätze, bei denen es mir seit meiner Kindheit kalt den Rücken runter läuft. Oder auch dieses „Du musst die Hand geben. Das macht man so!“ . Nö, macht man nicht! Klar ist es schön, wenn man einen freudigen Kinderkuss bekommt – aber nur, wenn er freiwillig geschieht. Aber mit Lippenstift aus dem Jahre 2003 übersät zu werden, womöglich noch gegen den eigenen Willen gedrückt und geknuddelt, das muss nicht sein, wenn das Kind nicht möchte. Das darf nicht sein.

Und auch ich gebe nur Menschen die Hand, die mir sympathisch sind und ich das möchte. Weshalb sollte mein Kind dann über seine persönliche Grenze gehen und jemanden körperlich so nahe an sich lassen, obwohl es sich dabei unwohl fühlt?

Kinder dürfen sich wehren, wenn Erwachsene ihnen zu nahe kommen.

Warum du fremde Kinder nicht ungefragt anfassen sollst

Kinder haben, wie übrigens jeder Mensch, eine persönliche räumliche Grenze, die nur von ihnen vertrauten Personen überschritten werden darf, sonst fühlen sie sich unwohl, bedrängt, genötigt. Sie selbst dürfen entscheiden, wer ihnen näher kommen darf und wer nicht. Manche Kinder sind durchsetzungsstark und tun das auch laut kund, andere trauen sich einfach nicht. Babys können dies noch gar nicht und sind darauf angewiesen, dass wir Eltern ihre Grenzen wahren.

Fasst du einem fremden Kind einfach an den Hintern, weil du es ihm nicht zutraust, dass es vom Spielturm wieder selbst herunter kommt (Wie hier in der Situation mit dem Frosch damals), ist das übergriffig, anmaßend und schlichtweg angsteinflößend für ein kleines Mäuschen. Kinder melden sich schon, wenn sie Hilfe brauchen und ihre persönlichen Grenzen kennen. Sie bejahen und verneinen aber auch klipp und klar, falls sie gefragt werden, ob sie Nähe oder Berührungen möchten.

Wenn du ein fremdes Kind fragst, ob du ihm die Hand reichen darfst, zum Beispiel am Klettergerüst, und das Kind klar ein „NEIN“ äußert, zeigst du ihm, dass du seine Grenze nicht wahrst, sein Bedürfnis nach Abstand nichts wert ist. Du zeigst diesem Kind, dass dein Wunsch gewichtiger ist als das Bedürfnis des Kindes. Dass sein „NEIN“ nichts bedeutet und Erwachsene ihn übergehen können. Es wird irgendwann resignieren. Und noch schlimmer: Es sucht den Grund für diese Übergriffigkeit bei sich!

Wir alle wissen, wie kacke es sich anfühlt, übergangen zu werden. Wenn jemand in den persönlichen Schutzraum eindringt und die Grenzen nicht wahrt.

Wenn du aber ein fremdes Kind fragst und sein „NEIN“ akzeptierst, lernt dieses Kind, dass seine Worte, seine Gefühle etwas zählen. Dass sie genauso gewichtig sind wie deine. Dieses Kind, das erfahren durfte, dass es mit all seinen Wünschen und Grenzen gut ist, wie es ist, dieses Kind wird auch leichter einem Erwachsenen den Kopf waschen, sollte er als Ausnahme genau diese nicht akzeptieren.

Dieses Kind, dessen Grenzen gewahrt werden, wächst zu einem gefestigten Mensch heran, das seine Meinung vertreten und seine Bedürfnisse verteidigen kann. Zu einem Mensch, der im Gegenzug weiß, wie wichtig es ist, andere nicht zu übergehen und auch von kleineren und schwächeren Menschen die Wünsche zu verteidigen.

Ich spreche hier übrigens nicht von Gefahrensituationen, wie dem Straßenverkehr, sondern Alltagssituationen in Straßenbahn und Bus, auf dem Spielplatz, bei Familienfeiern und dergleichen.

Kind beim Spielen Puddingklecks

Ich frage im Übrigen auch bei meinen eigenen Kindern

Klingt komisch? Ist aber die Tatsache. Ich frage meine Kinder, ob ich ihnen einen Kuss aufdrücken darf. Und ich frage sie auch, ob sie meine Hand möchten, wenn wir spazieren gehen. Sie dürfen dabei auch klipp und klar Nein sagen und es wird akzeptiert. Auch meine Mama hat das bei mir praktiziert und macht das nun auch bei ihren Enkeln. Ich finde das so unheimlich wichtig im respektvollen Umgang mit ihnen.

Meine Kinder akzeptieren dafür aber auch im Gegenzug, wenn ich sage, ich möchte gerade keinen Kuss. Und auch, wenn ich nach einer durchgestillten Nacht meinen Körper ohne Nähe erstmal für mich brauche.

Klar gibt es Situationen, da müssen sie an die Hand (In Berlin an der Kreuzung mit jeweils 2 Spuren in jede Richtung zum Beispiel. Meine Landküken sind da einfach zu unbedarft.), auch wenn sie es gerade nicht so toll finden. Aber sie verstehen warum. Es ist zu ihrem Schutz.

Aber willkürlich antatschen, weil es mir gerade in den Sinn kommt? Mache ich nicht. Weder bei meinen eigenen Kindern noch bei fremden.

Und so habe ich neulich auf dem Spielplatz von einer Dame, die meinem Baby ins Gesicht langen wollte, die Hand abgefangen und sagte „Das macht 2,50 € Vorkasse!“ . Dem entsetzten Blick nach zufolge hatte sie nicht mit dieser Reaktion gerechnet. Ertappt zog sie die Hand zurück, entschuldigte sich und ging.

Meine Kinder sind kein Streichelzoo und ihr Körper gehört ihnen!

Herzlichst, die Julie

 

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Ungefragt fremde Kinder anfassen - auch wenn man es gut meint - ist tabu. Das Recht am eigenen Körper haben auch Kinder. Julie vom Mamablog Puddingklecks spricht darüber

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4 Comments

  1. Wie wahr!
    Ich weiß noch, wie entsetzt unsere Freunde damals vor 13 Jahren waren, als ich sie bat, unserer Tochter nicht an die Füße zu gehen. Nur weil die Kleine in der Babyschale saß und man da grade gut ran kam. Unter Erwachsenen käme man nie auf die Idee, dem anderen zur Begrüßung die Füße zu betatschen.
    Ich habe gelernt, auf eine höfliche Art meine Kinder zu schützen, wenn sie beispielsweise jemandem nicht die Hand geben wollen. Aber ein „Guten Tag“ erwarte ich von ihnen, weil es einfach höflich ist. Da bin ich aber auch selbst Vorbild, wir haben einen Nachbarn, der mir immer zu nahe kam. Ich grüße ihn laut und freundlich, achte aber sonst auf räumliche Distanz.
    Wichtig ist, dass man selbst seine Grenzen kennt. Das hat was mit dem Individualraum zu tun. Meiner entspricht meinem ausgestrecken Arm, näher ran lasse ich nur Freunde, Familie und gute Bekannte.
    Ich leite eine Krabbelgruppe. Unsere Handpuppe Mick berührt die Kinder, je nachdem, wie sich das Kind verhält. Mal sanft am Handrücken, an der Wange oder sie kitzelt die Kinder. Es sind aber auch immer mal welche dabei, die signalisieren, dass sie das nicht möchten. Dann winkt Mick halt nur von Weitem. Ich selbst fasse die Kinder von mir aus nicht an. Wenn die Mama grad auf dem Klo ist oder so, biete ich mit Gesten und Worten Trost an. Das Kind darf annehmen oder ablehnen.
    Irgendwie hab ich mir darüber nie Gedanken gemacht. Das ist einfach selbstverständlich für mich. Ich bin auch noch nie auf die Idee gekommen, zu fragen, ob ich das Neugeborene mal halten darf. (Meine Freundin drückte mir ihren Sohn mal einfach so in die Hand mit „Halt mal“ Ich war so perplex, hab trotzdem zugefasst, sonst wäre der Kleine runter gefallen. Den Grund weiß ich nicht mehr, es gab aber einen.)
    Danke fürs Anstupsen, das Thema nehm ich mal mit in meine Krabbelgruppe. Ich bin gespannt, welche Erfahrungen die anderen Mamas so gemacht haben und wie sie damit umgehen.
    LG von TAC

    1. Hallo TAC,
      lieben Dank für deinen Kommentar! Ich finde es wahnsinnig toll, wie du das machst und auch die Grenzen aller Kinder wahrst. Es wäre schön, wenn sich das viele so zu Herzen nehmen wie du!
      Viele liebe Grüße

  2. Toller Artikel, den ich schon mehrmals wieder herausgesucht und geteilt habe 🙂

    1. Liebe Kristina, das ehrt mich sehr! Vielen lieben Dank.

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