Wann merkt man, dass die Familienplanung abgeschlossen ist? Wann ist der Kinderwunsch vorbei? Und wie sieht es mit Verhütung aus?
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Familienplanung abgeschlossen? Wann merkt man, dass man komplett ist?

Wir sind durch. Familienplanung abgeschlossen. Ja, wirklich! Wir fühlen uns jetzt nämlich komplett. So komplett, dass wir möglichen weiteren Kindern ein medizinisches Ende gesetzt haben. Aber wann merkt man, dass man komplett ist? Ich erzähle ein bisschen aus dem Nähkästchen.

Die Anfänge der Familiengründung

Als wir uns damals damit auseinander gesetzt haben, eine Familie zu gründen, waren wir uns ziemlich schnell einig, dass unser erstes Kind kein Einzelkind bleiben würde. Also ich wusste es sicher, mein Mann brauchte noch etwas Zeit, um sich mit dem Gedanken anzufreunden.

Das hatte einen ganz pragmatischen Grund. Für mich war der Gedanke, dass – sollte diesem einen Kind etwas zustoßen – ich alles verlieren würde, einfach zu viel. Dieser Gedanke, dass ich dann nicht weiter machen könnte, weil dieses eine Leben, dem ich meine gesamte Liebe schenken würde, weg wäre.

Klingt seltsam oder? Aber so hat jeder seine eigenen Gründe für die Kinderanzahl oder eben Kinderlosigkeit.

Dann kam unsere Tochter auf die Welt

Die Geburt war nervenaufreibend und schnell. Und unser Baby war alles andere als einfach. Wir durchwachten Nächte, weinten gemeinsam und ich weiß noch, wie oft ich verzweifelt war, weil dieses kleine Wesen sich nicht beruhigen konnte.

Unser Gedankengang war dann: So schnell wie möglich ein zweites Kind, denn dann haben wir es hinter uns; die Familienplanung abgeschlossen. Wider Erwarten – für die Große mussten wir einige Zeit üben – wurde ich schon 7 Monate nach der Geburt wieder schwanger und unser zweites Mädchen kam 17 Monate nach unserer Großen zur Welt. Die Geburt war kurz und schmerzhaft. Am Ende wurde ich notoperiert und sah beim Baby nach Stunden das erste Mal richtig. Ein Baby, das vom Wesen her so anders war. Leicht zu beruhigen, gut schlafend. Anders.

Nach den beiden Geburten hatte ich eigentlich abgeschlossen – dachte ich.

Dennoch flammte dieses Verlangen nach einem weiteren Kind immer mehr auf, je älter die Prinzessin wurde. Ich redete mit Manuel und hoffte, er würde sich auch darauf einlassen. In einem unbedachten Moment kämpfte sich unser drittes Kind durch und ich wurde schwanger, obwohl die Umstände alles andere als gut waren.

Wir hatten mit unserer Wohnung daneben gegriffen, der Vermieter, der unter uns wohnte, war ein aggressiver Choleriker und finanziell war es auch nicht rosig.

Doch dieses Kind wollte zu uns und ich durchlebte eine sorgvolle Schwangerschaft, in der ich viel liegen und einen Krankenhausaufenthalt überstehen musste. Die Geburt war ein Kaiserschnitt unter Vollnarkose. Die ersten Momente mit meinem Zwerg fehlen mir also komplett – bis heute.

Das Gefühl, versagt zu haben, weil man mir sagte, ich sei zu dick und für eine Spinalanästhesie sei deshalb keine Zeit, das hing mir nach. Das fehlende Geburtserlebnis hing mir nach.

Der Kinderwunsch blieb.

Ich fühlte mich nicht komplett. Wir fühlten uns nicht komplett. Es fehlte jemand. Kennst du den Spruch „3 sind einer zu viel“? In unserem Fall war es einer zu wenig. 2,5 Jahre nach dem Kaiserschnitt vom Zwerg brache ich unseren Frosch zur Welt. Eine Geburt, die man niemandem wünscht.

Danach berieten wir uns beide über endgültige Verhütungsmethoden, machten jedoch immer wieder einen Rückzieher.

Bis ich dann im Urlaub – der Frosch war da fast 3 Jahre alt – einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand hielt. Und das Kind verlor.

Dieses Erlebnis, diese Gefühlsachterbahn von Schock über Annahme bis hin zum Verlust und der Trauer, machte uns bewusst, dass in unserem Herzen noch ein Platz ist. Wie es also zum Keks gekommen ist, kannst du hier nachlesen.

Noch während der Schwangerschaft war mir klar, als „Nachzügler“ mit fast 4 Jahren Abstand zum nächstgrößeren Geschwisterkind bleibt er nicht allein.

Eine Traumageburt, die alles zum Wanken bringt

Da gehst du als „geübter“ Mensch in eine Klinik und wirst von der Chefärztin und den Kolleg*innen so gewaltvoll zu einer vaginalen Geburt gezwungen, dass du wochenlang nur weinen, mit Panikattacken aufwachen und die ganze Welt verfluchen kannst. Gewalt im Kreißsaal ist leider keine Seltenheit und ich musste sie beim 5. Kind in aller Wucht erleben.

Unser 5. Kind war dem ersten sehr ähnlich. Ich weiß nicht, wie viele Nächte ich durchgelaufen bin, damit es wenigstens etwas schläft. Und wie oft ich alle anderen Eltern dafür verfluchte, „einfachere“ Kinder zu haben.

Nach einigen Wochen schob ich diese Gedanken beiseite und erlaubte mir nicht, das Thema nochmal aufkochen zu lassen. Schließlich wollte ich noch ein Kind. Ein letztes. Für unser perfektes Glück.

Und ich wurde relativ schnell, nachdem ich mich bereit fühlte, wieder schwanger.

Unser drittes Mädchen kündigte sich an. 

Und schon während der Schwangerschaft wusste ich, das war es jetzt. Sie würde unser letztes Kind werden. Würde sich unser Baby nicht festkrallen, hätten wir ebenso abgeschlossen. Auch Manuel ging es so. Wir waren uns beide bis dahin nie sicher.

Dieses Gefühl, angekommen zu sein und abgeschlossen zu haben, das hatten wir beide wirklich erst bei unserem sechsten Kind.

Wir hatten aber auch großes Glück, uns so lange treiben zu lassen, bis wir an dem Punkt angekommen sind.

Wir mussten unsere Kinderplanung nie von finanziellen (Un-)Sicherheiten abhängig machen. Wir haben unser Leben immer so genommen, wie es kam und uns der Situation angepasst. Sowohl, was den finanziellen, als auch den räumlichen oder zeitlichen Rahmen angeht, haben wir uns davon nie beirren lassen.

Aber – und das darf man nicht vergessen – jeder Mensch hat andere Prioritäten. Mir war ein gemütliches Eigenheim in sicherer Umgebung für uns als Familie wichtig. Meine Selbstverwirklichung liegt seit etwa 10 Jahren komplett brach, denn das Betreuungsangebot ist mau. Auch brauche ich keine All-Inklusive-Flugreisen (auch wenn sie mich wirklich manchmal sehr reizen würden – allein so ein Kinderclub), sondern freue mich auf ein einsames Ferienhäuschen irgendwo am Meer oder Urlaub am Bauernhof mit Frühstück.

Wir stecken da schon ordentlich zurück. Weil wir es können und wollen.

Und wir hatten einfach Glück, uns so jung zu finden und dadurch früh eine Familie gründen zu können. Da spielt das Leben eben oft anders und ich weiß es sehr zu schätzen, wie reich wir beide, Manuel und ich, dadurch sind.

Das Thema hatte ich auch neulich auf Instagram.

Als ich auf Insta schrieb, dass mich mittlerweile Babybäuche und frisch geschlüpfte Babys nicht mehr mit Sehnsucht erfüllen, bekam ich ganz viel Rückmeldung, dass es vielen anders geht. Das bedrückt mich ehrlich sehr, weil ich weiß, wie arg der Kinderwunsch die Seele belasten kann.

Und auch ein unerfüllter Kinderwunsch, wenn schon Kinder vorhanden sind, tut weh und belastet.

Egal, ob es das Alter, die passende Partnerperson oder die äußeren Umstände sind. Wenn das nicht passt und man nicht damit abschließen konnte, ist es einfach ein mieses Gefühl. Da helfen auch keine rationalen Argumente, denn Emotionen sind nicht rational.

Ich wünsche jeder Person, die gerade in so einem Dilemma steckt, dass sie ihren Frieden damit machen und es irgendwann für sich annehmen kann.

Verhütung, wenn die Kinderplanung abgeschlossen ist?

Für uns stand fest, wir wollen endgültige Lösungen, die uns Sicherheit geben. Unsere Räumlichkeiten, unsere (nervlichen) Kapazitäten haben eben auch irgendwann ein Ende und wir wollten kein Risiko eingehen, dass sich vielleicht doch noch ein Wunder einschleicht.

Deshalb stand für uns beide fest, dass mit dem heranrückenden Kaiserschnitt des Babymädchens eine Sterilisation als eine der sichersten Verhütungsmethoden mit geplant wird. Weil keine medizinische Indikation vorlag, musste ich allerdings knapp 300€ selbst beisteuern. Für uns zum Glück machbar.

9 Monate postpartum

Und ich bereue nichts. Wir haben 6 weitestgehend intakte und gesunde Kinder, die wir von Herzen lieben. Ich merke, dass mir die Nächte jetzt mit Mitte 30 unheimlich zusetzen und fiebere dem Zeitpunkt entgegen, in dem ich mein Schlafzimmer wieder allein mit dem Mann habe.

Auch die Wehmut, dass das Baby gerade zum ersten Mal frei stand oder mit dem Wäschekorb durchs Wohnzimmer lief, stellt sich nicht ein. Ich freue mich einfach unheimlich, wie fit meine Kinder sind und begleite sie unfassbar gern auf ihrem Weg.

Familienplanung abgeschlossen? Merkt man das?

Ich für mich kann sagen: Ja, definitiv! Es fühlt sich jetzt richtig an. Ohne Zweifel.

Herzlichst, die Julie

 

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3 Kommentare

  • TAC

    Es ist schön, dass ihr so sicher seid, liebe Julie.
    Und du hast recht, für jede Familie ist es individuell, wie viele Kinder genug, genau richtig oder zu viel sind.
    Wir waren nach 2 Kindern eigentlich fertig. Aber dann kam bei mir doch noch der Wunsch nach einem dritten. Der Herr TAC wollte kein weiteres, vielleicht wenn die ersten beiden das gleiche Geschlecht gehabt hätten… Als wir uns auf Sohnemanns Schulanfang ausrichteten, freundete ich mich immer mehr mit dem Gedanlen an, dass es bei 2 bleiben würde. Und diese beiden forderten uns auch schon ordentlich.
    Zu Beginn der Sommerferien betete ich, dass der Herr entscheiden möge, ob es ein drittes Kind gibt und wann der richtige Zeitpunkt ist. Danach war für mich alles gut und das Thema durch.
    Tja, gegen Ende der Sommerferien ging es mir an einem Tag noch wunderbar, am nächste furchtbar. Im Grunde kannte ich sofort den Grund, unser drittes Wunder hatte sich auf den Weg gemacht.
    Der Herr TAC brauchte 3 Monate, um sich daran zu gewöhnen. Ich fühlte mich in dieser ersten Zeit mit Dauerübelkeit furchtbar alleine. Die Schwangerschaft war nicht ohne, die Massen an Übungswehen verriet ich lieber niemandem. Die Jüngste kam eine Woche nach Termin im Geburtshaus zur Welt und es war die beste und schnellste der Geburten (von ihr gibts auch einen Geburtsbericht auf meinem Blog, im Oktober 2017).
    Seit dem bin ich fertig. Die Jüngste wird in diesem Monat 5, ich bin fast Mitte 40. Das passt so. Und doch werde schon noch manchmal bischen neidisch, wenn ich Neugeborene sehe.
    Würde ich versehentlich nochmal schwanger werden, wäre mir auch dieses Kind herzlich willkommen.
    Ist ein langer Kommentar geworden 😉
    LG von TAC

    • Julie

      Manchmal spielt das Leben einfach anders als man plant. Und oft ist das vielleicht gar nicht so schlecht. Danke, dass du uns an deiner Geschichte teilhaben lässt. 🙂

  • Stefanie

    Liebe Julie,

    sechs Kinder will ich haben! So habe ich mit Mitte zwanzig geredet und so habe ich noch geredet, als meine erste Tochter gerade auf der Welt war, da war ich 36. Geworden sind es bislang drei, zwei Mädchen, ein Bübchen, und ich wage zu behaupten, wir sind fertig. In schwachen Momenten denke ich noch immer, wie schön wäre es, noch mehr Kinder in meinem Leben zu haben. Es ist einfach so wundervoll, ein Leben „aus dem Nichts“ zu erschaffen, diesen neuen Menschen willkommen zu heißen und ihn kennenzulernen – unter dieser Blickwinkel hätte ich am liebsten noch hundert Kinder, denn immer, wenn ein Kind richtig in der Familie angekommen ist, denkt man sich, wie könnte ich ohne es leben? Aber ich bin inzwischen 42, sodass sich das Thema ohnehin bald erledigt haben wird. Es ist in Ordnung, wie es ist. Ich merke auch, dass ich schon jetzt nicht so viel Zeit für jedes einzelne Kind habe, wie ich gerne hätte, nicht so intensiv auf jedes eingehen kann, wie ich es gerne würde, und das würde mit weiteren Kindern natürlich nicht besser.
    Ich finde es auf jeden Fall ganz toll, wie du eine achtköpfige Familie managst, und freue mich, dass es bei euch gepasst hat, zeitlich, kräftemäßig, finanziell.
    Von Herzen alles Liebe und Gute für dich und deine Familie.

    Stefanie

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