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Der erste Elternsprechtag am Gymnasium ist vorbei // Eindrücke, Gespräche und Gedanken nach dem Schulwechsel

Gestern hatten wir den ersten Elternsprechtag am Gymnasium. Also nein, so ganz stimmt das nicht. Als Schüler war ich ja selbst regelmäßig dort, klapperte mit meiner Mama Lehrkraft um Lehrkraft ab, erfragte Noten und Leistungen. Gestern, 13 Jahre, nachdem ich selbst die Schule verlassen habe, war ich also wieder da – nur diesmal als Mama. Ich habe also quasi die Seiten gewechselt und möchte deswegen einen Vergleich ziehen. Einen Vergleich zwischen dem Elternsprechtag am Gymnasium als Kind und nun als Mama. Denn ich finde, es hat sich verdammt viel getan in den wenigen Jahren, die ich dort nicht war.

Elternsprechtag als Kind der 90er

Eins vorweg. Mein Abitur habe ich 2006 gemacht. Ich war ab der Oberstufe eine mittelmäßige Schülerin, die nicht allzu viel Wert darauf gelegt hat, gute Noten abzustauben, weil mein Berufswunsch seit der Grundschule feststand. Damals wirkte das Gymnasium – zumindest in den ersten beiden Jahren – noch unheimlich angsteinflößend und riesig. Das ist aber auch kein Wunder, wenn man bedenkt, dass wir zeitweise über 2000 Schüler waren. Dementsprechend groß ist auch das Schulgebäude.

Für mich waren Lehrkräfte immer Respektspersonen. Eben Personen, vor denen man einen riesigen Respekt hat, mit denen man es sich nicht verscherzen möchte. Personen, die für meine Zukunft verantwortlich waren und es in der Hand hatten, was aus mir wird. Das ist nun erst einmal krass, wenn man sich das vor Augen führt. Einer meiner Lehrer damals sagte sogar in der 9. Klasse, dass er schon dafür sorgen würde, dass ich eine Ehrenrunde drehe. Später, zwei Jahre darauf, räumte er ein, dass das Mist war und stellte mir einen Nachhilfelehrer beiseite. Aber eine gewisse Willkür herrschte da schon. Und die Macht, die eine Lehrkraft hat, ist nicht zu unterschätzen.

Elternsprechtage damals liefen jedenfalls so ab, dass man an einem schulfreien Tag im gesamten Schulhaus die Lehrer zusammen suchte, die man hatte und auf Stühlen vor deren Klassenzimmern wartete. Man wartete ab, bis man mit den Eltern herein gerufen wurde. Und entweder wurde man auseinander genommen, gelobt oder man hatte das Glück, einen konstruktiven positiven Menschen gegenüber zu haben, der Lösungsansätze für eventuelle Probleme hatte. Ich hatte damals aber auch das Gefühl, dass die Eltern in bestimmte Kategorien eingeteilt wurden: Gebildet und ungebildet. Und wenn die Eltern eben kein Abitur, keine eigene Firma, sondern nur ein Angestelltenverhältnis oder einen Handwerksberuf hatten, wurden sie von vielen (nicht allen!) anders behandelt.

Der Elternsprechtag am Gymnasium heute

Alle Eltern versammelten sich in der Pausenhalle, die (Geschwister-)Kinder wurden von den Tutoren abgeholt und wir gingen gemeinsam ins Klassenzimmer, wo jeder einen freien Platz fand. Dort erzählte die Klassenleitung von ihrem Fach und ließ auch die Schulpsychologin und eine weitere Lehrkraft zu Wort kommen. Fragen wurden überlegt und zufriedenstellend beantwortet und der Ton war stets freundlich.

Im Endeffekt hat sich mein Eindruck, dass sich pädagogisch einiges getan hat, bestätigt. Die Lehrkräfte treten jedem mit dem gleichen Respekt und der gleichen Freundlichkeit gegenüber. Außerdem wird so bedürfnisorientiert, wie das eben mit 32 Kindern in einer Klasse ist, wie möglich gehandelt. Ich hatte keine Sekunde den Eindruck, dass man nicht auf Augenhöhe agierte und spach. Sowohl mit den Kindern und Tutoren als auch mit uns. Etwas, was ich unheimlich toll finde und in vielen Bildungseinrichtungen vermisse.

Ja, im Allgemeinen ist diese Schule offener, weicher und freier geworden. Und ich muss wirklich sagen, ich finde es klasse. Man merkt, das Lehrerkollegium geht mit der Zeit, entwickelt sich weiter und verharrt nicht in alten Mustern. Kinder dürfen und sollen Fehler machen, damit die Lehrkräfte sehen, wo sie stehen. Sie dürfen auch mal die Hausaufgabe unvollständig bringen, damit die Lehrkraft sieht, wo Defizite herrschen. Etwas, das es damals zu meiner Zeit zwar auch hieß, aber das war immer mit einem schlechten Gewissen und mindestens einem rügenden Blick verbunden.

Nach unseren Gesprächen im Klassenzimmer ging es für alle in die Mensa, wo es von den Eltern gebackene Kuchen gab. Und lockere Gespräche mit den Tutoren und Lehrkräften der Hauptfächer, wenn man wollte. Die bis dahin betreuten Kinder stießen nun dazu. Toll fand ich, dass einige Lehrer mich wiedererkannten. Nach so langer Zeit. Und sogar der volle Name mit Klassenzugehörigkeit war für den ein oder anderen kein Problem. Ein bisschen war es, als würde ich heim kommen.

Gespräche mit den anderen Eltern

Hier muss ich ehrlich zugeben, dass ich schon ein bisschen voreingenommen war. Dass ich befürchtete, es würde mir schwer fallen, mit den Erwachsenen Gesprächsstoff zu finden. Doch dem war nicht so. Es gingen eigentlich alle (Ausnahmen gibt es doch immer oder?) freundlich aufeinander zu, erzählten, welches Kind zu ihnen gehört und kamen dann zu anderen Themen. Nachdem wir den Elternsprechtag verlassen hatten, liefen wir noch mit einem anderen Elternpaar zurück zu den Autos und plauschten vor uns hin. Alles in allem war es verdammt angenehm. Angenehm, offen und man fühlte sich wohl. Wir fühlten uns wohl.

Die neue Schule aus Sicht der Großen

Die Große liebt die neue Schule. Da gibt es gar nichts drum herum zu reden. Sie geht jeden Morgen gern zum Bus, freut sich auf die selbst gewählte OGTS an zwei der fünf Schultage und kommt immer gut gelaunt heim. Im Gegensatz zur Grundschule (Hier hatte ich dir schon einmal darüber berichtet, wie es dort ablief) hat sie schnell Anschluss und Freunde gefunden. Und auch von den Lehrkräften ist sie hellauf begeistert. Klar sind Hausaufgaben noch immer meistens doof und sie sucht noch ein bisschen ihren Platz, aber die Schule tut ihr gut. Sie tut uns gut. Eine Schule, in der sie neu anfangen kann, mit offenen Armen und ohne Vorurteile anderer empfangen wurde. Schule, die Spaß macht – und wer kann das schon von seiner Schulzeit aus voller Überzeugung behaupten?

Wie es in ein paar Wochen aussieht? Oder am Ende des Schuljahres? Das wird sich zeigen. Doch jetzt, jetzt bin ich einfach nur froh und glücklich, dass dort alles so problemlos läuft.

Herzlichst, die Julie

 

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