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Das Ende der Schwangerschaft – warum ein Geburtsplan wichtig ist

Je näher das Ende rückt, desto mehr Gedanken mache ich mir, wie das Baby zur Welt kommen soll. Welche Vorgehensweise ich mir zur Geburt meines fünften Kindes wünsche und was ich unter keinen Umständen (wieder) erleben möchte. Umso wichtiger ist es, dass nicht nur ich weiß, wie ich mir die Geburt vorstelle, sondern auch das Personal, wo ich entbinden möchte. Mit der Anmeldung im Krankenhaus, die je nach Geburtenstation meist zwischen der 33. und 36. Woche stattfinden soll, reiche ich daher einen Geburtsplan ein.

In manchen Krankenhäusern reicht ein Anruf, bei anderen brauchst du eine Überweisung deines betreuenden Gynäkologen. Es lohnt sich also auf jeden Fall, rechtzeitig anzurufen und zu erfragen, was für die Geburtsanmeldung nötig ist.

Ich möchte hier vorab nur nochmals erinnern: Ich bin kein Mediziner, sondern sammle hier lediglich meine Erfahrungen und Gedanken. Das heißt, hier gibt es keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Korrektheit!

Was du zur Geburtsanmeldung und Geburtsplanung brauchst:

Im Endeffekt reicht der Mutterpass und deine Krankenkarte. Wenn du aber an Gestationsdiabetes leidest oder Allergien hast, ist es sicher nicht verkehrt, wenn du einen Arztbrief mit den passenden Befunden auch mitnimmst. Wenn das nämlich während der Geburt geklärt werden muss, während man eigentlich anderes zu tun hat (nämlich veratmen, Schmerzen umlenken & die Welt verfluchen 😀 ), ist das nicht gerade toll.

Und natürlich der Geburtsplan. Der ist zwar nicht zwingend nötig, aber dennoch wirklich wichtig, wenn du dir darüber im Klaren bist, wie und wo deine Geburt stattfinden soll. Denn so kann das Personal direkt auf dich eingehen, wenn du zur Geburt wieder kommst.

Der Geburtsplan und über was du dir klar werden solltest:

Zuallererst einmal: Je nachdem, wie deine Geburt verläuft, können deinen Wünschen medizinische Notwendigkeiten im Weg stehen. Dessen solltest du dir bewusst sein, denn manchmal passieren einfach unvorhergesehene Dinge, die andere Vorgehensweisen unabdingbar machen. Aber er ist quasi ein Wunschzettel, an den sich die meisten Ärzte, Hebammen und Geburtshelfer halten,so gut es geht, denn schließlich bist du in einer Ausnahmesituation.

Ich weiß für mich zum Beispiel, dass ich einem Wehentropf nur noch in Kombination mit einer PDA zustimmen werde, weil ich diese unnatürlichen Schmerzen einfach nicht veratmet bekomme. Eine natürliche Geburt ohne Wehentropf und ohne PDA empfand ich dagegen als Spaziergang.

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Wer begleitet dich mit zur Geburt?

Mach dir Gedanken, wen du in dieser wirklich intimen Zeit bei dir haben möchtest. Wer dich während der Geburt begleiten und dir die Hand halten soll. Möchtest du, dass dein Partner dabei ist oder deine beste Freundin oder vielleicht sogar beide? Welche Rolle soll dein Geburtsbegleiter einnehmen?

Hier möchte ich dir wirklich raten, nicht zu viele Menschen einzuplanen, denn das bringt Unruhe in den Kreißsaal und hemmt womöglich die Geburt. Vielleicht ist es dir auch unangenehm, dich vor manchen Personen völlig gehen und auf die Geburt einzulassen. Darüber solltest du dir klar werden.

Welche Position für die Geburt kommt für dich infrage?

Viele haben ja diese tolle Vorstellung der bequemen Geburt in der Gebärwanne. Andere gebären gern auf einem Geburtshocker oder im Vierfüßlerstand. Du musst nicht zwingend auf dem Geburtsbett auf dem Rücken entbinden, sondern kannst – je nachdem, wie voll der Kreißsaal ist – wählen. Du musst aber auch, und das finde ich wirklich wichtig, nicht bei deiner Wahl bleiben, wenn du dich unwohl fühlst und kannst wechseln.

Werde dir hier am besten auch darüber klar, ob du während der Austreibungsphase klare Ansagen brauchst oder nach Instinkt pressen möchtest.

Wie soll mit Schmerzen umgegangen werden?

Wie oben schon erwähnt, konnte ich die Wehen durch den Wehentropf nicht veratmen und bestehe diesmal darauf, dass das nur in Kombination mit einer PDA gemacht wird, wenn es denn überhaupt nötig ist. Es gibt aber auch andere Möglichkeiten, wie Akupunktur oder intravenöse Schmerzmittel, die wohl anschlagen sollten (was bei mir leider nicht der Fall war), um Geburtsschmerzen im Falle des Falles zu mildern. Sprich am besten mit deiner Hebamme und/oder der zuständigen Person bei deiner Geburtsanmeldung darüber. Außerdem kann es sein, dass du, wenn du dir eine PDA wünschst, dafür schon den Bogen mitbekommst, damit du das während der Geburt nicht ausfüllen musst.

Welche Hilfsmittel können zum Einsatz kommen?

In vielen Krankenhäusern wird relativ schnell eingegriffen, statt der Natur ihren Lauf zu lassen. Oft kommt dabei der Dammschnitt zum Einsatz, obwohl das in einigen Fällen nicht nötig gewesen wäre. Unter Umständen kann es auch sein, dass eine Saugglocke oder Geburtszange verwendet werden muss. Hier hast du nur bedingtes Mitspracherecht, denn je nach Arzt und Sicherheit des Kindes muss gehandelt werden. Aber es ist gut, wenn du dich vorher informierst und Präferenzen angibst.

Wie geht es nach der Geburt weiter?

Soll dein Partner die Nabelschnur durchtrennen oder möchtest du das? Wird sie erst durchtrennt, wenn sie auspulsiert hat oder ist es dir egal?

Überlege dir, was passiert mit der Plazenta? Möchtest du Globuli daraus machen, einen Baum darauf pflanzen oder darf sie einfach entsorgt werden? Möchtest du außerdem eine natürliche Nachgeburt oder soll das mit einer Injektion beschleunigt werden?

Möchtest du ein Einzelzimmer oder Familienzimmer (das gibt es oft gegen einen Aufpreis)? Und hast du dir schon Gedanken gemacht, wie lange du im Krankenhaus verweilen möchtest? Es besteht auch oft die Möglichkeit, das Baby über Nacht abzugeben, damit du an ein paar Stunden Schlaf kommst. Oder du behältst es und betreibst Rooming-in. Übernimmt dein (vorher ausgesuchter) Kinderarzt die U2 oder lässt du sie noch im Krankenhaus mitmachen?

Stillen oder Flasche oder beides?

Und dann solltest du dir die Frage stellen, ob du stillen möchtest oder lieber die Flasche gibst. Wenn du stillen möchtest, äußere klar, ob es okay für dich ist, wenn zusätzlich die Flasche zum Einsatz kommt oder nicht. Vielleicht möchtest du auch abpumpen, weil dir der Gedanke an ein Baby an deiner Brust unangenehm ist oder du entscheidest dich für Stillhütchen. Dann solltest du das auch klipp und klar äußern und darauf bestehen.

Das ist bei mir z.B. ein sehr wunder Punkt, denn bei der Großen wurde einfach   ohne Rücksprache mit mir zugefüttert, während ich schlief. Ich fühle mich nach über 9 Jahren noch übergangen und nicht mit dem nötigen Respekt behandelt, weil ich einfach eine junge Mama mit einem zierlichen Kind war. Dass das Stillen dann, weil es durch die Flasche um einiges leichter ging, natürlich nur noch ein Kampf war, an dem sogar meine Hebamme scheiterte, muss ich wohl nicht erwähnen.

Hast du spezielle Wünsche?

Vielleicht fühlst du dich wohler, wenn dir ein weiblicher Arzt zur Seite steht. Wenn dein Glaube bestimmte Dinge nicht zulässt, dann erwähne das bitte auch. Eventuell möchtest du ja eine bestimmte Musik hören. Auch, ob du in eigenen Klamotten oder in Krankenhauskluft entbinden möchtest, wird – wenn nichts dazwischen kommt – berücksichtigt.

Wenn es Dinge gibt, die du unter keinen Umständen möchtest, dann ist es essentiell, diese auf jeden Fall anzusprechen.

*****

Wahrscheinlich habe ich noch so einiges im Geburtsplan vergessen, aber auch bei mir lässt die Schwangerschaftsdemenz grüßen. Jedoch ist das ein Gerüst, nach dem ich meinen persönlichen Geburtsplan abarbeite und in Stichpunkten zusammenfasse. Bei vielen Dingen, wie Geburtskomplikationen, hat man keinen Einfluss. Aber es beruhigt ungemein, sich schon vorab Gedanken über die Geburt zu machen.

Ich kann dir nur raten: Geh selbstbewusst an die Sache ran, vertraue auf dein Gefühl und vertrete deine Wünsche und Anliegen offen und strikt. Es gibt kein dooferes Gefühl, als sich übergangen zu fühlen oder im nachhinein zu denken „Ach hätte ich doch einfach den Mund aufgemacht“ ! Es ist deine Geburt, dein Baby, dein Körper. Solange für niemanden eine Gefahr besteht, geht es in erster Linie darum, dass DU dich wohl fühlst und ein Geburtserlebnis hast, das keine Panik auslöst.

Auf mein Geburtsplanungsgespräch freue ich mich jedenfalls schon sehr. Auch auf die Geburt. Denn das Ergebnis der Strapazen, nämlich unseren kleinen Jungen, möchte ich nämlich schon bald in meinem Arm halten.

Herzlichst, die Julie

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2 Comments

  1. Ich halte nichts von einem Plan. Man kann es nicht voraussehen und keine Geburt läuft nach Plan.
    Ich habe 2 Kinder. Und so ähnlich die Geburten sich im Ablauf auch waren, so unterschiedlich habe ich sie auch erlebt. Zum Glück bin ich beide Male vollkommen unbedarft hineingegangen. Denn es wäre unter Garantie ALLES anders gelaufen, wie ich es mir im Vorfeld ausgedacht hätte.
    Es endete beim Ersten in einem ungeplanten Kaiserschnitt. Los ging es mit einem Blasensprung, Schwangerschaftsvergiftung, nach 12 Stunden keine Herztöne mehr. Gut, wurde ein KS. Ich hatte immer gesagt, dass das für mich im Falle des Falles in Ordnung geht. 7h nach der Geburt stand ich unter der Dusche. Mir ging es hervorragend.
    Kind Nummer zwei startete identisch zum ersten zur gleichen Uhrzeit mit einem Blasensprung. Schwangerschaftsvergiftung. Ungeplanter Kaiserschnitt 12h später. Mit dem Unterschied: die Wehen waren diesmal übelst! Beim Ersten bei weitem nicht so schlimm, hatte ich jede PDA abgewiegelt. Und dann sah das aber auf einmal anders aus und die sehr rare Hebamme kommt mit Globulis daher. Auch war ich hier ekelhaft. Keiner durfte mich anfassen. Dinge, die ich bei der ersten Geburt anders empfunden hatte und somit nicht abschätzen konnte.
    Ich bin jedoch in beide Geburten hineingegangen und hatte mir gesagt: Wie’s kommt, so kommt’s! Hauptsache gesund! Und das war gut.
    Ich habe über die Jahre immer wieder Frauen getroffen, die mit idealisierten Vorstellungen in die Geburt gegangen sind, und dann danach in einer tiefen Krise – in einigen Fällen sogar postnatale Depression – gerutscht sind. Ich habe selbst in der Klinik noch eine junge Mutter auf dem Zimmer gehabt, die sehr daran zu knabbern hatte, dass die Geburt in einem Notkaiserschnitt geendet hatte. Und ich meine, dass da diese Planerei mit hineinspielt.
    Ja, man kann formelle Sachen im Voraus erledigen. Aber diese Geburt … Bei der zweiten Geburt mochte ich nicht einmal meinen Mann um mich haben. Leider war in der Klinik viel los und die Hebammen hatten keine Zeit für mich. Ich war leicht reizbar und die meiste Zeit fühlte ich mich allein gelassen. Das war alles Mist. Aber der KS, auf den dann alles wieder hinausgelaufen ist, war kein Drama. Ich konnte das in meinem Kopf alles ad acta legen, und mich voll auf die Kinder konzentrieren. Auch wenn mir hinterher tatsächlich irgendwelche Hebammen in der Rückbildung durch die Blume zu verstehen gegeben haben, ich hätte versagt.

    Ich finde, man sollte sich im Vorfeld damit beschäftigen, welche Möglichkeiten es gibt. Und dann sollte man es einfach auf sich zukommen lassen. Man sollte sich auch für die nicht so schönen Eventualitäten öffnen. Wenn man meint, eine weibliche Ärztin wäre einem eigentlich angenehmer, dann muss man wissen, dass vielleicht genau an dem Tag eben nur männliche Kollegen im Haus sind. Träumte man immer von einer Wassergeburt, dann muss man sich darüber klar sein, dass vielleicht nicht für jede Gebärende eine Wanne zur Verfügung steht. Wird es wider Erwarten ein KS, dann sollte man sich freuen, dass es diese Möglichkeit gibt und man mit dessen Hilfe gesund ein gesundes Kind zur Welt bringen kann.

    Ich hatte 2 tolle Schwangerschaften. Die Geburten waren nicht nach Drehbuch. Aber ich hatte mich schnell in die Situationen dreingefunden und bin nun glücklich, 2 gesunde Kinder zu haben.

    Das ist mein Empfinden. Ich weiß, dass es für manche Frauen gut ist, ein Gefühl zu haben, alles im Griff zu haben. Aber manchmal tut loslassen auch ganz gut.
    Ein Tipp aus deinem Beitrag ist sehr wichtig: Sagt, wenn euch etwas nicht passt! Wenn etwas anders sein soll! Wenn ihr euch nicht wohl fühlt! Das ist euer Recht! Ihr müsst euch im Kreißsaal nicht unterordnen!

    Allen Schwangeren hier nur das Beste!
    Alles Liebe, Tina

    1. Hallo Tina,
      doch genau aus diesen Gründen ist es wichtig, sich Gedanken zu machen und das mit dem Krankenhaus/Geburtshaus abzugleichen. Wie ich schon schrieb, es kann immer etwas dazwischen kommen (ob belegte Wanne oder Notfall), aber wenn auch die Belegschaft einen Einblick hat, wie man die Geburt gern gestalten will, kann man einige Dinge umgehen, die einem einfach nur unangenehm oder fehl am Platz sind.
      Wie soll das Personal wissen, dass man so wenig Menschen wie möglich um sich haben möchte, wenn man es nicht im Vorfeld bespricht?
      Klar ist es wichtig, für alle Optionen offen zu sein, aber gerade der Geburtsplan bringt einen dazu, zu reflektieren und sich im Vorfeld auch damit auseinander zu setzen, was vielen Frauen ein Gefühl der Sicherheit gibt, statt sich komplett gedankenlos ins Ungewisse zu stürzen.

      Ich ging in meine ersten beiden Geburten übrigens wie du. Das Resultat: Bei der ersten Geburt starb beinahe das Kind und ich wurde übelst von der Anästhesistin beschimpft. Bei der zweiten Geburt starb ich beinahe und konnte nur gerettet werden, weil ich mich gegen die Gewalt im Kreißsaal mit Fingernägeln und Schreien wehrte (die Nachgeburt löste sich nicht). Das wünsche ich keinem und dem kann man mit einem Geburtsplan vorbeugen!

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