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Zugreisen? Nein danke! // Warum wir ab jetzt nur noch mit dem Auto in den Urlaub fahren!

Du hast es vielleicht mitbekommen. In den bayerischen Faschingsferien waren wir im Urlaub. Dieses Mal haben wir uns zum ersten Mal dazu entschlossen, das Auto stehen zu lassen und mit dem Zug zu fahren. Einmal, weil wir es nicht riskieren wollten, auf den letzten Metern noch einen Schaden am Auto zu kassieren, das wir diese Tage nach langem Warten gegen ein neues eintauschen dürfen. Aber auch, weil mir der Straßenverkehr in großen – und noch dazu fremden – Städten oftmals nicht geheuer ist. Wo parkt man? Wie verhält es sich dort mit Geschwindigkeit, Parktickets etc.?

Der Herzmann freute sich. In seiner Jugend reiste er quer durch Deutschland, um auf eigene Faust das Land zu erkunden. Jetzt konnte er den Kindern vermitteln, wie toll es ist und wie entspannt man von einem Ort zum anderen kommt.

Das Tohuwabohu davor – können wir noch stornieren?

Dann saßen wir also dran, wollten die Zugtickets buchen und standen ziemlich doof da. Kinder bis zu einem bestimmten Alter werden nicht mitgezählt und gezahlt, brauchen aber bei der deutschen Bahn ein Ticket. Und wenn es in den Fernbus der Bahn geht, soll man zusätzlich für jedes Kind einen Kindersitz mitschleifen. Außerdem gilt man ab mehr als 5 Personen als Reisegruppe. Na, was nun? Nachdem das alles ziemlich schwammig im Netz erklärt wurde und wir mit unseren 4 Kindern da nicht wirklich weiter kamen, steuerten wir also in den Tagen darauf den Schalter an, um uns das alles genau erklären zu lassen.

Die Dame am Schalter war jedoch genauso ratlos, weil Großfamilien wohl als Rarität gelten und man daher keine Infos habe, druckte uns dann lieblos einige Zugverbindungen aus und verwies uns auf die bayerische Länderbahn ALEX. Da diese für uns aber nur in München ein Servicecenter hatten, versuchten wir es per Telefon, um irgendwelche Infos herauszubekommen. Wir wurden dann aufgefordert, die Fragen per Mail einzureichen, die dann zum Glück nach einigem Schriftverkehr zumindest alles einigermaßen klären.

Keine Kindersitze, keine Extrakosten für die Kinder, kein Umsteigen alle paar Minuten, sondern bequem von München aus nach Prag durchfahren. Das klang super. Also zückten wir die Kreditkarte und kauften vorab die Tickets.

Der Tag der Hinreise – die erste Ernüchterung

Die Kinder freuten sich. Zug fahren, während der Fahrt spielen, nicht anhalten müssen, damit man schnell Pipi gehen kann. Das klingt wunderbar oder? Dann standen wir in einem völlig überfüllten Regio, weil anscheinend nicht erwartet wurde, dass unter der Woche Menschen (wofür auch immer) nach München wollen. Die Stunde zog sich wie Kaugummi und weder auf Kinder noch auf Schwangere wurde Rücksicht genommen. Nicht, dass ich es hier in Deutschland wirklich anders kenne, aber ein wenig enttäuschend ist es schon, wenn man von oben bis unten gemustert wird und dann der Blick demonstrativ gen Fenster geht.

In München durften wir dann in unseren Zug nach Prag einsteigen. Unser Abteil war so gut wie leer und wir konnten uns zwei Sitzgruppen mit Tisch in der Mitte ergattern. Kurz nachdem der Zug allerdings losgefahren war, kamen die ersten Fragen, wann wir denn ankommen würden. Natürlich war die Toilette in der Nähe defekt und die Spielecke ein Zugabteil weiter wurde von einer Dame besetzt, die sich lauthals beschwerte, dass es in diesem doofen Zug kein Raucherabteil gäbe.

Malbücher, Kartenspiele und dergleichen waren wenig später auch absolut uninteressant und nach 3,5 Stunden wäre ich gern ausgestiegen und hätte nach dem tausendsten Mal „Sind wir schon dahaaa?“ und „Wie lange müssen wir noch?“ gern kapituliert. Im Auto ist uns das bisher noch niemals passiert. Zum Glück war es im Zug dann wohl so langweilig, dass die Kinder eine gute Weile eingeschlafen sind, bevor wir in Prag aus unserem Abteil hüpfen und Großstadtluft schnuppern konnten.

Unser Heimweg – wo fährt der Zug ab?

Tag der Abreise: Die Große und der Herzmann fieberten ziemlich hoch, waren mit Medikamenten gepusht, damit wir den Weg zum Bahnhof überleben – und dann stand da kein Gleis von dem ab der Zug fahren sollte. Nachdem wir also sämtliche Gleise abgelaufen waren, war der Infopoint unsere nächste Station. Da bekamen wir die Nachricht, dass der Abfahrtsort immer erst 15 Minuten vor Abfahrt bekannt gegeben wird. Wir stehen ja auf Nervenkitzel. Zum Glück standen wir passend da und mussten dann nur noch die Treppen zu unserem Bahnsteig erklimmen.

Der Zug fuhr pünktlich ein, um dann geschlagene 20 Minuten zu stehen und so schon bei der Abfahrt eine ordentliche Verspätung mit einzuplanen. Immerhin die Kinder hatten noch gute Laune, mampften sich durch belegte Brote und spielten mit ihren in Prag erworbenen neuen Kuscheltieren. Bis zur deutschen Grenze verlief es dann auch relativ problemlos. Die Kinder spielten, schauten nebenbei auf dem Handy des Herzmannes einen Film, da wir aus der Langeweile am Hinweg gelernt hatten, und huschten zwischendrin auf ein zwar total verdrecktes, aber immerhin funktionstüchtiges, Klo.

Endstation – hier geht es nicht weiter.

Erst hielt der Zug irgendwo im Nirgendwo an und wir wunderten uns schon. Kurz darauf wurde hinter mir die Tür des Zugabteils geöffnet und ich starrte wenige Sekunden später auf eine riesige Waffe auf Augenhöhe. Grenzkontrolle. Nach wenigen Minuten ging es weiter. Die Schaffnerin kontrollierte uns und erwähnte nebenbei, dass der Zug, der uns eigentlich bis München hätte bringen sollen, übrigens am nächsten Bahnhof enden würde. Der Anschlusszug käme etwa 20 Minuten später.

Ernsthaft? Wir hatten schon Verspätung, wurden nebenbei vor vollendete Tatsachen gestellt und sollten dann das auch noch einfach so hinnehmen? Immerhin informierte sie die Zuggäste noch mindestens 2x per Durchsage, dass es wohl nicht weiter ginge. Blöd nur, dass die Jungs gerade frisch eingeschlafen waren.

Nachdem wir uns kaum vorstellen konnten, dass der Regio, in den wir verfrachtet wurden, dann wenigstens bis München fahren würde, wurden wir nach unserer Internetsuche bestätigt. Umstieg in der nächsten größeren Stadt. Mittlerweile waren nicht nur die Kinder hochgradig genervt und weinerlich, sondern wir auch. Über eine Stunde Verspätung. Klar, für Vielfahrer ist das nichts. Wenn man aber extra einen fixen Zug bucht, der direkt ohne Umstieg ankommen soll und dann rumgereicht wird, ist das einfach nur zum Kotzen.

Stillstand – nichts geht mehr.

Der Zug von Regensburg nach München war ziemlich leer. Wir hatten uns schöne Sitzplätze ausgesucht und hofften, wenigstens noch den nächsten Zug erreichen zu können.

Dann wurde der Regio langsamer und kam zum Stehen. Jemand hatte eine Tür blockiert und somit den gesamten Zug lahm gelegt. Wieder 15 Minuten Verspätung, bis der Fehler behoben werden konnte. Mittlerweile waren die Kinder einfach nur noch hungrig und schlecht gelaunt. Wir hätten schon längst in München im goldenen M sitzen sollen, so wie wir es eigentlich abgesprochen hatten. Stattdessen saßen wir hungrig in einem stehenden Zug.

Zwischen Tränchen trocknen und Flüchen darüber, dass so ein Mist aber auch nur uns passiert, bewegte sich der Zug wieder. Aber nur kurz. Denn wenig später wurde der Zug erneut langsamer und wir bekamen folgende Durchsage:

Ein paar, ich möchte schon fast sagen, Spinner haben Gegenstände auf die Gleise geworfen und damit den Zug nachhaltig beschädigt. Wir können so nicht weiterfahren und haben Verzögerungen auf unbestimmte Zeit.

Kennst du dieses Gefühl, wenn du irgendwann nur noch mit Galgenhumor reagieren und hysterisch lachen kannst? Das war ab diesem Zeitpunkt der Fall. Um die Kinder irgendwie bei Laune zu halten, starteten wir wieder den Film vom Vormittag, während wir selbst aus den Fenstern starrten und auf die Polizei und die nächste Durchsage warteten.

Die Bahnangestellten konnten nichts dafür. Ehrlich gesagt taten sie mir schon richtig leid, wie sie unruhig auf und ab liefen, versuchten, Ruhe zu bewahren und man ihnen ansah, wie unangenehm ihnen diese Situation war.

Über Anschlusszüge informierten wir uns zu diesem Zeitpunkt schon gar nicht mehr. Wir rissen eher Witze, dass wir wohl auf eine Übernachtung in einem Nobelhotel bestehen würden, wenn es so weiter ginge. Aber wir standen ja.

Dann kam die Durchsage, bis zum nächsten Bahnhof dürfen wir fahren, danach würden uns Ersatzbusse aufgabeln. Also krochen wir im Schneckentempo weiter, um dann im Endeffekt in einer völlig überfüllten Straßenbahn zu stehen. Die Große war mittlerweile nur noch durch, zitterte, wimmerte und wollte heim. Den anderen ging es nicht anders. Und eigentlich wären wir auch schon seit Stunden daheim gewesen. Eigentlich…

Genug für einen Tag

Als wir endlich am Hauptbahnhof anhielten, feierte ich innerlich ein Freudenfest. Während die Große, der Zwerg und ich den passenden Zug enterten und uns Sitzplätze ergatterten, lief der Herzmann mit den anderen Kindern beherzt los, um uns noch irgendetwas Essbares zu organiseren. Denn den Kindern geht es wie mir. Hungrig werden wir zum Grinch.

Als der Zug dann, wenn auch wieder mit Verspätung, losfuhr, fieberten wir von Station zu Station entgegen. Es war genug. Genug Verspätung, Planabweichung und Drama für einen Tag. Der Zwerg schlief direkt quer auf einer Sitzreihe ein, die Große tat es ihm nach.

Mit über drei Stunden Verspätung, etlichen Umsteigaktionen und zwischendurch ziemlich unangenehmen Übungswehen, kamen wir an unserem Bahnhof an. Übermüdet, mit den Nerven am Ende und auch sämtliche Kraftreserven aufgebraucht.

Zugreisen? Nein danke!

Von der erhofften Entspannung, der so oft erwähnten toll geplanten Reise durch die Welt, war nichts zu merken. Weder bei der Anreise noch bei der Abreise. Vor allem die Zugdramen auf dem Rückweg – auch wenn die Angestellten nur zum Teil etwas konnten – haben uns den Spaß an der Bahn ordentlich vergeigt und die Kinder möchten nie wieder in einem Zug sitzen, der weiter als von uns zu unseren Herzmenschen nach München führt.

In Zukunft werden wir wieder das Auto nehmen. Denn da können wir wenigstens selbst bestimmen, wie viel Verzögerung wir einbauen und wo wir anhalten. Da können wir saubere Klos ansteuern, Essenspausen planen und auch wirklich umsetzen und sind flexibel.

Nochmal für einen Urlaub in den Zug steigen? Nein, so schnell garantiert nicht wieder. Denn von der viel umworbenen entspannten und direkten Fahrt war zum Schluss nichts mehr übrig.

Die Julie

 

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10 Comments

  1. Kommt wohl auch drauf an, wohin. Ich bin mal nach Brünn gefahren, auch da fährt man über Prag, und es war nicht ganz unähnlich zu Eurem Erlebnis, das war 2007. Auf der Hinfahrt 4 Stunden Verspätung, weil die deutsche Lokomotive und die deutsche Ersatzlokomotive im Tal der Ahnungslosen kollabierten, erst ein uraltes Monster aus Sowjet-Zeiten brachte den Zug voran, wenn auch ohne Licht und ohne Heizung im Winter, die Anschlüsse dafür waren nicht mit dem Rest des Zuges kompatibel.
    Auf dem Rückweg dann Nachtzug mit Schlafwagen, aber diese Erfahrung würde die Kommentarbox sprengen. Nur so viel: Wenn dir zu später Stunde eine angedüdelte Schaffnerin sagt: „Legen se sich ma hin, ich kümmer mich gleich um sie!“, dann ist das nicht romantisch.

    1. Oh, ich glaube dir, dass das eine eher unangenehme Begegnung im Nachtzug war.

  2. Also ich fahre gern mit dem Zug und höre dabei dann „Die Elite“, das würde beim Auto fahren und im Stau stehen nur zu Unfällen wegen Lachanfällen führen. Kennst du den Podcast? Kann ihn wärmstens empfehlen.

    1. Den Podcast muss ich mir auf jeden Fall mal anhören, bisher kannte ich den nämlich noch nicht. Danke für den Tipp! 🙂

  3. Tut mir leid, ist halt manchmal doof. Wir lieben Zugfahren und sind sowohl per Interrail wie auch h mit der Transsibirischen Eisenbahn unterwegs, auf der sind Verspätungen übrigens eine absolute Seltenheit, bei 18000km quer durch Russland in insgesamt 18 Zugtagen hatten wir nur einmal eine Verspätung von 2 Stunden,die sich bis zum Ankommen auf 10Minuten reduziert hat. Das die Bahnsteige erst kurz vor Abfahrt angezeigt werden ist in vielen osteuropäischen Ländern immer so.
    Vielleicht Lust ein ihr positivere Bahnerlebnisse zu lesen?
    https://www.mitkindimrucksack.de/category/bahn/

    LG von uns Zugfans
    Ina

    1. Danke, da stöbere ich gern mal durch. 🙂
      Ich glaube auch, dass es nicht immer so laufen muss, aber es war einfach furchtbar ärgerlich, weil wir durch gezieltes Buchen eines Anbieters eben genau diese Dramen umgehen wollten.

  4. Ach je, ihr Armen, da hattet ihr aber Pech! Ich hatte zwar auch schon (selten) gravierende Verspätungen, aber nie so eine Odyssee wie ihr, zumindest nicht mit der Bahn. Mit dem Fernbus hatte ich mal ne Kette aus Verspätungen, Ausfällen und Umwegen und würde den nie mehr nehmen, aber Zug fahre ich gern und habe da überwiegend gute Erfahrungen gemacht. Verstehe aber gut, dass ihr künftig wieder das Auto nehmt. Mit Familie ist es ja auch anders als wenn man wie ich alleine reist.

    Liebe Grüße

    Claudia

    1. Mit dem Fernbus hatte ich dagegen Glück. Manchmal läuft es eben doof. Umso schöner, auch von positiven Erfahrungen lesen zu können. 🙂

  5. Ich kann Dich zu gut verstehen, Julie. Meine Erfahrungen mit der Bahn sind genau diesselben. Über Zugverspätungen ohne Ansage (die letzten waren vor zweieinhalb Jahren, als wir mit den Kindern den neuen Weg in die weiterführende Schule abfahren wollten). Und aus meiner eigenen Zeit als Auszubildende in die Berufsschule.
    Darum fahre ich auch Auto.

    1. Ach herrje. Schade, dass du auch so doofe Erfahrungen machen musstest. Und dass es sich über die Jahre auch nicht wirklich gebessert hat.

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