Gedankenwelt, Life, Schulkind

Zuhause bin ich der Chef – mein Heim, meine Regeln!

Neulich erst verfolgte ich wieder gespannt eine Diskussion zwischen zwei Müttern. Die eine war aufgebrachter als die andere und beide klagten ihr Leid, wie unmöglich sich die Kinder doch als Gäste verhalten und einfach über die Sofas hüpfen würden. Und zu allem Überfluss räumten diese bösartig schlecht erzogenen Kinder im Anschluss nicht einmal auf. Auf meinen Einwand, dass zuhause ich der Chef bin, reagierten sie recht verwundert und entsetzt.

Darf man bei fremden Kindern eingreifen? Oder muss man alles dulden?

Ich finde ganz klar: ja! Wenn Max Ferdinand (setze einen beliebigen Namen ein) bei sich daheim auf dem Tisch als Vikinger mit Straßenschuhen durch die Esszimmerlandschaft segeln und mit lautem Gebrüll das Küchenthekenland über die Schubladengriffe erobern darf, dann ist das so. Aber Max Ferdinand muss lernen zu unterscheiden, dass andere Menschen andere Grenzen haben und manche Dinge eben nicht so toll finden, die seine Eltern seelenruhig dulden.

Mein Zuhause ist mein Rückzugsort, meine Save Base. Zuhause will ich mich wohlfühlen. Das bedeutet aber auch, dass ich so frei sein darf und muss und ein Kind notfalls maßregle, wenn auf den Hinweis, dass ich etwas nicht möchte, wiederholt einfach nicht eingegangen wird. Ich darf, will und muss sogar eingreifen, wenn meine persönlichen Grenzen oder die meiner „Mitbewohner“ überschritten werden, denn wir leben hier und meine Schutzzone ist mir heilig.

Vielleicht sind sich die Eltern, wenn sie denn beim Spieletreffen anwesend sind, gar nicht bewusst, dass mich das Verhalten stört, weil es bei ihnen daheim ganz legitim und normal ist. Ich habe dafür zu sorgen, dass meine persönlichen Grenzen gewahrt werden, wenn ich merke, von den Eltern selbst kommt nichts.

Wo ziehe ich die Grenze der Toleranz?

Das ist für mich ziemlich einfach. Sobald Einrichtungsgegenstände oder andere Personen mutwillig verletzt werden, hört der Spaß und somit meine Toleranz auf.

Es stört mich keinesfalls, wenn Max Ferdinand mit dreckigen Schuhen bis ins Wohnzimmer tappt, weil er mir dringend den neuesten Regenwurm zeigen muss. Oder wenn er mit schmutzverschmierten Fingern die Türklinke zum Gästeklo drückt, weil es ganz schnell gehen muss. Meine Grenze der Toleranz ist jedoch dann erreicht, wenn Max Ferdinand die Schuhe auf mein Sofa stellt und meint, die Sandkastenfinger über meine weiße Wand gleiten zu lassen – bewusst, versteht sich.

Welche Regeln gibt es bei den Puddingkleckses zuhause?

Bei uns gibt es eigentlich gar nicht so viele Regeln. Bei sechs Personen muss es aber einen Grundstock geben, sonst endet jedes Zusammentreffen in absolutem Chaos. Wir fangen zum Beispiel immer gemeinsam an zu essen und fragen, bevor wir aufstehen, ob wir dürfen. Ja, auch wir Großen. Die Schuhe werden idR. direkt an der Haustür ausgezogen, wobei das je nach Enthusiasmusfund im Freien ziemlich übergangen wird (dafür besitzen wir einen tollen Staubsauger, der den Dreck, aber nicht die Freude der Kinder, zunichte macht).

Wir reißen keine Dinge aus den Händen anderer, hauen, schlagen, schubsen nicht. Kraftausdrücke werden nicht verwendet und wenn wir unserer Wut Ausdruck verleihen wollen, sagen wir „Ich finde dein Verhalten gerade unter aller Kanone!“ und nicht „Ich finde dich scheiße!“.

Einfache Dinge, die das Zusammenleben erleichtern. Dinge, die in meinen Augen selbstverständlich sein sollten.

Welche Konsequenzen ziehe ich persönlich daraus?

Es kam schon vor, dass ich verwundert mir großen Rehaugen angestarrt wurde, als ich mit bestimmtem Ton sagte „Hör auf zu hauen, wir regeln das mit Worten!“, weil ein Besucherkind übers Ziel schoss. Die Grenzen wurden im Gespräch gesteckt und ich musste nicht mehr eingreifen.

Es kam aber auch schon vor, dass ich nach wiederholtem Male „Hör auf, den Frosch mit Sand zu bewerfen!“ ein Kind heim geschickt wurde und ich das Gespräch mit den Eltern suchte. Die Eltern waren erst verwundert und entsetzt, dass jemand es wagt, ihr Kind zu maßregeln. Doch wer sich nicht an die wenigen Dinge hält, die du im oberen Absatz lesen konntest, den mag ich nicht bei uns haben. Oftmals sehen dann auch die Eltern, dass Grenzen überschritten wurden, die sie selbst auch haben.

Ich hatte aber auch schon den Fall, dass ein Kind meines immer wieder anspuckte. Krass oder? Als keine Ansprache an die Mutter half, wurde ich ziemlich harsch zu dem Kind und dessen Mutter. Nach diesem Treffen sahen wir uns nicht wieder. Das andere Kind hatte mein Kind erniedrigt, mit Speichel getroffen und sie saß seelenruhig daneben und schaute sich dies an. Solche Menschen und solch ein Klientel hat in meinem Leben, so böse es klingt, nichts zu suchen.

Genauso konsequent bin ich übrigens auch bei meinen Kindern, wenn sie sich äußerst daneben benehmen und alles reden nicht hilft. Sie werden aus dem Verkehr gezogen in „Einzelhaft“ in sicherer Entfernung gesteckt und dürfen sich überlegen, wie man sich vielleicht besser verhalten hätte. Nein, kein Hausarrest. Auch kein Zimmerarrest. Ich lasse sie auch mit ihren Gefühlen nicht allein, sondern lasse sie lediglich nicht mehr „mitwirken“, bis zumindest ein bisschen Einsicht kommt.

Wir reden nach einer Bedenkzeit darüber, wie man in Zukunft reagieren kann, wenn etwas nicht passt und wie sich der andere fühlt, wenn man sich wie die Axt im Wald verhält. Meist reicht das schon. Manchmal wiederholt sich das. Ab und an in regelmäßigem Turnus.

Wenn wir zu Gast sind

Wenn wir eingeladen sind, versuche ich bestmöglich, die dort herrschenden Regeln und Grenzen einzuhalten. Bei den Ziehgroßeltern dürfen die Kinder zum Beispiel grundsätzlich mit Straßenschuhen durchs Haus. Und das ist auch okay. Dafür sind ihnen ihre Gemüsepflanzen heilig und es liegt mit an mir, meine Kinder davon abzuhalten, unreife Tomaten oder tonnenweise Dill von den Stängeln zu reißen. Vasen, Geschirr und Deko dagegen stehen dort mit dem unsichtbaren Schild „Was nicht hält, war es nicht wert!“ und so geht schon ab und an das ein oder andere Teil beim wilden Fangen mit dem Ziehopa zu Bruch.

Sind wir erstmals eingeladen, stecken wir beim ersten Besuch die Grenzen ab. Ist es okay, wenn die Kinder auf dem Sofa hüpfen? Bei uns dürfen sie das nämlich nicht. Bei euch gibt es zum Abendessen auch mal Eis? Warum nicht.

Individuelle Grenzen müssen gewahrt werden

Jeder hat seine persönliche Grenze und die sollte gewahrt werden. Egal, ob hier bei uns oder wenn wir zu Gast sind. Und auch unsere Kinder wissen schon ganz genau, bei wem was erlaubt ist. Manche sind strenger, andere sind lockerer oder gar tiefenentspannt. Diese Unterschiede kennen meine Kinder sehr genau und halten sich auch meistens daran. Und wenn nicht, reicht es oft, sie daran zu erinnern. Reicht die Erinnerung nicht, gehe ich mit jedem konform, der dementsprechend agiert und reagiert.

Denn zuhause bin ich der Chef! Mein Heim, meine Regeln!

 

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