Ich zeig dich nicht - Kinder im Netz, Kinderfotos im Netz, Anonymität
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Ich zeig dich nicht – oder doch? // Kinder im Netz

Bis vor kurzem hatten der Herzmann und ich eine strikte Meinung, was unsere Kinder im Netz betrifft. Die Gesichter sind tabu, die Klarnamen sind tabu und wissen nur ganz wenige und außerdem bleiben die Mäuse einfach nur anonym im Netz. Diese Regeln hatten wir gemeinsam aufgesetzt, als ich diesen Blog gestartet habe. Denn ich habe, wie ich >>hier<< schon einmal berichtet hatte, einfach mal wirklich doofe Erfahrungen mit den Bildern meiner Kinder gemacht und daraus gelernt.

Was hat sich geändert?

Mittlerweile existiert dieser Blog über 2,5 Jahre, ist gewachsen, hat sich entwickelt. Aus meinem ursprünglichen Hobby hat sich ein fester Bestandteil in meinem Leben entwickelt. Das, was ganz am Anfang eher ein Tagebuch für mich war, wurde schon fast zum Familienprojekt, denn die Kinder wollen sich mehr und mehr einbringen. Sie bringen mir zum Beispiel Bücher und wollen, dass ich sie dir, meinem Leser, unbedingt vorstelle, weil sie toll sind. Und sie sagen beim Essen, dass ich das unbedingt fotografieren und online stellen soll, weil man sowas Leckeres nicht für sich behalten darf. Außerdem ist das hier für meine Familie ein richtig cooler Job, denn die Zeiteinteilung ist frei und wenn ich nicht gerade – wie momentan – mit ner dicken Erkältung flach liege, kommt da einiges tolles zustande.

Aber auch die Kinder haben sich weiterentwickelt. Die Große kommt dieses Jahr auf eine weiterführende Schule (Über die Ängste und Gedanken darüber hatte ich dir >>hier<< berichtet.), der Zwerg wird eingeschult und im Mai erwarten wir unser 5. Wunschkind. Ich habe hier nicht mehr nur vier kleine Kinder, sondern gerade die Mädels sind in diesen 2,5 Jahren Puddingklecks unheimlich gereift und reflektieren so einiges.

Und auch meine Themen und Texte sind, wie ich finde, anders geworden. Vorsichtiger, bedachter und zum Teil nicht mehr so tiefgründig. Um meine Kinder zu schützen, mein Umfeld und auch mich. Wie ich das meine? Ich nehme dich hier mit durch den Alltag, erzähle von Begebenheiten, die mich erfüllen, aber auch ärgern und nehme zu Dingen, zu denen ich eine Meinung habe, kein Blatt vor den Mund.

Allerdings lasse ich bestimmte Situationen schlichtweg aus. Denn ich kann mir kaum vorstellen, dass mein Kind – welches auch immer (und jetzt an frei erfundenen Beispielen gezeigt) – sich freut, wenn es im Nachhinein davon lesen kann, dass es aus Zorn eingenässt, Papas Auto zerkratzt oder in den Fußraum vom Auto gekotzt hat. Das sind Dinge, die erwähne ich allerhöchstens nebenbei, aber vermarkte sie weder im Blog noch auf Social Media, auch wenn das wohl einige Leser anlocken würde. Bei Unfällen muss man einfach hinstarren oder? Mittlerweile wissen eben auch alle aus meinem privaten Umfeld, was ich hier treibe. Und meine Kinder derartig bloßstellen, würde ich nicht übers Herz bringen.

Worauf ich hinaus möchte?

Ich habe mich verändert, bin gereift, ruhe mehr in mir. Mein Blog ist gereift und wächst quasi mit. Und auch meine Kinder wachsen, haben klare Meinungen und Wünsche. Wünsche, durch die ich unseren ursprünglichen Grundsatz überdenken muss. Neulich sah mich die Große an, als ich Bilder für ein tolles Kinderbuch (Die Rezension kannst du >>hier<< nachlesen) machte und fragte mich ganz aufrichtig:

Mama, warum zeigst du mich eigentlich nie mit dem Gesicht? Bin ich dir unangenehm? Oder nicht hübsch genug? Weil dich zeigst du ja auch offen im Netz!

Bäm! Das saß! Ich war erstmal total perplex und fragte sie, wie sie denn dazu käme zu denken, ich fände sie nicht hübsch. Denn ehrlich, welche Mama findet ihre Kinder nicht einfach bildhübsch? Und da erzählte sie, dass sie denkt, die Brille sei der Ursprung allen Übels. Und weil ich sie für den Blog immer so fotografiere, dass ihr Gesicht nicht erkennbar ist. Also drückte ich sie erstmal ausgiebig und erzählte ihr von der Vereinbarung, die der Papa und ich ganz zu Anfang des Blogs getroffen hatten.

Ich hätte niemals gedacht, dass unser Schutz, unsere Vorkehrungen, damit sie im Netz „undercover“ bleibt, sie zu solchen Gedanken bewegt. Und so setzte ich mich bei Gelegenheit mit dem Herzmann zusammen, damit wir das ausdiskutieren können. Dürfen wir sie zeigen? Ist sie alt genug, das selbst zu bestimmen, auch wenn es ihr Wunsch ist? Wie sieht das auf einer weiterführenden Schule aus? Spätestens da werden alle ihre Smartphones zücken, Selfies machen und in die mediale Welt eintauchen. Warum also nicht schon eher sanft darauf vorbereiten, sie mitlenken lassen, was von ihr im Netz zu sehen ist?

Ich zeig dich nicht – oder doch?

Zum Thema „Kinder im Netz“ habe ich eine klare Meinung. Solange die Bilder – und Geschichten – weder bloßstellend, anzüglich oder für das Kind rückwirkend unangenehm peinlich sind, finde ich es vollkommen okay. Ich liebe nebenbei die vielen tollen Kinderbilder auf Instagram. Wer schaur sich denn nicht gern ein Neugeborenes im Bärchenanzug oder ein strahlendes Kindergesicht im Laubhaufen an? Die Bilder sind meist wunderschön und ich bewundere die Eltern dafür, solche Momente so perfekt einfangen zu können.

Mein persönlicher Rahmen ist da dann doch noch etwas anderes. Das heißt, solange meine Kinder noch so klein und unbedarft sind, dass ich das Gefühl habe, ich muss sie schützen, bleiben sie anonym. Es wird also weiterhin keine Klarnamen geben. Und auch die Gesichter des Bauchbewohners, als auch der Jungs und der Prinzessin bleiben erst einmal nicht sichtbar. Auch, wenn das für mich bedeutet, dass ich viele tolle Augenblicke mit dir nur „hinter ihrem Rücken“ teilen kann.

Und bei der Großen? Da haben wir einen Deal. Wenn sie möchte, dass wir sie zeigen, dann tun wir das. Aber nur mit ihrer Erlaubnis, mit ihrer Absegnung und niemals gegen ihren Willen. Denn wir möchten nicht, dass sie in ein paar Jahren vor uns steht, ihr Vertrauen in uns verloren hat, weil sie im Netz ein Bild von sich auf dem Klo, in einer anderen peinlichen Situation oder über Twitter einen Satz findet, der sie rückwirkend einfach nur ins Lächerliche zieht.

So öffentlich, wie ich mittlerweile lebe, so wichtig ist die Privatsphäre für die Kinder. Nicht, weil ich mir explizit Sorgen um Pädophile mache – denn die gibt es wohl auch in jedem Schwimmbad, bei jeder Sportveranstaltung und eigentlich bestimmt überall – sondern, weil ich möchte, dass die Kinder sich selbst in die unbekannte Welt „Internet“ vortasten. Dass sie selbst für sich entscheiden, so viel von sich geben sie preis und dies oder jenes bleibt geheim. Und das klappt nun mal erst ab einem gewissen Alter und einer gewissen Reife.

Entscheidungen sind nicht in Stein gemeißelt

Hättest du mich vor zwei Jahren gefragt, wie ich das in Zukunft mit den Kindern handhaben werde, hätte ich klipp und klar gesagt, hier gibt es nichts zu sehen. Für mich stand fest, die Kinder bleiben anonym bis zum Nimmerleinstag. Zum Glück – und das ist es wirklich – sind wir alle reflektierte Menschen, hinterfragen alte Entscheidungen und passen sie der neuen Situation an. Sonst gäbe es zum Beispiel auch Puddingklecks nicht, denn vor etwa 5 Jahren sagte ich noch, ich könnte das nie. Mein Leben schriftlich online verfassen und andere außerhalb meiner Familie teilhaben lassen.

Man reift einfach. Und manche Entscheidungen sind mit der Zeit einfach nicht mehr zeitgemäß und müssen neu verhandelt werden. So auch meine Einstellung zur Anonymität im Netz.

Wenn du also in Zukunft ab und an das hübsche Gesicht meiner großen hier erblickst, dann mit ihrer vollen Zustimmung. Und ohne Bauchweh auf unserer Seite. Denn, was man gern vergisst, die Maus ist nicht mehr klein. Sie ist zu einem verdammt schlauen Köpfchen herangewachsen, das sehr wohl weiß, was sie möchte und was eben nicht. Außerdem haben wir, der Herzmann und ich, sie auch darüber aufgeklärt, dass Bilder im Netz eben nie wieder ganz verschwinden. Sie ist sich dessen bewusst und tastet sich daher langsam aber sicher voran.

Und nein, ich möchte sie nicht vermarkten oder hier ungefragt für Werbezwecke nutzen, denn dieser Blog ist mein Baby, meine Entscheidung, dich mit durch unser Leben zu nehmen (>>hier<< findest du es sogar bebildert). Aber ich werde die Große bei der Hand nehmen und sich langsam aber sicher in der großen weiten Internetwelt zurechtfinden lassen.

Herzlichst, die Julie

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6 Comments

  1. Ja, so ähnlich hat mein Sohnemann auch nachgefragt, warum er nicht auf meinen Facebookfotos zu sehen ist. 😀 noch hat er nicht die Erlaubnis, Fotis von sich selbst zu posten – und soweit ich das beurteilen kann hält er sich dran. Ich hab ihm auch klipp und klar gesagt, er soll erst mal beobachten, was für peinlichen mist seine Freunde posten, es beurteilen und selber dann nicht solche Fehler machen. Dass meine Familie von der Ignoranz anderer Jugendlicher und deren Eltern profitiert ist zwar ein bisschen fies von mir, aber ehrlich, da bleib ich egoistisch.

    1. Ich glaube, da gibt es keinen einzig richtigen Weg. Wenn ich an meine Anfänge im Netz denke …. nee, lieber nicht! 😀 Aber Reflexion und der Weitblick, was einfach hängen bleibt und nicht mehr wieder verschwinden wird, sollte da schon vorhanden sein.

  2. Sassy says:

    Ich finde es genau richtig, wie du damit umgehst. Wenn die Kinder aber ein gewisses Alter, oder besser gesagt, eine gewisse Reife erlangt haben und nichts dagegen haben, dass das ein oder andere Bild von ihnen gepostet wird, finde ich es genau richtig. Man sollte seine Kinder aber natürlich früh genug aufklären und ihnen klar machen, dass Bilder im Netz für immer dort bleiben könnten.

    1. Da hast du Recht! Aufklärung ist hierbei unheimlich wichtig. Und ich finde, auch der Respekt dem Kind gegenüber, sensible Themen einfach auch privat zu halten, spielt da eine Menge mit rein.
      Vielen lieben Dank für deinen Kommentar!

  3. Also ich kann deinen Sinneswandel zu diesem Thema voll verstehen und nachvollziehen. Auch mein Mann und ich haben beschlossen, unseren Sohn auf meinem Blog & Co nicht zu zeigen. Natürlich hat man als Mutter so einen Drang, sein Kind zeigen zu wollen, man ist ja auch super stolz auf sein tolles, schönes Kind. Aber zwecks der Sicherheit, zeigen wir ihn nicht. Noch nicht. Vielleicht ändern auch wir einmal unsere Meinung. Wer weiß! Ich finde deinen Gedankengang jedenfalls sehr durchdacht und reflektiert. Ganz toll.
    LG Anke

    1. Liebe Anke,
      danke für deine ehrliche Einschätzung! Solche Entscheidungen fällt man eben auch nicht mal eben zwischen Frühstück und Toilettengang und muss sich die Zeit nehmen. Und ich glaube, solange sich alle Beteiligten – also sowohl die Eltern mit Weitblick, als auch die Kinder, die langsam aber sicher erfassen, dass das nie wieder aus dem Netz verschwindet – damit wohl fühlen, ist das der passende Weg. Da gibt es, finde ich, keinen einzig wahren Weg, damit umzugehen.
      Liebe Grüße

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