Family, Gedankenwelt

Außer Gefecht gesetzt – Mama gibt das Zepter ab

Eigentlich bin ich ein streng strukturierter Mensch.

Mein Leben ist durch Listen, Kalender und Spickzettel geordnet und durchgeplant. Ich habe eine Geburtstagsgeschenkeliste, eine Liste für Weihnachtsgeschenke, mein Kalender umfasst 7 Spalten und zusätzlich hängen Post-it-Zettelchen daneben. Und genau nach diesen Strukturen plane ich unsere Tage, arbeite Dinge ab und lebe ich. Verantwortung und Aufgaben abgeben? Nie und nimmer. Bis jetzt.

Pünktlich zum Neujahr musste ich nämlich feststellen, dass fliegen, so wie es die Hummel entgegen der physikalischen Gesetze macht, für mich leider nicht möglich ist. Nee, ich habe lieber fünf Treppenstufen abwärts Anlauf genommen und mir den Fuß gebrochen, Bänder sind gerissen. Natürlich musste ich ins Krankenhaus und operiert werden. Eine schmerzhafte Erfahrung, die ich als „Hast du erlebt, brauchst du nicht nochmal!“ abhaken kann.

Plötzlich ist alles anders.

Meine Ferienpläne mit den Kindern? Auf Eis gelegt. Die Möglichkeit, mich selbst um die Mäuse zu kümmern, sie ins Bett zu bringen, mit ihnen zu toben und Mama-Taxi zu spielen? Für die nächsten sechs Wochen unmöglich. Alleine Essen zubereiten? Sehr mühsam und umständlich. Jetzt muss ich Verantwortung abgeben, die Zügel aus der Hand, an meinen Mann, weiterreichen und kann höchstens die nächsten Arzttermine planen. Nun ist mein Mann am Zug. Er kocht und putzt, kümmert sich liebevoll um unsere größten Schätze und organisiert und plant, während ich ihm nicht, wie sonst gewohnt, unter die Arme greifen kann, sondern selbst auch auf Hilfe angewiesen bin. Die Hilfe meiner kompletten Familie.

Das Gefühl, das Zepter nicht mehr zu haben, jemand anderen planen und machen lassen zu müssen, ohne großartig Einfluss darauf nehmen zu können, ist erstmal befremdlich und unangenehm. Auch, dass ich nun auf Hilfe angewiesen bin und mich nicht mehr so frei bewegen kann, wie ich gern würde, macht mir Sorgen. Aber der Herzmann macht das so toll, auf seine ganz eigene Weise. Und weißt du was? Genau diese Situation zeigt mir einmal wieder, dass es nicht nur einen richtigen Weg gibt. Viele Dinge, die er macht, würde ich anders anpacken und handhaben. Und dennoch sind die Kinder glücklich, ausgeglichen und zufrieden, satt und in sauberer Kleidung. Im Endeffekt läuft es sogar ein bisschen entspannter ab, wenn ich nicht ständig mit eingreifen kann, denn viele Dinge lösen sich von selbst. Auch ohne mein Zutun.

Und für die Zukunft weiß ich, dass es gar nicht negativ sein muss, ein bisschen Verantwortung abzugeben und den Dingen ihren Lauf zu lassen. Zumindest werde ich mich bemühen, mich mehr zurückzunehmen und die Dinge entspannter zu sehen. Auch ist nicht alles für die Tonne, was nicht nach meinem Plan läuft. Ja, das muss ich lernen. Jetzt habe ich die Zeit dazu!

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