Gedankenwelt, Life

Wutgebloggt: Schwache Verkehrsteilnehmer? Rücksichtslose Idioten!

Ich bin soeben heim gekommen und brodle. Ja, ich bin wirklich stinksauer. Normalerweise werde ich nicht im Ansatz so wütend und garstig wie heute, doch irgendwann ist das Fass voll.

Was passiert ist?

Ist dir eigentlich schon aufgefallen, wenn man mit dem Auto unterwegs ist, dass es da immer, wirklich immer, diesen einen Idioten gibt, der sich noch umschaut, bevor er im Schneckentempo und ohne Rücksicht direkt vor (d)ein Auto mit dem Rad ausschert? Am besten noch vom Fußweg runter, den er eh nicht befahren darf. Denken diese Menschen eigentlich von 12 bis Mittag? Oder ist es für sie selbstverständlich, dass der stärkere Autofahrer für sie das Denken und die Vollbremsung in Kauf nimmt?

Heute hätte ich beinahe vier solcher Prachtexemplare Egoismus in Menschenform auf meiner Motorhaube spazieren gefahren. Und ich fahre beileibe weder schnell noch unvorsichtig. Vor allem dann nicht, wenn ich meine Kinder im Auto sitzen habe. Es wird geschaut, ob ein Auto kommt, aber angehalten oder gar abgestiegen wird nicht. Wozu auch? Der Autofahrer ist ja eh immer schuld, wenn er den Schnösel ohne Helm vom Rad fegt, weil der leider keinen Führerschein zum Verständnis der StVO für seinen Drahtesel braucht und sich als Herrscher über den Asphalt fühlt.

Ja, ich bin stinkewütend!

Ich bin wütend, denn ICH wäre schuld, wenn ich nicht schnell genug reagiere. ICH müsste die Verantwortung für deren Verantwortungslosigkeit tragen. ICH müsste meinen Kindern erklären, warum dieser Vollpfosten verletzt über mein Autodach abrollt. Und ICH müsste diesem Trottel dann auch noch erste Hilfe leisten, obwohl er rücksichtslos, egoistisch und einfach nur arschlochmäßig gehandelt hat.

Ja, genau in dieser Wortwahl denke ich. Genau so fühle ich. Jedes einzelne Mal wieder, wenn ein Drahteselritter meint, er könne den Kampf mit dem Motordrachen aufnehmen.

Ich nehme gern Rücksicht – aber so nicht!

An jedem verdammten Zebrasteifen halte ich an und warte mit Engelsgeduld, bis ich wieder fahren darf. Bei einer roten Ampel würde ich nie und nimmer die Straßenseite wechseln oder als Autofahrer drüber fahren. Bei Parkplätzen parke ich gern hinten, damit die alten Herrschaften nicht zu weit laufen müssen, um den Supermarkt zu erreichen. Ich bin gern ein soziales Wesen und nehme Rücksicht. Aber ehrlich, auf was soll man da noch Rücksicht nehmen?

Mir ist bei der letzten Dame, die aus einer Seitenstraße direkt auf die Straße rollte, ohne sich umzusehen oder anzuhalten, der Kragen geplatzt. Wirklich. Und nein, es tut mir nicht einmal leid, denn es musste raus, es musste ausgesprochen werden und sie musste erfahren, dass ihr Verhalten einfach nur scheiße ist. Ich habe gehupt und die Scheibe des Beifahrerfensters herunter gelassen. Und ich habe geschimpft, sie gefragt, ob noch alle Tassen im Schrank sind, ob sie noch ganz tickt.

Und dann habe ich das Fenster geschlossen, tief durchgeatmet und wir sind weiter gefahren. Noch immer brodle ich. Und es ist mir absolut unverständlich, wie man so rücksichtslos, gedankenlos und dreist sein kann.

Denken diese „schwachen Verkehrsteilnehmer“ eigentlich auch einmal daran, was SIE anrichten, wenn ich es nicht mehr schaffe, rechtzeitig zu bremsen?

Einziger Lichtblick war zum Schluss eine Familie mit zwei Mäuschen im Fahrradanhänger. Die hielten doch tatsächlich an, als der Radweg aus war und schauten sich um, bevor sie die Straße überquerten, um auf den Folgeweg zu kommen. Danke hierfür. Es ist doch nicht Hopfen und Malz verloren.

Die Julie

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9 Comments

  1. Anne R. says:

    Liebe Julie,
    Ich fühle mit dir. Hier in Leipzig ist es recht ähnlich. Zum Glück war ich noch nie in einer solch drastischen Situation.
    Aber hier wird gern mal auf die Beleuchtung verzichtet. Auch das ist nicht minder gefährlich. Bei Dämmerung. In einer schwach beleuchteten Allee.
    Helme? Damit sieht man allenfalls 10% der Radfahrer. Könnte ja die Frisur ruinieren.
    Genauso gut wie die Radfahrer finde ich übrigens Motorradfahrer. Insbesondere wenn sich diese an der Ampel zwischen den Autos nach vorne Schlängeln. Grrr!
    Also denk immer daran: Du bist nicht allein!
    Und: Geduld wird manchmal überbewertet.
    Liebe Grüße
    Deine Leidensgenossin Anne

    1. Ach, eigentlich ist das schade, wenn es überall solche rücksichtslosen Menschen gibt. Die Motorradfahrer sind da nochmal ein anderes Thema, aber da habe ich auch schon einiges durch.
      Ich wäre ja für eine Helmpflicht. Aber selbst hier wird man, wenn Kind und Erwachsene einen tragen, ziemlich entgeistert angeschaut.

      Liebe Grüße 🙂

    2. Hallo,

      das kann ich gut nachvollziehen. Ich bin als Motorradfahrer gewohnt für alle mitzudenken.. Aber daran habe ich mich gewöhnt.

      Woran ich mich nicht gewöhnen kann ist dass bei uns in der Innenstadt (Eisenach) die Fußgänger querbeet laufen, ohne zu schauen ob frei ist, egal ob Strasse oder Kreuzung. Für diese behinderte Fraktion (meist jenseits der 50) würde ich zwingend den Augenarztbesuch und den Idiotentest empfehlen. Die denken, alle müßten Rücksicht nehmen. Haben die STVO (gegenseitige Rücksichtnahme) missverstanden, diese schwachsinnigen Egozentriker.

  2. Auch ich fühle mit Dir. Ich fuhr viele Jahre europaweit mit dem Lastwagen durch die Gegend. In einigen Ländern kurvten Radfahrer auf der „Autobahn“ herum (ich nenne die Sandpisten halt mal so) und es ging zivilisierter zu als hierzulande. Wie viele Radfahrer landeten schon unter einem Lkw, nur weil sie auf ihr vermeintliches „Recht“ pochten? Nix im Hirn, aber den Vogel zeigen, da sind sie groß darin. Und am meisten ärgert es mich, wenn Radfahrer einfach über einen Zebrastreifen schießen – dabei ist es ein Fußgängerweg. Und die, die zu dritt nebeneinander fröhlich auf der Landstraße radeln, weil ihnen der neu gebaute Radweg neben der Straße vermutlich nicht fein genug ist, was weiß ich. Nicht ärgern! In Sachen Dummheit sind manche Radfahrer einfach erfahrener – da kommen wir nicht gegen an!

    LG

    Martina

    1. Manchmal fragt man sich einfach, warum diese Drahteselhelden so rücksichtslos agieren. Wobei ich da mit anderen Verkehrsteilnehmern auch schon unschöne Begegnungen hatte.
      Och, geärgert habe ich mich sehr. Aber das hinauszubrüllen tat ziemlich gut.

      Liebe Grüße

  3. als fussgaenger (mit fuehrerschein) koennt ich das gleiche ueber radfahrer UND autofahrer sagen 😀

    niemand von denen kennt den begriff verkehrsberuhigter bereich und weiss, dass dort
    a) schrittgeschwindigkeit gilt und
    b) sie keine vorfahrt haben und sogar warten MUESSEN.

    aber ich versteh deine wut.
    als autofahrer gehts mir oft aehnlich.

    1. Es gibt leider bei allen Verkehrsteilnehmern solche und solche. Wer als Radfahrer rücksichtsvoll agiert, agiert auch als Autofahrer und Fußgänger so. Wer als Fußgänger über rote Ampeln maschiert, als wären sie nur eine Richtlinie, der wird wohl auch als Radfahrer oder Autofahrer ziemlich rücksichtslos handeln, glaube ich.

      Liebe Grüße

  4. Wahre Worte!
    Wir haben hier eine Radspur auf der Straße und 90% der Radfahrer Gurken auf dem Fußweg herum. Am Zebrastreifen anhalten? Wozu denn?
    Ich war mit einer Freundin und unseren Kindern im Wald unterwegs und ein Radfahrer hat die Kinder angeblafft, warum sie nicht sofort zur Seite springen, obwohl er sich kein Stück bemerkbar gemacht hatte. Er hätte ja bremsen müssen und das hätte seine Zeit versaut. Das war ein Wanderweg, kein Radweg. Bei solchen Leuten geht mir auch regelmäßig der Hut hoch. Eine Klingel kostet keine 10€ und jedes Kind weiß, was der Klang bedeutet.

    Liebe Grüße

    1. Ich kann mir vorstellen, dass mit solchen Begegnungen der Spaß der Kinder am Spazieren gehen drastisch abnimmt. Schade. Ich hoffe, ihr findet auch Gegenbeispiele, die aufzeigen, dass Rücksicht kein Fremdwort ist.

      Liebe Grüße

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