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Von Blümchen und ihren Wurzeln – Kinder brauchen nicht nur Flügel

Ich freue mich immer sehr über kleine Aufmerksamkeiten. Die müssen weder an feste Tage noch an bestimmte Ereignisse geknüpft werden. Doch oft werde ich entgeistert angeschaut, wenn man mich fragt, was ich mir wünsche und ich mit „Bitte keine Schnittblumen!“ antworte. Sehr oft kommt Unverständnis, manchmal wird auch nachgehakt, warum das so ist.

Wenn du mir auf Instagram oder Facebook folgst, wirst du immer wieder Bilder von tollen Pflanzen entdecken. Ganz ganz selten sind dort Bilder von abgezupften Gänseblümchen oder anderen Blüten zu sehen. Warum? Weil ich, ganz persönlich und subjektiv, es total doof finde, wenn man Pflanzen dazu verdonnert zu sterben, nur für ein paar Tage bunte Farbe auf dem Küchentisch. Klingt total kleinlich und wahrlich gibt es schlimmere und gravierendere Probleme auf dieser Welt, aber es stört mich. Und es macht mich traurig, wenn die wundervollen Blüten nach einer gewissen Zeit die Köpfchen hängen lassen und welk werden.

Freude dagegen machen mir Pflanzen mit Wurzeln. Pflanzen, die dazu noch pflegeleicht sind, denn mein schwarzer Daumen ist nicht zu verachten. So habe ich mittlerweile zwei Orchideen und zwei Kakteen, die scheinbar unkaputtbar sind. Sie blühen, sie werfen die Blüten ab, sie leben weiter, wachsen und gedeihen.

Blumenkinder – Menschenkinder – alles eins

Und genauso denke ich bei meinen Kindern. Wie gern würde ich wieder in eine Stadt ziehen, dem bunten lauten Treiben folgen. In ein Café sitzen, ohne vorher das Auto nutzen zu müssen. Einkaufen gehen, ohne dafür Benzin in die Luft zu pusten. Einen Bücherladen betreten, für den ich nicht erst eine Rundreise beginnen muss.

Doch meine Kinder sind mittlerweile hier verwurzelt. Vor allem die großen beiden sind in das Dorf wunderbar integriert, turnen im Sportverein, spielen Instrumente an der Musikschule vor Ort und haben hier den ein oder anderen Freund. Würden wir umziehen, würde ich ihnen ihre Wurzeln, ihren Halt entreißen. Und entweder bräuchten sie sehr lange, um wieder an- und reinzuwachsen oder sie würden daran kaputt gehen.

Woher ich das weiß? Die Große hat schon einmal, durch einen Kindergartenwechsel, ziemlich allen Halt verloren. Noch heute redet sie viel von ihrem Kindergarten 20 Kilometer entfernt von hier. Sowohl die Kinder als auch die Erzieher fehlen ihr. Und das, obwohl sie nun schon bald die zweite Klasse abgeschlossen hat. Ein Teil von ihr hängt noch immer an dem tollen privaten Kindergarten, den sie durch ihre Einschulung hier hinter sich lassen musste.

Und so wird es der Prinzessin ab September ergehen, wenn sie zum Schulkind wird. Denn ihr Kindergarten liegt nunmal auch 20 Kilometer von unserer Grundschule entfernt. Auch, wenn sie hier integriert ist, wird sie trauern. Um die Erzieher, um die Freunde, um die Zeit.

Halt geben – Wurzeln erhalten

Zum Glück arbeitet der Herzmann in besagtem Kindergarten, sodass wir jederzeit hereinschnuppern und ein bisschen die Vergangenheit aufleben lassen können. Viel liegt auch an uns Eltern, denn wir vermitteln bewusst und unterschwellig, was wir gut oder schlecht, was wir schön oder unschön finden.

Deshalb versuchen wir immer, egal ob wir gerade freudig oder sauer sind, unseren Kindern zu vermitteln, dass es gut ist, wie sie sind und wo sie stehen. Denn mit Wurzeln und Vertrauen ist es schon schwer genug, sich seinen Platz auf der Blumenwiese oder im Klassenzimmer zu erkämpfen. Wie es ohne ist, mag ich mir gar nicht ausmalen. Man kann eben nur aufblühen, wenn man den benötigten Halt hat.

Wenn die vier dann groß und stark genug sind, um ihre Flügel auszubreiten und das Nest verlassen, hoffe ich, dass sie dennoch ihre Wurzeln nicht kappen und hier noch immer einen sicheren Platz vorfinden, der ihre Wurzeln mit Liebe und Sonne im Herzen versorgt.

Umtopfen alter „Pflanzen“

Später, wenn diese kleinen Geschöpfe auf ihren eigenen Beinen stehen, ist noch genügend Zeit für eine kleine Wohnung in der Stadt. Über einem Café und in der Nähe eines Bücherladens. Mit einem Gästezimmer für unsere Pflänzchen, wenn sie auf Besuch kommen und sich zuhause fühlen wollen. Hach ja ….

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2 Comments

  1. Simone says:

    Bei uns haben sich die Kinder „mit Wurzeln“ in der Pubertät bei ihren Eltern sehr „bedankt“, dass sie in die Pampa zogen. Angewiesen auf den spärlichen ÖPNV oder ein olles Mofa… 🙂
    Aber jedeR wie er/sie mag.
    Herzliche Grüße!

    1. Das kommt dann vielleicht auch wieder darauf an, was man vermittelt. Und wie integriert die Kinder sind. 🙂

      Liebe Grüße

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