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Geschenkewahn // Warum wir keine Geburtstagsbox im Spielwarenladen haben

Der nächste Kindergeburtstag steht direkt vor der Tür. Natürlich stecken wir schon total in der Planung. Es sind aber auch nur noch ein paar Tage. Wie ich andere Geburtstagsfeiern erlebe und wie wir das handhaben, kannst du hier lesen. Achtung: Der Text könnte Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten. Aber nur ein bisschen. So am Rande.

Damals …

Als ich Kind war, wurden Einladungskarten noch per Hand gebastelt, von uns Kindern selbst beschrieben und bemalt. Etwa zwei Wochen vor der großen Sause wurden die Einladungen verteilt und die Eltern hielten höchstens Absprachen untereinander, was wir Kinder uns denn überhaupt wünschten. Gefeiert wurde dann bis ins Jugendalter mit einer handvoll Freunden im Garten oder der Wohnung und der Höhepunkt war das gemeinsame Schaumkuss-Wettessen.

Heute …

Heute, so habe ich das Gefühl, versuchen die Eltern sich immer mehr zu übertrumpfen. Jeder hat den schöneren Ort, die tollere Beschäftigung, den aufwendigeren Kuchen. Das Kind und seine Bedürfnisse rücken, schon fast vergessen, in den Hintergrund.

Auf den Einladungskarten stehen nicht nur Ort und Datum. Nein, es wird explizit auf einen Spielwarenladen verwiesen, in dem eine Geburtstagsbox mit Geschenken bereit steht. Daraus kann man sich an der Vorauswahl der Eltern bedienen. Sobald die Einladungen also verteilt werden, geht der Run auf das Geschäft los. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Eigeninitiative? Fehl am Platz. Was zählt, ist das beste Geschenk als erster abzustauben.

Weil das aber noch nicht reicht, geht es auf der Feier erst richtig los. Heute wird kaum noch im eigenen Heim gefeiert. Nein, nein. Da lässt man sich nicht lumpen. Der Indoor-Spielplatz oder der Erlebnispark eignen sich doch weit besser dazu. Außerdem fällt dann weg, dass man sich selbst um die Bespaßung der Kinder kümmern muss. Das übernehmen dann nämlich die Profis vor Ort. Und der Dreck? Bleibt außerhalb der eigenen vier Wände.

Dazu wird jedes Kind mit einem Gastgeschenk belohnt, weil es überhaupt erschienen ist. Die Gastgeschenke zusammen sind meist mehr wert als das neue Smartphone vom Papa. Aber hey, was muss, das muss. Oder?

Wir waren dabei …

Wir haben jetzt, dank unserer vielen Kinder, so einige dieser oben beschriebenen Feiern erlebt. Sehr viele Parties laufen nach genau dem oben benannten Schema ab. Erst öffnen die Eltern der eingeladenen Kinder die Geldbörse und versuchen sich zu übertrumpfen. Und dann öffnen die Eltern des Geburtstagskindes die Geldbörse und versuchen, die vorangegangenen Geburtstagsparties zu übertreffen. Man will sich ja nicht lumpen lassen. Nee, wenn der Meier bei Seaworld war, dann hol ich halt ein Haifischbecken nach Hause! Pah! 

Garantiert sind die Feiern so ausgelegt, dass die Kinder Spaß haben. Aber im Fokus steht das doch nicht. Viel wichtiger ist, dass die Frau Müller nicht munkeln kann, dass die Familie Dupfinger sich den Geburtstag im Theater für Kinder nicht leisten kann.

Da machen wir nicht mit!

Unsere Karten waren bisher alle, bis auf dieses Mal, selbst gebastelt. Mit viel Liebe und Ausdauer saßen wir zusammen, haben Burgen und Sonnenblumen, Krönchen und Schneemänner, Muscheln und Schriftrollen gebastelt und individuell beschriftet.

Natürlich machen wir auch besondere Dinge. Dieses Jahr wird es bei der Prinzessin eine Verkleidungsparty und wir basteln hübsche Handspiegel. Letztes Jahr gab es eine Schnitzeljagd durchs ganze Dorf. Wir haben aber auch schon einmal Bilderrahmen vom Möbelschweden mit Perlen und Glitzer beklebt und sie mit Bildern der bastelnden Kinder versehen.

Und was mir ganz wichtig ist. Ich möchte, dass sich unsere kleinen und großen Gäste Gedanken machen, was sie unseren Geburtstagskindern geben möchten. Auf Nachfrage gebe ich gern Tipps, aber für die Mäuse ist es doch gerade toll, wenn sie überrascht werden und nicht das auspacken, was sie vorher eh schon ausgesucht haben. Findest du nicht? Außerdem kommen so Geschenke zusammen, an die man als Mama oder Papa vielleicht gar nicht gedacht hätte, die aber perfekt auf das Kind zugeschnitten sind. Ganz ohne Geburtstagsbox.

Ich kann es verstehen …

Ich kann es wirklich verstehen, wenn die Räumlichkeiten es daheim nicht hergeben, wenn 10 Kinder mit Wikingergebrüll auf dem Sofaschiff segeln und den Küchentisch entern wollen. Vielleicht möchte das Kind auch wirklich diese Geschenkebox und im überteuerten Indoor-Spielplatz spielen. Dann kann ich es sogar noch irgendwo nachvollziehen.

Was ich aber nicht mache, ist, selbst in diesen Strudel aus „Ich muss den Papa der Effi übertrumpfen“ und „Mist, die Gudrun hat größere Gastgeschenke rausgerückt!“ zu springen. Nein! Da wehre ich mich strikt. Und es ging bisher noch kein einziges Kind traurig oder enttäuscht heim, weil die Gastgeschenke zu wenige (oder gar nicht vorhanden) waren oder das Programm zu lasch.

Wir möchten nämlich, dass die Frieda, der Ernst und die Aurelie (setze beliebige Namen ein) gern zu unseren Kindern kommen – der Kinder wegen. Und nicht, weil das Programm so spannend klingt.

Damit möchte ich übrigens keinem auf den Schlips treten.

Es darf gern jeder so handhaben, wie er möchte. Wobei, der Schlipsträger hat ja genügend Geld für außergewöhnliche Parties, oder? 😛

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4 Comments

  1. Denise says:

    So einen Artikel habe ich neulich in der Süddeutschen gelesen und bin verwundert, ich empfinde es komplett anders. Im Freundeskreis der Jungs feiern eigentlich fast alle Zuhause/im Garten, Anzahl der Kinder ist abhängig von der Größe des Zuhauses. Egal ob wohlhabend oder sozial schwach, es ist immer mit viel Mühe und Freude gestaltet mit Spielen, Kuchen, Schatzsuche. Auch sind die Gastgeschenke nie übertrieben, die es übrigens auch in den 80ern auf meinen Geburtstagen gab. Wir haben auch schon Shirts bemalt oder Ritterschwerter und Kronen gebastelt. Einen Wettbewerb hab ich auch noch nie erkannt. Wir feiern (bis auf einmal wegen Umzugs im Spielcafé) immer Zuhause, ich finde es aber auch absolut legitim, wenn Eltern auslagern möchten. Lieber eine tolle Party woanders als bei Leuten, die darauf gar keine Lust haben und die Stimmung doof ist. Daher, Wettbewerb und Übertrumpfen ist mir bisher nie begegnet, ob nun in der 2-Zimmer-Wohnung oder der Villa, gefeiert wurde gleich schön.

    1. Liebe Denise,
      ich finde es richtig schön, dass dir diese „Dramen“ um den Kindergeburtstag erspart blieben. Vielleicht bin ich da sogar ein bisschen neidisch.
      Da hast du Recht, auch die Eltern sollten Spaß an der Geschichte haben und aufgezwungen daheim feiern ist auch nichts.

      Liebe Grüße,
      die Julie

  2. Ich sehe das mit der Geschenkbox etwas anders. Auf die Art und Weise kannst du zumindest ein bisschen steuern was dein Kind bekommt und verhindern, das du Sachen zu teuer sind. Ich hab Kinder Geburtstage erlebt da hat das Kind vier original Baby Borns auf einmal bekommen, weil eben alle die selbe Idee hatten. Fun Fact: Die kleine hatte schon davor ne Baby Born. Hätte man also verhindern können. Die Boxen im Spielwaren laden helfen da doppelte Geschenke (und zukünftige Spielzeugspenden mit Ansage…) sofort auszuschließen. Ich hab auch schon Geburtstags feiern mitbekommen wo es so ne Box gab (mit Geschenken verschiedener Preisstufen) und wo am Ende niemand was davon gekauft hat. Stattdessen gab es ganz viel teuren Mist, wovon das Kind schon viel hatte und das Kind war enttäuscht weil es eigentlich nur den fünf Euro Bagger aus der Box wollte. Dabei könnte es doch so einfach sein. Sonst Stimme ich dir zu. Geburtstage Zuhause sind einfach die besten. Wenn ich noch einmal in das selbe Indoorspieleparadis wegen nem Geburtstag muss, vergrab ich mich im Bällebad. Und ich bin nicht mal ne Mutter. (Nur inoffizielle Patentante und ehemalige Erzieherin)

    Liebe Grüße

    1. So etwas habe ich noch nie erlebt. Wir fragen in der Regel auch immer das zu beschenkende Kind, was es sich wünscht. Bisher sind wir damit weit angenehmer gefahren als mit dem Wettkampf um das beste Geschenk aus der Box.
      Schade ist es eben, wenn die Eltern sich nicht informieren wollen, was das Kind selbst möchte oder schon hat. Das ist dann verständlicherweise wirklich Mist. (Beim Bällebad wäre ich übrigens direkt dabei :-D)

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