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Generation Smartphone // Wisst ihr noch? Damals, als man sich das Telefon noch ans Ohr hielt

Wie mich das Abhören von Sprachnachrichten und das Telefonieren mit dem Smartphone in den Wahnsinn treibt.

(Und ja, mir ist bewusst, dass ich „Generation Smartphone“ falsch benutze.)

Ich geb’s ja zu: Ich hasse telefonieren. Je nach Möglichkeit trete ich das Telefon noch vor dem Abheben an den Mann ab und handhabe das am Smartphone noch genauso. Warum? Ich habe erstens selten die Zeit, in Ruhe und ohne Kindergebrüll zu telefonieren und zweitens fehlt mir seit einem Sturz auf den Kopf vor mehreren Jahren einfach die Aufmerksamkeitsspanne, dass ich da länger konzentriert zuhören und auch antworten kann. Und das zuzugeben fällt mir oft einfach schwer.

Daher finde ich auch oft minutenlange Sprachnachrichten unheimlich anstrengend. Eben weil ich mir die Zeit nehmen muss, das abzuhören und den Lautsprecher anzuschalten. Nebenbei lesen klappt aber wunderbar. Da stören die vielen „MAMAAAA?“ Zwischenrufe auch einfach nicht den Gesprächsfluss und ich kann mich kurz ausklinken, ohne die interessanten Fakten zu verpassen.

Wenn man sein Privatleben mit allen Menschen teilt: Generation Smartphone

Was ich als Telefonverweigerer allerdings immer befremdlicher empfinde, sind Menschen, die beim Telefonieren das Gerät in aller Öffentlichkeit auf laut gestellt haben und fernab vom Ohr in ihr Smartphone brüllen, das sie wie eine große Praline vor ihrem Mund auf und ab wiegen. Diese Generation Smartphone, die alle Welt an ihren Gesprächen teilhaben lässt, egal ob Opa Fritz heimlich Pornos geguckt hat oder die Großcousine dritten Grades den Beziehungskrach des Jahrhunderts erlebt. Jeder im Umkreis von etwa 50 Metern weiß Bescheid. Und man kennt beide Seiten – denn man hat ja gar keine Möglichkeit wegzuhören.

Ehrlich, ich frage mich, was bewegt die Menschen dazu, sich das Ding nicht einfach an die Ohrmuschel zu knallen? Warum muss man immer und überall erreichbar sein und das auch demonstrieren? Wer am lautesten ins 20 cm entfernte Gerät brüllt, ist der neue Platzhirsch?

Wisst ihr noch, als man das Telefon ans Ohr hielt?

Neulich hatte ich das Thema mit einer Freundin. Während unseres Gesprächs bekam sie eine Sprachnachricht und hörte sie eben in der neuen Handhaltung ab. Als ich sie darauf ansprach, meinte sie, das sei ihr noch gar nicht so bewusst gewesen. Aber es stimmt, Außenstehende bekommen so alles mit. Und zwar haargenau.

Manchmal wünsche ich mir dann doch die Telefone mit Kabel zurück. Die mit Drehscheibe und Hörer, der nicht auf Lautsprecher gehen konnte. Oder Telefonzellen, in denen man privat – ja richtig, so ganz ohne Publikum – seine Anliegen geklärt hat. Und vor allem wünsche  ich mir die Zeit zurück, in der man sich das Telefon noch ans Ohr hielt, statt das Smartphone wie den heiligen Gral vor sich her zu tragen. Als man noch direkt Gespräche führte, statt ewig lange Sprachnachrichten zu schicken, für die man irgendwo Zeit schaffen muss, um sie abzuhören, während eine schriftliche Nachricht oder ein Telefonat (mit Gerät am Ohr) weit effektiver gewesen wäre.

Ich mag es gern persönlich

Versteh mich nicht falsch. Ich finde es toll, wenn ich von meinen Freunden aus Berlin eine Sprachnachricht bekomme und so wieder mehr in ihr Leben integriert bin. Noch dazu haben sie eine bezaubernde Stimme, während ich mich anhöre, wie ein Pfau im Stimmbruch. Ich liebe es, wenn ich von den Kindern höre, vom aufregenden Job und wenn das nächste Treffen geplant wird. Aber oft verpeile ich es erstens abzuhören, weil zuviel Trubel um mich ist und zweitens muss ich dafür den Lautsprecher anmachen und ggf. damit rechnen, dass die Kinder Themen aufschnappen, die sie einfach nichts angehen.

Und auch hier bei meinen Lieben vor Ort ist mir ein Treffen einfach lieber. Von Angesicht zu Angesicht. Bei einem netten Kaffee oder einem Glas Wein. Dass wir direkt kommunizieren können, ohne das Smartphone in der Horizontalen zu halten und alle Welt es mitbekommt. Und ja, vielleicht telefoniere ich sogar lieber und sage zwischendrin, dass ich nicht mehr aufnahmefähig bin.

Da fällt mir auch noch dieser wunderbare Tweet dazu ein, der so ziemlich alles sagt:

Sicher kann man das Smartphone dann noch immer so beknackt halten. Aber man kann es auch ans Ohr nehmen, wie die Telefone damals. Und ich erinnere mich gern daran zurück, wie ich daheim im Büro saß, mich in der letzten Ecke verkroch, soweit das Kabel eben reichte, und mit meiner ersten großen Liebe telefonierte. Heimlich, ohne Mithörer. Und zwar direkt. Hach, war das schön.

Und wie telefonierst und kommunizierst du?
Herzlichst, die Julie

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