Happy Nikolausi – bei uns muss keiner die Stiefel putzen
Die letzten Tage habe ich auf Instagram und Facebook (ja, ich bin alt) so viele Berichte dazu gesehen, dass die Kinder die Stiefel putzen müssen, bevor der Nikolaus dort eine Kleinigkeit hinterlässt. Besonders schockierend fand ich, dass es sogar Eltern gibt, die ihren Kindern statt einer Kleinigkeit ein Stück Kohle in die Schuhe legen, „damit sie was lernen“.
Dabei leben wir in 2025 und nicht mehr in den 50ern. Die Einflüsse von Johanna Haarer und dieser lieblosen kalten Pädagogik sollten mittlerweile eigentlich verebbt sein. Und dennoch gibt es Eltern, die diese typische „Wir haben es auch überlebt“ und „Uns hat es auch nicht geschadet“ Mentalität um die Ecke kommen und denken, Kinder lassen sich durch Machtmissbrauch und Erniedrigung gesund großziehen.
Und das, wo doch der Nikolaus für Nächstenliebe, respektvolles Miteinander und Freude. Nicht für Machtmissbrauch, Enttäuschung und Erniedrigung.
Deswegen fand ich es früher auch schon ziemlich problematisch, wenn hier der Knecht Ruprecht mitkam, die Kinder eingeschüchtert hat und der Nikolaus aus seinem goldenen Buch mehr Tadel als wertschätzende Worte hervorbrachte.
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So läuft der Nikolaus bei uns ohne Stiefel putzen ab
Wir machen es uns da ehrlich sehr einfach. Und das ist vollkommen legitim. Hier bereiten wir weihnachtlich gestaltete Jutebeutel vor. Darin landen ein Schokoladennikolaus, Mandarinen, Äpfel, andere Naschsachen und eine Kleinigkeit. Dieses Jahr waren es kleine Klemmbausteinsets, Badewannenspielzeug und Kuscheltiere (also jeder ein Ding, nicht alle alles 😀 ).
Nachmittags unternehmen wir einen Ausflug, entweder zu den Ziehgroßeltern – wie dieses Jahr – oder in den Wald, um den Nikolaus zu suchen und in der Zeit kommt der Nikolaus. Das heißt, einer von uns Eltern muss nochmal unbedingt aufs Klo, bevor wir los ziehen und deswegen nochmal fix ins Haus.
Die Jutebeutel finden die Kinder dann entweder vor der Haustür vor (wenn das Wetter passt) oder der Nikolaus ist ein kleiner Einbrecher und stellt die Beutel auf die Treppe. Ganz unkompliziert und ohne Tamtam.
Und vor allem ohne Maßregelung, Bedingung und pseudomoralischen Ansatz.
Wieso wir das Stiefelputzen ablehnen
Wir Eltern wurden beide so geprägt, dass Elternliebe an Bedingungen geknüpft war. Artiges Benehmen, (schulische) Leistung, Mithilfe, Gehorsam. Solche Dinge eben. Dabei sollte Elternliebe bedingungslos sein. Das gilt bei uns auch beim Nikolaus, der die Geschenke nach Elterndünken bringt. Streit, Differenzen und schwere Phasen dürfen nicht bestimmen, ob ein Kind leer ausgeht oder mehr bekommt.
Der Nikolaus kommt zu allen Kindern – so fern die Familien das möchten – und hinterlässt eine Kleinigkeit ohne Gegenleistung. Und bei uns eben auch, ohne vorher die Schuhe putzen zu müssen. Denn im Endeffekt ist es wieder Mental Load für uns, die Kinder daran zu erinnern, Putzzeug bereitzustellen und ggf. danach das Chaos zu beseitigen ZUSÄTZLICH zum Befüllen der Stiefel.
Mal abgesehen davon, dass ich es nicht sonderlich lecker finde, wenn Schokolade und Äpfel dort ruhen, wo vorher nasse Käsemauken verweilen durften.
Jede Familie so, wie sie möchte
Wenn du die Stiefel putzen magst, mach das. Wenn du Nikolaus nicht feiern mag, dann mach das. Und wenn du nur Lebkuchen und Äpfel auffahren magst, tu das. Auch große Geschenke sind okay. Ihr entscheidet als Familie ob und wie ihr diesen Tag gestaltet. Und womit ihr euch wohl fühlt.
Wettbewerbe sind an der Stelle fehl am Platz, weil jede Familie andere Kapazitäten und Voraussetzungen hat. Ich möchte hier nur einen Anstoß für Weihnachten oder das nächste Nikolausfest geben. Kinder haben bedingungslose Liebe verdient. Ohne Gegenleistung.
Hier findest du Ideen zur Resteverwertung von Schokolade.
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Wie handhabst du den Nikolaus? Was landet bei dir im Stiefel (oder Beutel) Erzähl gern mal, denn ich bin immer sehr an neuem Input interessiert.
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Vielen lieben Dank!Herzlichst, die Julie
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Bildquelle: Pixabay
4 Kommentare
Mesalunita
Also bei uns wird es vermutlich noch recht klassisch gehalten. Abends vorher werden tatsächlich die Schuhe geputzt und wenn die Kinder dann schlafen befüllt. Sodass sie früh, meistens von alleine gleich nach unten rennen und nachsehen, was ihnen so in die Stiefel gesteckt wurde. Bei uns sind das dann meistens ein paar Nascherein und eine Kleinigkeit zum Spielen, Basteln, Lesen oder Hören. Früher war es immer für jeden ein Hörspiel, letztes Jahr ein kleines Puzzle, dieses Jahr war es was zum Basteln und spielen. Die größeren Geschenke warten tatsächlich weiterhin bis Weihnachten.
Weihnachtliche Grüße
Julie
Das klingt sehr heimelig und liebevoll! 🙂
Andrea
Hallo,
ich verstehe immer nicht, warum alles pathogolisiert werden muss. Auch hier werden die Stiefel geputzt. Einfach weil es eine süße Tradition ist. Keiner kontrolliert, ob der Schuh wirklich sauber ist. Die Großen erinnern die Kleinen und machen sich einen Spaß daraus, zu putzen. Meist mit großem Aufwand und Werkzeug und unter großem Gelächter. Alle Schuhe werden immer mit Schokolade und kleinen Aufmerksamkeiten befüllt und die Kinder freuen sich. Jedes Jahr aufs Neue. Und was hat das mit unserer Liebe zu ihnen zu tun? Nichts. Sie werden geliebt. Sie wissen es. Sie wissen, das wir für sie einstehen und zu ihnen halten. Und auch das sehen sie zum Teil bei den Großen. Jeder kann mit allem immer zu uns kommen und so geben sie es auch aneinander weiter. Und daran hat der geputzte Stiefel nichts gerüttelt.
Eine ruhige Adventszeit euch
Andrea
Julie
Andrea, ich weiß nicht, ob du meinen Beitrag richtig gelesen und verstanden hast. Denn im letzten Absatz sage ich ganz klar, dass jeder das so handhaben kann, wie er es mag und womit man sich wohl fühlt. Es spricht dir niemand die Liebe zu deinen Kindern ab.
Ich habe nur von uns berichtet und weshalb wir es anders halten. 🙂