Wer Kinder bekommen möchte, sollte sich darüber im Klaren sein, dass Vorstellung und Realität oft weit auseinander klaffen. Wer damit nicht klarkommt, sollte lieber weiter auf Verhütung setzen. Kinder haben bedingungslose Elternliebe verdient - findet Julie, 6-fache Mama.
Gedankenwelt,  Life

Autogespräche über Elternliebe // Kinder lieben, wie sie sind

Bedingungslose Elternliebe sollte selbstverständlich sein – eigentlich

Neulich, als ich eines meiner Kinder von der Schule abholte, kam ganz unvermittelt „Mama, X heißt jetzt Y und will jetzt mit anderen Pronomen angesprochen werden.“. Ich musste grinsen, denn für mich war schon lange klar, dass Y sich dem biologischen Geschlecht nicht zugehörig fühlt.

„Und wie hast du reagiert? Und was sagen X‘ Eltern dazu?“, wollte ich wissen. 

„Wie soll ich da schon reagieren, Mama? Ich verwende – wie alle anderen auch – den neuen Namen und achte drauf, dass ich nicht falsch gendere. Und falls es mir doch falsch rausrutscht, entschuldige ich mich natürlich! Und für die Eltern ist das total normal.“, bekam ich zur Antwort. 

Mir fiel ein Stein vom Herzen. Denn auch wenn wir 2026 haben, ist es dennoch für viele noch nicht selbstverständlich, ihre Sexualität und Identität so auszuleben, wie sie möchten. Auch heute haben viele Kinder noch Angst, sich zu outen und offen dazu zu stehen, nicht dem heteronormativen Bild zu entsprechen.

Als ich Kind war, hörte ich oftmals, wie abfällig mein Umfeld über diese eine Tante sprach, die mit einer Frau zusammen war. Das Wort „abartig“ fiel nicht nur einmal. Ich wusste also, meinem Umfeld würde ich nicht anvertrauen können, wie ich fühle und für wen ich Gefühle hege, wären sie nicht für einen Jungen.

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Dabei sollte Elternliebe bedingungslos sein. Immer.

Mit meinen Kindern habe ich von klein auf altersgerecht über Diversität gesprochen. Darüber, dass es okay ist, zu lieben, wen man liebt, solange weder Gesetze gebrochen noch jemand zu Schaden kommt. Wir haben darüber geredet, wie sie sich fühlen und dass wir als Anlaufstelle immer da sind. Dass sie keine Angst haben müssen, sich uns zu öffnen.

Und bisher klappt das wirklich gut.

Wer Kinder bekommen möchte, sollte sich darüber im Klaren sein, dass Vorstellung und Realität oft weit auseinander klaffen. Wer damit nicht klarkommt, sollte lieber weiter auf Verhütung setzen.

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Jedenfalls hat Y nun auch offiziell den Namen und Gender gewechselt. Für manche im Freundeskreis ist es noch ein bisschen schwer, den Deadname durch den neuen Namen zu ersetzen, aber Y hat viel Geduld, nimmt es nicht krumm und verbessert sacht. Die Versprecher werden weniger, der neue Name ersetzt den alten und bald wird es nur noch diesen geben.

Und ich freue mich für Y. Dass Y Eltern hat, die ihr Kind bedingungslos lieben. Weil sich der Mensch dahinter ja nicht ändert. Weil es ihr Job, ihre Aufgabe ist, diesen Weg gemeinsam zu gehen. Ohne Vorurteile, ohne Dogmen. Dafür mit Respekt und Raum für Wachstum.

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Genau das wünsche ich allen.

Denn Kinder haben es verdient, ohne Bedingungen unterstützt, ins Erwachsenenleben begleitet und geliebt zu werden. Kinder entstehen aus purem Egoismus, sind uns nichts schuldig. Doch wir Eltern, wir schulden ihnen Liebe, Akzeptanz und Unterstützung in allem, was sie reifen und wachsen lässt. Bedingungslos. Weil Sexualität und Geschlecht nichts sind, worauf man Einfluss nehmen sollte.

Nicht nur unsere Kinder leben zum ersten Mal, sondern auch wir. Und in Sachen Toleranz können wir von ihnen noch viel lernen. Dafür müssen wir aber auch zuhören, offen bleiben und Sicherheit bieten. Denn wenn wir den sicheren Hafen einmal verwehren, werden zukünftige Themen schwerer anvertraut oder gar verschwiegen.

Wir können uns nicht aussuchen, wie unsere Kinder sich fühlen, was Geschlechtszugehörigkeit und Sexualität betrifft. Aber wir können uns aussuchen, wie wir damit umgehen.

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Herzlichst, die Julie

4 Kommentare

  • Michael

    Hallo Julie,
    ich hoffe, daß Du mit Deinen Worten zu diesem Thema, das vermutlich für viele ein rotes Tuch ist, für diese Menschen einen anderen Blickwinkel darauf ermöglichst.
    Michael

  • Anne

    Toll, dass das Umfeld so wertschätzend reagiert, das ist halt leider auch im Jahre 2026 noch nicht die Regel.

    „Kinder entstehen aus purem Egoismus, sind uns nichts schuldig. Doch wir Eltern, wir schulden ihnen Liebe, Akzeptanz und Unterstützung in allem, was sie reifen und wachsen lässt.“ – Das hast du wunderbar ausgedrückt!

    • Julie

      Ja, das stimmt. Auch heute noch werden Menschen – Kinder – dafür verurteilt, dass sie sind, wie sie sind. Ich hoffe, dass hier zumindest die ein oder andere Person zum Umdenken kommt.

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