Darf man sich als Mama auf den Schulstart nach den Ferien freuen? Meine Meinung als 6-fache Mama
Gestern wurde mir auf Tiktok ein Video einer Mama eingespielt, die sich sehr auf den Schulstart nach den Ferien freute. In den Kommentaren haufenweise Belehrungen, in denen gesagt wurde, sie würde ihre Kinder nicht lieben, solche Menschen wie sie hätten keine Kinder bekommen dürfen. Ganz übel.
Der Tellerrand der Privilegien
Was dabei aber nicht bedacht wurde: Nicht jede Mama hat diese Option, eine „Stay-at-home-Mom“ sein zu können. Nicht jede Mama hat ein soziales Fangnetz durch Eltern, Geschwister, Freundschaften, die einspringen, wenn Kita und Schule geschlossen haben und ist somit schlichtweg auf institutionelle Betreuungsangebote angewiesen. Nicht alle haben diese Privilegien und Ressourcen, ihre Kinder einfach so und auf unbestimmte Zeit zuhause zu lassen.
Dazu bieten Schul- und Kitaalltag Struktur. Struktur, die unterstützend wirkt, den Alltag zu planen und den Kindern einen sicheren Rahmen in einem sozialen Umfeld liefert, der den Blick auf andere Lebensrealitäten erweitert. Die Kinder werden dort ja nicht „verwahrt“, sondern erleben dort soziale Interaktion, pädagogische, intellektuelle und körperliche Förderung durch Personen, mit denen sie vertraut sind.
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Messen mit zweierlei Maß
Was außerdem noch immer komplett beiseite geschoben wird, ist, dass Care Arbeit weiblich ist. Frauen übernehmen noch immer einen Großteil der Fürsorgearbeit, kümmern sich um Kinder, Haushalt, tragen den Mental Load für Termine jeglicher Art und arbeiten stundentechnisch mehr als Männer. Männer, die i.d.R. weit mehr Freiheiten und Freizeit besitzen, trotz Familie und Job ihren Hobbys nahezu uneingeschränkt nachgehen, weil Frauen ihnen den Rücken frei halten. Die Betreuung in den Schließzeiten und den Ferien übernehmen meist Mütter. Oder weiblich gelesene Verwandte. Und dennoch wird versucht, uns in jeglichen Belangen – Stichwort Misogynie – ein schlechtes Gewissen einzureden. Nicht umsonst erziehe ich meine Kinder feministisch.
Darf man sich als Mama also auf den Schulstart nach den Ferien freuen?
Aber hallo! Natürlich darf man sich drauf freuen. Egal aus welchem Grund. Denn wir sind schließlich nicht nur ein Elternteil unseres Kindes und haben auch eigene Bedürfnisse und Verpflichtungen neben diesem ganzen Elterngedöns.
Denn, jetzt mal ehrlich: Ein Termin im Rathaus ohne herumrennendes Kleinkind, ein Besuch bei der Bank oder schlichtweg eine Dusche, ohne dass man Angst haben muss, die Kinder kloppen sich derweil Richtung Erdkern können unglaublich entspannend sein. Und wir alle wollen entspannte und gute Eltern sein. Wie soll das denn funktionieren, wenn man 24/7 keine Verschnaufpause hat, immer auf Abruf ist.
Ich bin mir außerdem sehr sicher, dass es der Arbeitgeber nicht so prickelnd findet, wenn das Kind mit hinterm Tresen sitzt, während Mama Brötchen verkauft. Oder wenn es von den MFAs betreut werden muss, weil Mama gerade den nächsten Patienten zur Blutprobe überreden will. (Da wären wir übrigens wieder beim Messen mit zweierlei Maß, denn Väter fragt niemand, wer denn das Kind betreut, während sie arbeiten, ihren Hobbys nachgehen oder einfach existieren.)
Und selbst wenn man die betreute Zeit einfach nur nutzt, um zu atmen, ist das vollkommen valide. Wir können nur gute Eltern sein, wenn wir uns Inseln schaffen, in denen wir wieder Kräfte – Ressourcen – aufbauen können. Das geschieht sicher nicht, während wir kurz vorm Wahnsinn heulend auf dem Kinderzimmerboden sitzen, während wir einfach eine Pause bräuchten. Stille.
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Kita & Schule sind keine Fremdbetreuung
Lehrkräfte und pädagogisches Personal sind nämlich nicht fremd. Sie sind oftmals das Dorf, das uns in der heutigen Zeit fehlt. Weil die Eltern zu weit weg wohnen, die familiären Verhältnisse kein Fangnetz bilden oder schlichtweg die Kraft fehlt („ScHoN wIeDeR?!“) nach Hilfe zu bitten. Das sind Bezugspersonen, denen unsere Kinder vertrauen, zu denen sie eine Bindung aufbauen, die im besten Fall über Jahre hält.
Auch die Kinder freuen sich oftmals auf Schule und Kita. Sie freuen sich auf den Schulstart nach den Ferien und die damit verbundenen Strukturen. Wieso also sollte man ihnen das nehmen? Wieso sollten wir Mamas uns extra das Leben schwer machen, wenn es sich mit etwas Leichtigkeit und Entlastung schöner leben lässt? So masochistisch veranlagt bin ich nicht, nein.
Weg mit dem schlechten Gewissen!
Das ist nämlich absolut fehl am Platz. Wir können nämlich nur gute Mütter sein und unseren Kindern mitgeben, dass sie auf sich achten sollen, wenn wir das selbst tun. Und was wäre da besser, als das Betreuungsangebot zu nutzen, sich auf freie Stunden nach dem Schulstart zu freuen und Kraft zu tanken?
Reden tun eh meist nur die, die keine Kinder haben oder sich ihrer Privilegien eines funktionierenden Sozialgefüges nicht bewusst sind.
Herzlichst, die Julie
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2 Kommentare
Sari
Ich bin von Schule extrem genervt. Es verlangt den Kindern so viel ab und je länger sie diese besuchen, desto unwichtiger wird all das Zeug und sorgt dafür zu Hause nur ständig für Konflikte usw…
Aber ja, ich freue mich auch wenn sie wieder los geht. Auch als Stay-at-Home-Mama, wie du es nennst 🙂 Und zwar aus zwei Gründen: 1. Die Kinder kommen doch irgendwie ausgeglichener nach Hause, als wenn sie nur zu Hause wären und 2. Läuft der Alltag geregelter ab. Die Auszeiten dazwischen sind wichtig um zu sich zu finden, aber es braucht eben doch auch diese Struktur.
Julie
Ich versteh dich sehr gut. Wir haben auch ein Kind, das regelmäßig strauchelt. Sinnvolle ALternativen gibt es leider nicht.
Dennoch ist die Struktur unglaublich Halt gebend. 🙂