Schlafmangel als Mutter oder Eltern gehoert dazu wie Schnodder an der frischen Bluse. Humorvoll erzählt Julie auf Puddingklecks.de von ihren naechtlichen Erlebnissen.
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Schlafmangel – ihr sprecht euch doch ab!

Guten Tag! Ich bin Julie, in den 30ern, Mama von vier Kindern und ein Mombie!

So oder so ähnlich würde wohl meine Vorstellung in der Selbsthilfegruppe der „anonymen Schlaflosen“ klingen. Denn Schlaf, so vermitteln es mir meine Kinder momentan, wird scheinbar überbewertet. Schlafmangel gehört zum Elternsein dazu wie Schnodder am frischen Oberteil oder die Packung Feuchttücher in der Handtasche.

Wenn sie erstmal größer sind, wird es besser!

Kennst du diese dreiste Lüge? Was wird besser? Dass die Mäuse artikulieren können, was ihnen fehlt. Aber Schlaf? Schlaf gibt es noch immer kaum. Denn was diese gut gemeinten und dennoch total falschen Worte hier gänzlich außen vorlassen: Wenn sie größer sind, kommen sie an die Lichtschalter, die Türklinken und die Fernbedienung. Im besten Fall. Wenn es doof läuft, versuchen diese lieben kleinen Wesen morgens klammheimlich, im Wasserkocher Eier zu kochen (klappt nicht!) oder verwandeln die Küche in ein Winterwonderland aus Mehl, weil sie versuchen, einen Pfannkuchenteig herzustellen (Die Pfanne fiel dem leider zum Opfer – möge sie in Frieden ruhen!).

Und was diese Ratgeber auch einfach nicht bedacht haben: Wie sehr man erschrecken kann, wenn plötzlich ein kleiner laufender Meter neben dem Bett auftaucht und mit 2 cm Abstand zum eigenen Gesicht anfängt zu sprechen. Ohne dass man ihn vorher realisiert hat. Meine Spinnenphobie hat mich noch nie so zum Schreien gebracht, wie der Überraschungsangriff morgens um 2, weil das Wasserglas wieder aufgefüllt werden sollte.

Angriff der Killerknirpse!

Ja, das klingt gemein. Aber wenn man auf vermeintlich durchschlafende Kinder setzt und mit wohligem Blick zum Babyphone einschlummert und dann mit der in engelsgleicher Megaphonstimme vorgetragenen Info „Mama, ich geh Stinki machen!“ frohlockend herausgerissen wird, ist man wach. Vorerst zumindest.

Und schleicht sich dann eines dieser kleinen Wesen doch mal leise ins Bett und kuschelt sich still unter die Decke, kann man sich sicher sein, dass spätestens 5 Minuten danach ein „Mama, ich hab Durst!“ oder „Mama, dreh dich mal weg, ich hab keinen Platz!“ zugeflüstert wird. Natürlich nicht alleine. Das klappt – so will es das Kindergesetz – nur mit ständigem Strampeln, treten und gelegentlichen Zuckungen mit der Hand. Diese landet, wie soll es anders sein, immer (ja, ohne Ausnahme) entweder im elterlichen Gesicht oder zielsicher in der Magengegend.

Und dann, dann ist es ja noch so, dass die Mäuse sich ja scheinbar absprechen. Denn es ist nicht so, dass jede Nacht der gleiche Killerknirps zuschlägt. Nee, das wäre zu einfach. Die vier wechseln sich systematisch ab! Ganz sicher sogar. Immerhin nett ist, dass wir im Schnitt eine Nacht pro Woche gewährt bekommen, in der wir durchschlafen können. Leider verläuft das ohne Ankündigung und ist meist nicht mit dem Wochenende vereinbar. So sitzen wir Eltern also oft sehr lange wach, warten auf den nächsten Feldzug – von wem auch immer ausgehend – und schleppen uns, geprägt durch die vorangegangenen Nächte, viel zu spät ins Bett. Und sind am Morgen genauso müde wie am Abend zuvor.

Sie geben ja so viel zurück! Nämlich Schlafmangel.

Die Folge ist: Ich bin ein Mombie. Durch und durch. Aber ich funktioniere. Zumindest nach dem ersten Kaffee oder der ersten Ladung Frischluft. Und diese kleinen Erdenbürger? Denen scheint das Ganze so gar nichts auszumachen. Denn – im Gegensatz zu mir – rennen tagsüber, trotz Wanderbewegungen, Partystunden und Audienzbefehlen wegen verschwundener Kuscheltiere, vier kleine Flummis durch den Garten und wundern sich, warum die alte Frau mit den leicht ergrauten Haaren und Tränensäcken bis zum Kinn nur hinterher schlurft.

Vor etwa 3 Monaten habe ich das erste Mal seit über 8 Jahren durch geschlafen. Komplett von Anfang bis Ende. Am nächsten Tag war ich fit wie ein Turnschuh. Zwar ein ausgelatschter, aber immerhin! Zumindest bis 19 Uhr und dann war ich innerlich schon wieder auf „mit den Kindern schlafen, damit man das Meiste rausholt“ gepolt.

Ich bin diesen Mist – dieses Durchschlafen – einfach nicht mehr gewöhnt. Denn sogar, wenn diese eine zufällig festgelegte störungsfreie Nacht ist, sitze ich dann doch meist in diversen Abständen wach im Bett. Sie haben mich konditioniert. Wie ein Hündchen, das auf Kommando Salto macht, obwohl kein Leckerli mehr angeboten wird.

Schlafmangel als Mutter oder Eltern gehoert dazu wie Schnodder an der frischen Bluse. Humorvoll erzählt Julie auf Puddingklecks.de von ihren naechtlichen Erlebnissen.
Pixabay: Engin_Akyurt
Einfach weglächeln.

Ja, das machen zumindest diese vier kleinen Wesen. Denn morgens, irgendwann zwischen „der erste Vogel wird vom Schnarchen des Nachbars geweckt“ und „lass mich bitte nochmals umdrehen“, irgendwann wird man immer angestupft. Und wenn man sich dann total verschlafen wagt, ein Auge auf Halbmast zu öffnen, kann man sogar einen Blick auf strahlende Kinderaugen erhaschen und ein Lächeln erahnen, das vom einen Ohr bis zum anderen geht. Und dann? Dann lächelt man meist selbst. Man lächelt den Schlafmangel weg. Die Wut darauf, dass man schon wieder drei blaue Flecken mehr am Oberschenkel hat. Und den schrecklichen Mundgeruch, wenn ein zahnlückiges Kind, auf Knien durch das Bett hopsend, „GUTEN MORGEN!“ brüllt.

Sicher verfluche ich die Nächte. Diese Unterbrechungen, die mir jegliche Geduld und Laune rauben. Aber sie gehören dazu.

Und irgendwann, ja irgendwann, da liegen wir Eltern wach in unseren Betten. Wach und nervös und vielleicht ein bisschen ängstlich. Wird das Kind wohl zur vereinbarten Zeit zuhause erscheinen? Geht es ihm gut? soll ich nicht doch lieber anrufen?

Dieser Zeit blicke ich ein wenig zwiegespalten entgegen. Doch bis es so weit ist, teile ich mein Bett noch mit ihnen. Und den blauen Flecken und ausgerissenen Haaren und Nackenschmerzen. Weil ich es will. Und sie. Weil es uns gut tut.

Die Julie

 

Vielleicht magst du ja meine Gedanken zum Co-Sleeping lesen? Außerdem musste ich mir zu kranken Kindern im Kindergarten Luft machen. Oder stöberst du vielleicht lieber in kinderleichten DIY-Anleitungen?

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