Großfamilien – Menschen zweiter Klasse?!

Mir brennt dieses Thema schon länger auf der Seele. Denn in letzter Zeit nehme ich einfach vermehrt wahr, dass Menschen mit mehr als den „üblichen 2“ Kindern ziemlich oft ziemlich schräg angeschaut und auch dementsprechend behandelt werden. Und es verletzt und macht mich traurig. Sind wir als „Großfamilie“ denn weniger wert als Eltern mit nur einem oder zwei Mäuschen?

Paradebeispiel Restaurant

Es ist uns schon öfter passiert, dass Bedienungen extrem entgeistert reagieren und ihnen erst einmal die Gesichtszüge entgleiten, nachdem sie im Kopf unsere Kinderschar zusammengezählt haben. Wenn ein Kind sich schon schlecht benimmt, kann man das ja mit zusammen gekniffenen Lippen und Zornesfalte erdulden. Aber vier? Die müssen sich ja daneben benehmen.

Wollen Sie wirklich HIER essen? Ich meine, wollen SIE wirklich hier bei uns speisen?

Nein, kein Scherz. So wurden wir erst am Samstag vor Muttertag „freundlichst“ darauf hingewiesen, dass wir in diesem Lokal wohl nicht erwünscht seien. Am Vatertag wurden wir geschlagene 20 Minuten von den beiden Bedienungen ignoriert, die komischerweise alle Tische um uns, die später besetzt wurden – und dazu nur mit Pärchen oder Ein-Kind-Familien – freudestrahlend bedienten. Als wir dann aufstanden und etwas lauter sagten, dass man auf unser Geld wohl nicht angewiesen sei, merkte man richtig, wie den beiden Damen die Last von den Schultern fiel, die Familie mit den vier Gören, die die ganze Zeit ruhig gewartet hatten, bedienen zu müssen.

Auf dem Spielplatz

Auf dem Spielplatz sollte es ja eigentlich wimmeln vor Kindern oder? Oftmals, wenn wir neue Spielplätze besuchen, sind es aber die Eltern die herumwuseln und ihren Kindern die Händchen und den Po halten, damit diese sicher über die Hängebrücke kommen.

Wir sind aber nicht so, sondern denken, was sie aus eigener Kraft nicht schaffen, ist eben zu schwer und wird daher nicht gemacht. Ja, wir sind diese assi Eltern, die am Rand sitzen und unsere Kinder beobachten, ob und wie sie die Hürden der Klettertürme und Rutschenaufstiege meistern. Wir sind die Eltern, die zwar beim Schaukeln helfen, nicht aber, wenn es darum geht, den höchsten Turm zu erklimmen.

Und dann sind sie da wieder, diese Seitenhiebe durch andere, einfach mehr engagierte Eltern, die entsetzt reagieren, wenn der Frosch sie anmault, dass sie ihre Hand von seinem Hintern nehmen sollen, weil er es alleine kann. Die Eltern, die dann untereinander, mit Seitenblick zu uns, lästern.

Schau sie dir an. Erst Kinder in die Welt setzen wie die Karnickel und dann sitzen sie sich auf der Parkbank den Arsch platt, während die Kinder tun, was sie wollen!

Zum Glück – oder zu meinem Pech – haben Kinder gute Ohren und tragen mir diese Freundlichkeiten meist auf dem Heimweg vor. Ehrlich, ich finde es unheimlich beschämend und traurig, dass solche Sätze fallen. Weil wir überdurchschnittlich viele Kinder haben? Weil wir unseren Kindern zutrauen, sich ihre Grenzen der Möglichkeiten selbst zu setzen? Oder weil wir es wagen, diesen gesicherten Ort zu nutzen, um ein paar Minuten für unsere Belange, wie ein paar Seiten in einem Buch oder ein Gespräch zwischen uns als Eltern und Paar, anzueignen?

Die ungefragten Meinungen

Vielleicht hast du mitbekommen, dass das Verhältnis zu der Adoptivmutter meines Vaters so schlecht war, dass wir einen Cut ziehen mussten. Hier kamen nämlich ständig bösartige Kommentare bezüglich unserer Kinderplanung. Von „Jetzt ist aber Schluss! Was sollen denn die Leute sagen!“ über „Wir waren 5 und mussten uns eine Tafel Schokolade teilen. EINE Tafel. Weißt du, wie schlimm das war?“ durfte ich mir so ziemlich alles anhören, was meine Familie und meine Kinder indirekt abwertete.

Ganz beliebt sind die Gespräche an den Kassenbändern, wenn ab und an Zorngeschrei ausbricht, weil ich bei der Quengelware eben kein Auge zudrücke. Da fielen dann schon Sätze, bei denen selbst mir, und ich bin wirklich ziemlich wortgewandt, die Sprache wegblieb.

Ach du armer kleiner Junge. Weißt du, wenn die Mama so viele Kinder hat, dann gibt es eben nur den Billigkram vom Eingang und nicht das gute Zeug, das zum Schluss da liegt.

Da setzt man vier Kinder in die Welt und hat sie nicht unter Kontrolle.

Sie wissen schon, dass verhüten nicht weh tut?

Das sind noch die freundlicheren Sätze, die uns um die Ohren geschmissen wurden. Manchmal reagiere ich darauf mit „Oh wie schön, dass sie bei ihren Kindern alles richtig gemacht haben!“ und erfahre meist, dass diese Herrschaften selbst nicht eines haben. Ja, da lässt es sich wirklich leicht reden. Oder ich erkläre ihnen, wie ungesund das Zeug ist, was in deren Einkaufswagen liegt und ob sie diese und jene Krankheit auch schon haben, die jender Zusatzstoff hervorrufen kann. Manchmal frage ich diese Personen auch einfach, ob sie nicht meinen Einkauf übernehmen wollen, da ich ja so arm dran bin. Meist ist danach Ruhe.

Aber ernsthaft. Ob jetzt eines von vieren bockt oder ein Einzelkind ist doch sowas von schnurzpiepegal oder? Der Lärmpegel ist der gleiche. 

Wir haben weder Ähnlichkeit mit den berüchtigten Serien im Nachmittagsprogramm noch sind meine Kinder verloddert, vernachlässigt oder verdreckt. Die Situationen nach dem Eisessen oder wenn die Windel nicht hält, lasse ich nun einfach außen vor. Unsere Kinder beherrschen meistens die Umgangsformen und sind äußerst soziale Wesen.

Und es sind Kinder! Unsere Kinder!

Wie würden diese Menschen, die uns in die Schubladen stecken und meiden, reagieren, würde man das mit Ihnen machen? Muss man andere immer abwerten, um sich selbst besser zu fühlen? Ich finde nicht.

Ich wünsche mir mehr Respekt. Mehr Akzeptanz. Mehr Reflexion und weniger Schubladen. Mehr Gleichbehandlung und weniger Abwertung.

Und zu guter letzt; Wer nichts positives beitragen kann, sollte einfach mal die Füße stillhalten!

Liebe Grüße, die Julie

15 Comments on “Großfamilien – Menschen zweiter Klasse?!”

  1. Boah ist das krass 🙁 Das ist ja Fremdschäming pur solche Vollidioten auch nur zu imaginieren… ich werd übrigens mit meinen 2 schlecht (?) erzogenen (??) Kindern schon schräg angeschaut. Zum kotzen. Am besten hat man nur ein Kind, das aber immer Baby bleibt weil die sind ja süß und werden gern angefummelt.

    Liebe Grüße, Frida

    1. Ich finde es auch sehr traurig. Aber ich habe jetzt auch erfahren, dass es nicht allen so geht und manche sogar positiv bestärkt werden, wenn Nr 3, 4 oder 5 unterwegs ist. 🙂 Aber ja, Babys sind einfach handlicher und äußern sich meist nicht so lautstark wie (Klein-)Kinder.

      Viele liebe Grüße

  2. Es tut mir wirklich leid, dass es euch so ergeht. Es hängt aber glaube ich schon mitunter an der deutschen Mentalität, dass Kinder als Störfaktor betrachtet werden. Und wenn sie sich mal nicht benehmen, liegt das ja an den Eltern, stimmts? Kein Wunder, dass hier nur noch wenige Familien mehr als 2 Kinder bekommen. Das ist einfach nur traurig 🙁 LG Ella

    1. In Italien und Kroatien, aber auch schon in Österreich waren meine Kinder noch nie ein Problem. Die Erfahrungen, die ich geschildert hatte, waren wirklich ausschließlich hier.
      Die Kinderzahl von der Wirkung nach außen abhängig zu machen ist aber auch schade. Genauso schade wie die Reaktionen von außen.

      Viele Grüße

  3. Liebe Julie,
    leider ist es wirklich so… Die Großfamilien werden nun fast wie Asis behandelt! Und das in Deutschland, wo eigentlich viele Familie sich leisten können mehr als 2 Kinder zu haben…
    Ich bin nun mit unserem 3. Kind schwanger und wenn ich meinen 2 Kleinkindern und meiner 7-jährigen Schwägerin unterwegs bin, werde ich schon komisch angeguckt, egal ob im Restaurant, auf dem Spielplatz oder beim Einkaufen…
    Ich bin gespannt, wie es wird, wenn die #3 da ist!
    Und höre einfach nicht auf die Menschen:)
    Mit bunten Grüßen,
    Lisa von MamaKreativ

  4. Ich bin gerade echt geschockt wie dämlich manche Menschen sind. Unser Sohn ist bis jetzt ein Einzelkind und bekommt auch nichts an der Kasse gekauft. Als hätte das irgendwas mit der Kinderzahl zutun.😐Er freut sich viel mehr über sein Obst.
    Ich finde es echt Hammer, was sich manche Menschen heraus nehmen und kann dich echt gut verstehen, dass einem da auch mal der Po platzt.

    Lg

  5. Hallo liebe Julie, 🙂
    Genau über das Thema habe ich auch nachgedacht. Ich arbeite an einer Kasse und gestern hatte ich eine Mama mit fünf Kindern an meiner Kasse. Erst dachte ich drei, dann vier, aber nein, es waren fünf. Und die Kinder waren unheimlich nett! Der große Sohn hat den 2. Einkaufswagen geschoben, kein Kind ist weggelaufen oder hat geschrien. Die Kleinste hat mich begeistert angestrahlt. Und auch die Mama war sehr, sehr freundlich und entspannt. Richtig, richtig schön!
    Aber auch dass ein Kind mal schreit oder rumzetert, ist denke ich gut verständlich. Supermärkte sind eben auch gemein. Nur hat das nichts mit der Anzahl der Kinder zu tun. Und wahrscheinlich sind Eltern mehrerer Kinder meist erprobter und können solche Situationen besser managen. Mein Eindruck ist jedenfalls, dass noch recht frische Eltern es oftmals schwerer haben.
    Einen schönen Sonntag noch!
    Lena

    1. Vielen lieben Dank für dein Feedback, liebe Lena! 🙂
      Ich glaube, frische Eltern lassen sich leider meist auch sehr schnell verunsichern und das merkt sowohl das kleinste Kind als auch die Umwelt. Und von manchen (Erwachsenen) wird das leider schamlos ausgenutzt.
      Es freut mich ungemein, wenn auch von positiven Erlebnissen mit Mehrkindfamilien berichtet wird. Danke hierfür.

      Liebe Grüße

  6. Manche Menschen sollten einfach den Schnabel halten. Unqualifizierte Kommentare kommen meistens von Kinderlosen, die sich die Welt schön fantasieren.
    Mein Sohn kann manchmal so anstrengend sein wie 5 tollwütige Kinder (was mir keiner glaubt, der ihn nicht richtig kennt), von daher bewundere ich Eltern, die mehrere Kinder erfolgreich managen ohne sie zu erwürgen oder schreiend davon zu laufen. 😉
    Deutschland ist wirklich kinderunfreundlich (geworden). Ich bin in der DDR geboren und muss sagen, dass die heutigen Umstände für Familien mit Kindern eher eine Zumutung sind. Genauso die Einstellungen Kindern und großen Familien gegenüber. Das ist so schade.

    Liebe Grüße!

    1. Lieben Dank für deinen aufbauenden Kommentar! 🙂
      Ich habe in anderen Ländern auch eher positive Erfahrungen gemacht. Erfahrungen, die es hier leider seltener gibt. Aber vielleicht kommt das ja noch. Wer weiß …. 🙂

      Viele Grüße

  7. Ich glaube, in Restaurants spielt mit rein, dass Bedienungen die Arbeit sehen, die mit der größeren Zahl Personen einhergeht, wofür sie aber nicht mehr Trinkgeld bekommen. Wenn dort 6 Erwachsene sitzen, lässt jeder was springen, sitzen dort nur zwei Erwachsene und vier Kinder, zahlen auch nur die beiden Erwachsenen Trinkgeld. Dann verschütten Kinder noch was, machen den Tisch dreckig, usw. Also mehr Arbeit für weniger Ausbeute. Das ist natürlich nicht euer Problem, aber nur mal so als Gedanke.

  8. Ernsthaft, was die Leute so alles von sich geben.Keine gute Kinderstube gehabt. Aber ich hab mir solche Sprueche noch nie anhoeren muessen. Ich hoer maximal „Sind das alles Ihre?“ + entgeisterter Gesichtsausdruck 🙂 (4 Kinder in 5 Jahren und manchmal noch Kinder meines Bruders dabei, die altermaessig genau dazu passen)
    Lass sie reden…
    Liebe Gruesse
    Rina

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