Ein schöner Rücken … Warum meine Kinder „anonym“ bleiben.

Als auf Facebook erst wieder eine hitzige Diskussion startete, warum Eltern ihre Kinder zeigen und weshalb sie sie nicht schützen wollen und überhaupt, wie mies man seine Kinder doch zur Schau stellt, musste ich mich erstmal setzen. Nicht nur auf dieser Plattform wird öfter dieses Thema diskutiert und nicht selten scheiden sich die Geister.

Damals war ich offener

Zu Beginn meiner Zeit, die ich in den Internetmedien verbrachte, gab es öfter einen Blick auf die Gesichter meiner Kinder. Auch die Namen der 4 Mäuse wusste fast jeder, mit dem ich in Kontakt stand. Ziemlich arglos stellte ich den ein oder anderen Schnappschuss mit Gesicht online. Ob das vom Kurzurlaub in Regensburg oder einfach nur ein Tag auf dem Spielplatz war. Ich dachte mir dabei nichts. Auch über Nachrichten in Foren verschickte ich, ohne mir Gedanken zu machen, auf Anfrage Bilder meiner kleinen Wunder. Schließlich war ich stolz auf sie und wollte das zeigen.

Diese eine Situation

Dann kam damals eine Freundin auf mich zu. Die Taufpatin des Zwerges erzählte mir, dass sie das Bild, das ich ihr geschickt hatte, an diverse Freunde weiter geleitet hatte, weil sie es „einfach soooo süß“ fand. Sie hatte sich sicher nichts dabei gedacht, doch das war der Moment, bei dem ich das Gefühl hatte, selbst nicht mehr die Rechte an den Bildern und den Einblicken in unsere Familie zu haben. Ich fühlte mich einfach nur unwohl beim Gedanken daran, dass mir fremde Leute Fotos MEINES Sohnes in ihren Smartphones hatten und diese womöglich an nochmals weitere versendeten.

Ab da nahm ich Abstand, nahm auch die Bilder, die meine Kinder direkt und ungeschützt zeigten, aus meinen diversen Profilen und Foren. Natürlich werden die Bilder nie gänzlich aus dem Netz verschwinden. Das Internet vergisst nie. Aber Bilder selbst versende ich nur noch an Vertraute, von denen ich mir sicher sein kann, sie werden nicht wie Trophäen weiter gereicht.

Gedankenspiel

Die Bildrechte aller Fotos meiner Kinder liegen bei ihnen. Letztes Jahr gab es in Österreich einen Fall, bei dem die Tochter ihre Eltern verklagte, weil diese auf die Bitte hin, ihre Kinderfotos – die zum Teil ziemlich intim waren – nicht aus dem Netz nehmen wollten. Möchte ich meine Kinder über kurz oder lang vor die gleiche Entscheidung stellen, weil ICH das Foto, in dem mein Kind halbnackt im Planschbecken sitzt und Erde gegessen hat, so süß fand?

Jedem das Seine

Ich verstehe jeden, der argumentiert, dass die Kinder nun mal dazu gehören. Gerade als Familien- oder Elternblogger erzählt man ja auch viel von seinen Kindern, berichtet von seinen Zweifeln, gibt einen Einblick ins Familienleben. Ich schaue mir unheimlich gern die vielen Bilder mit Gesicht an und schwärme meinem Mann von den hübschen Mäusen der anderen Eltern vor.

Auch privat, abseits des Blogs, bewundere ich die Mäuschen, die gezeigt werden. Da würde ich lügen, wenn ich sage, natürlich schließe ich den Tab und drücke auf das X oben rechts, sobald ich ein Kinderbild sehe. Es wäre aber auch nicht schlimm, wenn diese Bilder nicht gezeigt oder abgeändert würden. Ich würde es verstehen.

Ein schöner Rücken … deshalb bleiben meine Kinder „anonym“

Beim Entschluss, einen Blog zu führen, habe ICH mich dazu entschlossen. Nicht meine Kinder. Und noch können sie die Reichweite ihrer Handlungen oder Fotos nicht abschätzen. Dafür muss und möchte ich einstehen und sie schützen.

Vielleicht werde ich in ein paar Jahren, wenn die Große selbst schon mit dem ersten Smartphone herum hantiert, umdenken. Die Welt wird ja auch immer digitaler. Aber zum jetzigen Zeitpunkt kann und will ich es nicht vertreten, meine Kinder, weil ICH bloggen möchte, komplett „entblößt“ zu zeigen. Kinderfotos wird es also im Netz vorerst auch nur aus der Rückansicht oder ohne Gesicht geben. Durch die Adresse, die ich im Impressum angeben muss, sind wir als Familie eh schon „nackt“. Mehr „Nacktheit“ will ich den 4en einfach nicht zumuten.

Und ich denke, auch wenn meine Kinder ohne Namen und nicht frontal gezeigt werden, gehören sie dazu und haben eine ebenso große Rolle in meiner virtuellen Welt verdient wie in der reellen.

Für mehr Akzeptanz

Jede Mama und jeder Papa wird sich Gedanken machen, was und wie viel sie/er von den Kindern preis gibt. Ich glaube, dass sich die Eltern schon etwas dabei denken, wenn sie Bilder ihrer Kinder ins Netz stellen und sich bewusst dafür oder dagegen entscheiden. Beides ist vollkommen in Ordnung und legitim, solange das Kind damit nicht bloßgestellt oder gedemütigt wird. Und das möchte hoffentlich kein Elternteil jemals machen. Also bitte, mach dein Ding, aber lass andere auch ihr Ding machen.

Wie denkst du über Kinderfotos im Netz?

14 Kommentare zu „Ein schöner Rücken … Warum meine Kinder „anonym“ bleiben.“

  1. Ich vertrete da genau deine Meinung!
    Ich verurteile niemanden. Soll jeder halten, wie er das möchte. Habe aber manchen bekannten Eltern gegenüber, die es meiner Meinung nach arg übertreiben, dann schon mal angesprochen, ob sie das in Ordnung finden, dass solche Fotos sich womöglich unkontrollierbar verbreiten.
    LG, Tina

    1. Danke für dein Feedback, liebe Tina!

      Ich glaube, vielen ist gar nicht bewusst, wie schnell und unkontrollierbar die Bilder die Runde machen, daher ist Aufklärung darüber enorm wichtig.

      Liebe Grüße, die Julie

  2. Ein sehr schöner Text über ein sehr sensibles Thema! Auch ich habe mich auf meinem Blog http://www.annaemscher.wordpress.com bewusst entschieden, was Fotos von uns und unseren Kinderm angeht, anonym zu bleiben. Das tut keinem weh, der Authentizität keinen Abbruch, verschafft mir und meinen Lieben aber Schutz vor allem, was sich so im Netz herumtreibt und eben nicht nur nette Elternblogs lesen möchte, sondern andere, nicht ganz so ehrenwerte Ziele verfolgt.
    Glück auf, Anna Emscher

  3. Ein toller Beitrag.Ich halte es wie du .Wenn ich daran denke das man durch das Impressum im Blog eh schon preisgibt wo man wohnt möchte ich mir nicht vorstellen wo es schlimmsten Falls enden kann wenn ich das Gesicht meiner Tochter ebenfalls auf dem Blog zeige.

    Liebe Grüsse
    Mary

    1. Liebe Mary,
      vielen Dank für dein Feedback! Da hast du vollkommen recht. Die „was wäre wenn“ Fragen geisterten auch schon in meinem Kopf herum. Man ist eben doch nicht so anonym mit Blog wie ohne.

      Liebe Grüße, die Julie

  4. Hallo,
    ein schöner Beitrag! Ich zeige meine Kinder ebenfalls nicht mit Gesicht und nenne keine Namen. Allerdings schlicht und ergreifend aus dem Grund, weil ich der Meinung bin, nicht das Recht dazu zu haben, diese Dinge im Netz preiszugeben. Wenn jemand etwas „Böses“ mit Fotos meiner Kinder anstellen will, kann er sie auch einfach heimlich im Freibad mit dem Smartphone fotografieren…
    Aber das muss wirklich jeder so handhaben, wie er es für richtig hält. Für mich gibt es da kein ‚Richtig oder Falsch‘. Solange die Würde der Kinder gewahrt bleibt.
    Liebe Grüße, Lisa

    1. Hallo Lisa,
      da hast du natürlich recht. Die Rechte der Bilder sind und bleiben bei den Kindern.
      Auch bei den anderen Dingen gehe ich mit dir konform. Vielen Dank für dein Feedback!

      Liebe Grüße

  5. Liebe Julie,

    du hast vollkommen Recht Deine Kinder schützen zu wollen, man weiß heutzutage ja wirklich nicht mehr, wer sich diese Bilder alle anschaut bzw. was damit gemacht wird. Deshalb möchte ich direkt auch nicht die Gesichter meiner Jungs im Internet wissen. Dennoch sollte jeder selbst wissen, wie er damit umgehen möchte. Wenn ich mir aber beispielsweise Accounts auf Instagram ansehe, bin ich schockiert wie es manche Eltern auch übertreiben mit den Fotos ihrer Kinder.

    Liebe Grüße,
    Monika
    http://www.little-post.com/

    1. Hallo Monika,

      danke für dein Feedback! Ich denke, dass jedes Elternteil, das sein Kind liebt, es nur im bestmöglichen Licht erscheinen lassen möchte. Genauso handhaben es die Eltern eben auch mit den Bildern.
      Vieles würde ich auch nicht posten, doch obliegt es mir nicht, daran Kritik zu üben, solange das Kind nicht in irgendeiner Form erniedrigt oder lächerlich gemacht wird.
      Vielleicht übertreiben wir „gesichtslosen“ auch mit unserer Fürsorge, wer weiß?

      Liebe Grüße, die Julie

  6. Hi, ich finde deinen Beitrag sehr toll und der Trifft den Nagel auf dem Kopf. Ich zeige auf meinem Blog nur mich. Meine gesamte Familie bleibt inkoknito. Ich habe mich entschieden einen Blog zuführen und nicht meine Kinder ( http://margreblue.de/ ).
    Daher Frage ich auch meine Kämpferin (19 Jahre ) immer wenn ich was über Sie schreiben oder zeige Ihr meine Texte. Ich finde es wichtig das man seine Kinder schützt. Denn wie du schon rivhtig gesagt hast das Internet vergisst nie und es muss ja nicht immer gleich vom schlimmsten ausgegangen werden. Er möchte sich schon gerne „googeln“ und seine halbes Leben im Netzt finden.
    Eine sehr schönen Blog hast du.

  7. Ich bin ganz und gar deiner Meinung. Von meinen Zwergen gibt es kein Bild. Nie habe ich daran auch gezweifelt ob es richtig ist. Ich habe da zu viel Angst.

    Ich finde deinen Beitrag wie immer gut geschrieben und von Herzen Ehe. Das man sich so „nackt“ machen muss und seine Adresse angeben muss reicht definitiv, wobei ich das auch schon zu viel und irgendwie übertrieben finde.

    1. Hach, liebe Melanie, vielen Dank! <3
      Irgendwie muss man sich ja für den Inhalt seiner Seite haftbar machen. Da finde ich das mit der Adresse auch okay. Aber die Seite war ja MEIN Wunsch. Da haben die Kinder einfach nix zu suchen. Zumindest frontal. 🙂

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